Teneriffa mit Kindern – Spröde Schönheit

– Fotoreportage –

Zehn Tage sind nicht gerade viel Zeit, um die größte Kanareninsel Teneriffa mit Kindern zu erkunden. Und so haben es auch Mama und Sohn von unterwegsmitkind nicht geschafft, wirklich ganz Teneriffa kennenzulernen. Zugegeben: Nicht alles, was wir gesehen und erlebt haben, hat uns gefallen. Und dennoch würden wir wieder nach Teneriffa reisen. Denn die Insel hat neben dem höchsten Berg Spaniens viele weitere Höhepunkte für Reisen mit Kindern zu bieten.

Über Teneriffa kann man viel meckern. Die schöne Landschaft der Hauptinsel der Kanaren ist komplett zersiedelt. Bauruinen verschandeln fast jeden noch so netten Ort. Das Umweltbewusstsein lässt nach wie vor sehr zu wünschen übrig. Selbst in Naturschutzgebieten liegt Müll herum, und bei Spaziergängen in Siedlungszonen steigt uns immer wieder der scharfe Geruch von Urin in die Nase.

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Bettenburgen an der Küste sind die eine Sache. Doch auf Teneriffa macht der Massentourismus selbst vor dem abgelegensten Bergdorf nicht halt. Schwer enttäuscht waren wir deshalb vom Westen der Insel. Das Tenogebirge und die Westküste kannte ich noch gar nicht. Bei meinem Aufenthalt auf Teneriffa ohne Kind vor über zehn Jahren wurde mir die Region noch als „Geheimtipp“ empfohlen. Auch meine Reiseführer loben sie in den höchsten Tönen.

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Ein Bergdorf ohne Seele

Die Fahrt nach Masca, dem angeblich schönsten Dorf Teneriffas, führt auf einer Bergstraße durch das Tenogebirge – eng, kurvig, steil, aber gut befestigt. Das könnte schön sein, und der Blick vom Scheitelpunkt der Straße ist es wirklich: La Gomera am Horizont, davor die wilden Gipfel des Tenogebirges, die tiefe, schattige Schluchten überragen, dazu kanarische Palmen und Kakteen an den Hängen. Nur leider fahren auf dem Sträßchen auch jede Menge Reisebusse. Denen muss man ausweichen, wenn sie entgegenkommen, und hinterherschleichen, wenn man sie vor sich hat. Eines von beidem passiert ständig und keines von beidem macht Spaß.

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Masca selbst besteht inzwischen scheinbar überwiegend aus Restaurants. Die Lage ist traumhaft, doch der Ort ist nicht halb so schön wie manche Orte im Norden, und die Leute sind total unfreundlich. Das Bergdorf Masca hat seine Seele an den Massentourismus verkauft. Im ersten Laden des Ortes wollten wir eigentlich einen Hut für den Sohn kaufen. Den hatten wir schon zu Beginn gesehen, wollten ihn aber erst nach dem Rundgang holen.

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Als wir am Ende wieder in den Laden kommen, müssen wir beide dringend zur Toilette. Doch die Türen sind verschlossen. Der Laden ist voll. Vor der Tür steht ein Reisebus. Deshalb denke ich, es sei besetzt. Dann dreht sich eine ältere Senora zu uns um. Sie hat die Toilettenschlüssel in der Hand und fordert: „One Euro, if you don’t drink or buy anything.“ Ich antworte auf spanisch, dass wir etwas trinken wollen. Kaktuslimonade wäre wirklich mal interessant. Sie antwortet ohne die Miene zu verziehen: „You have to order first.“ „But we need to go to the toilet urgently.“ „Then you give me one Euro and I give you back, when you have ordered something.“ Dabei sieht sie ungefähr so vertrauenswürdig aus wie ein Film-Mafioso und ebenso humorlos. Der Hut bleibt im Laden.

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Es waren einmal einsame Strände …

Auch unsere weitere Tour durch den Westen bleibt etwas enttäuschend. An der Küste wollten wir die Strände erkunden – für einen eventuellen nächsten Aufenthalt. Das erste Ziel ist die Playa de Guios in Los Gigantes. Gigantisch fand ich dort weniger die Felswände, die auf La Gomera mindestens genauso hoch und steil aus dem Wasser ragen, als vielmehr die Apartmentanlagen, die sich schier endlos den Hang hinauf ziehen. Der Strand ist dagegen winzig und komplett überlaufen.

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Gelohnt hat sich der Stopp nur, damit der Sohn seinen Hut bekommt und für das angeblich beste Eis der Insel, das ein Schweizer in der Eisdiele El Punto am Eingang der Ecke der Gasse zum Strand verkauft. Die beiden Kugeln Mango und Schoko-Orange kosten zwar 3,40 Euro, werden aber dem Ruf gerecht, den der Michael Müller Reiseführer Teneriffa ihnen zuschreibt.

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Nächster Stopp: Playa de las Arenas. Nach rund einer Viertelstunde Kurverei durch Apartment- und Hotelanlagen stehen wir über dem schwarzglitzernden Sandstrand mit zwei Meter hohen Wellen. Auch dieser Strand ist immens voll, vor allem wenn man bedenkt, dass man dort weder schwimmen noch wirklich planschen kann, weil die Brandung einfach immer zu gefährlich ist. Ein schönes Schauspiel bieten die Wellen aber allemal – genau wie die Lifeguards, die regelmäßig übermütige Badegäste zusammenstauchen.

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Nach einer halben Stunde geht es weiter zum angeblichen Fischerdorf Alcala. Dort drängen sich nicht ganz so viele Apartments aber immer noch genug. Statt Strand gibt es dort eine Treppe ins Wasser von einer Felsplattform herab. Der vierte Strand, die Playa San Juan sieht von weitem toll aus. Sie liegt geschützt im Becken eines kleinen Fischer- und Motorboothafens. Doch im Wasser schwimmt Entengrütze und die Riesenkiesel pieksen fies an den Füßen. Dennoch haben wir uns dort am längsten aufgehalten, denn der Strand selbst ist schön sandig, weitläufig und gegen Abend eher leer.

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Warum Teneriffa mit Kindern trotzdem eine Reise wert ist

Auch wenn wir vom Westen der Insel sehr enttäuscht waren, lassen sich auf Teneriffa mit Kindern herrliche Ferien verbringen. Wer will, kann jeden Tag an einen anderen Strand zum Baden fahren. Darfs heller oder dunkler Sand, beeindruckende Brandung oder lieber ein leises Glucksen der Wellen in einer geschützten Bucht sein? Auch im Angebot: Charcos – natürliche Felsbecken im Meer – oder kleiner schwarzer Vulkankiesel, der abends nicht wie der feine Sand mit ins Kinderbett wandert.

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Apropos Wandern: Auch die wüstenhaften Vulkanlandschaften begeistern mich immer wieder. Ich könnte jeden Tag durch die karg bewachsenen Felsen steigen. Zwei schöne kindertaugliche Wanderungen haben wir in Schutzzonen an der Südküste unternommen. Die erste lag fast direkt bei unserem Bungalow auf dem Land und führte uns durch das Malpais („schlechtes Land“) von Güimar. Dort haben wir vor allem über die riesigen Kandelaber-Wolfsmilchgewächse gestaunt (siehe Titelbild). Die zweite Vulkanküstentour startete direkt an einer Bauruine an der Costa del Silencio und führte uns (bei Ebbe!) an den großartigen Felsformationen der Montaña Amarilla entlang.

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Schön abwechslungsreich: Auf Teneriffa mit Kindern wandern

Wenn ich doch mal Pause von der kargen Vulkanlandschaft brauche, finde ich im Anaga-Gebirge dichtesten Nebelwald wie aus dem Märchen mit mehreren kindertauglichen Wanderrouten. Als wir dort waren, war es allerdings so warm, dass wir die Wanderung auf einen Spaziergang verkürzt und lieber noch einen langen Strandnachmittag rangehängt haben.

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Prima wandern kann man auf Teneriffa mit Kindern auch durch die Wälder mit den ehrfurchteinflößenden kanarischen Kiefern, von denen einige schon mehrere Waldbrände überlebt haben. Dafür war unsere Zeit zu kurz, doch ein paar Pausen bei den Baumriesen haben wir auf unserem Weg zum Teide und zurück dennoch eingelegt.

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Überraschung: Kunst und Kultur gibt es auf Teneriffa auch!

Steht mir der Sinn nach Kultur, ist auch das auf Teneriffa mit Kindern kein Problem. Wir hatten in Güimar die berühmten Pyramiden direkt vor der Haustür.

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Außerdem hat Teneriffa immerhin drei große Städte mit etlichen sehenswerten Museen. Bei unserem Bummel durch die Inselhauptstadt Santa Cruz haben wir wunderbare Parks und jede Menge interessante alte und spektakuläre neue Architektur entdeckt und dazu noch einheimischen Alltag auf Teneriffa erlebt.

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Das Höchste bei einer Reise nach Teneriffa mit Kindern aber ist im wörtlichen wie übertragenen Sinn der alles überragende Teide. In den höchsten Berg Spaniens habe ich mich schon beim ersten Anblick vor über zehn Jahren verliebt, und ich kann mich bis heute nicht an ihm satt sehen. So nah wie diesmal war ich seiner über 3700 Meter hohen Spitze noch nie. Mit der Seilbahn sind wir bis auf 200 Meter unter den Gipfel gefahren, wo der Blick nicht nur über ganz Teneriffa, sondern bis zu den Nachbarinseln Gran Canaria, La Gomera und La Palma reicht.

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Wart ihr auch schon mit Kindern auf Teneriffa? Was hat euch am besten gefallen? Verratet mir eure Highlights. Sucht ihr weitere Anregungen für eine Reise nach Teneriffa mit Kindern? Dann guckt mal hier:

Reiseführer für den Teneriffa-Urlaub stelle ich hier vor.

9 kindertaugliche Strände auf Teneriffa lernt ihr hier kennen.

Tipps zum Autofahren auf den Kanaren gibt es hier.

Lohnt sich der Loro Parque auf Teneriffa mit Kindern? Meine Eindrücke

Warum Familienurlaub auf den Kanaren immer wieder Spaß macht, erfahrt ihr hier.

5 Kommentare

  1. Pingback: Zusammenfassung Foto-Challenge 4-2017 "Von oben" - Teil 2

  2. Mario Konschake

    Hallo Gela,

    weil uns dein Blog etwas bei der Planung geholfen hat würde ich gern etwas davon zurück geben. Wir waren gerade mit drei Kindern (2, 4, 6) zwei Wochen auf Teneriffa und sind viel gewandert. Die Zweijährige war dabei meist auf dem Rücken, die anderen beiden sind gelaufen.

    Ich habe die neun Wanderungen, die wir gemacht haben bei Komoot gespeichert:https://www.komoot.de/user/mariokonschake/tours?sport=all&type=planned&order=date&descending=true&search=Wandern%20auf%20Teneriffa%20mit%20Kind. Vielleicht kannst du oder jemand anders damit ja auch etwas anfangen.

    • Lieber Mario,

      Danke für dein Feedback. Das freut mich sehr, wenn mein Blog hilfreich ist! Neun Wanderungen sind ja echt eine Nummer! So viele haben wir nicht geschafft. Aber ein paar schöne Touren haben wir auch gemacht, darunter auch das Malpais von Guimar.

      Herzliche Grüße
      Angela

  3. Moin Gela,

    hab das erste mal Teneriffa gebucht und freu mich auf die Reise mit meinen beiden Kids (dann 9 und 15). Auf der Suche nach Ideen bin ich in Deinem Blog gelandet und sag schon mal DANKE für die Tipps, die ich lesen konnte.

    Gleich eine Frage (wahrscheinlich kommen bis August noch mehr): Hattest Du einen Mietwagen? Oder sind die Öffis auch für nichtspanischsprechende Menschen gut nutzbar, um sowohl verschiedene Strände, als auch Kultur in der Hauptstadt und Nebelwälder zu sehen?

    Viele neugierige Grüße.

    Antje

    • Liebe Antje,
      ich bin fast immer mit Mietwagen unterwegs. Ohne Spanisch würde ich dir das erst recht empfehlen. Die Gründe und Tipps dafür habe ich auch schon in meinem Artikel über „Autofahren auf den Kanaren“ zusammengefasst. Den Link findest du oben, am Ende des Beitrags bei den anderen Links zu weiterführenden Artikeln über Teneriffa und die Kanaren.
      Viel Spaß schon mal und liebe Grüße
      Gela

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