Autofahren auf den Kanaren – Tipps und Erfahrungen –

Autofahren auf den Kanaren - Aussichtsstopp im Gebirge von Gran Canaria

Wer auf den Kanaren Urlaub mit Kindern verbringt und sich nur vom Hotel an den nächsten Strand bewegt, verpasst etwas. Selbst bei einem Pauschalurlaub sollte man zwischendurch mal die Insel erkunden. Am besten geht das mit einem Mietwagen. Was es beim Autofahren auf den Kanaren zu beachten gilt, habe ich hier aus meinem Erfahrungswissen zusammengestellt.

Eines vorneweg: Ja, es gibt auch Busse auf den Kanaren. Und ja: Die Busverbindungen sind ok. Und nochmal ja: Busfahren ist billiger als ein Mietwagen – zumindest wenn man allein oder zu zweit unterwegs ist. Für eine vierköpfige Familie spielt es dagegen schon fast keine Rolle mehr, ob sie auf Busse und Taxi (zum Gepäcktransport) setzt oder einen Mietwagen nimmt. Ab einer Mietdauer von einer Woche sind die Preise für Mietwagen auf den Kanarischen Inseln wirklich günstig. Außerdem bietet ein Mietwagen jede Menge Flexibilität und Annehmlichkeiten, auf die ich nicht verzichten möchte.

Autofahren auf den Kanaren - Teneriffa mit Mietwagen

Spontaner Stopp am Straßenrand – geht nur mit Mietwagen.

Mietwägen auf den Kanaren sind günstig

Auf Teneriffa und Gran Canaria haben wir in den letzten Jahren jeweils rund 15 Euro pro Tag ab/bis Flughafen für eine Mietdauer von zehn Tagen inklusive der kompletten (!) Versicherungen gezahlt. Im Valle Gran Rey auf La Gomera hätten wir dagegen fast keinen Wagen mehr bekommen und mussten deutlich mehr bezahlen. Deshalb kann es unter Umständen sinnvoll sein, für eine Reise mit Kind nach La Gomera den Mietwagen gleich am Flughafen von Teneriffa zu übernehmen. Die höheren Kosten für die Fähre lassen sich beim Taxi auf Gomera wieder einsparen.

Egal auf welcher der Kanarischen Inseln ihr euren Urlaub mit Kindern verbringt: Wichtig ist, dass die Vollkaskoversicherung für den Mietwagen auch Glasbruch, Unterboden- und Dachschäden umfasst. Denn auf vielen Gebirgsstrecken wird vor Steinschlag gewarnt, und Parkplätze an schönen Stränden sind mitunter unbefestigte Schottenflächen. Auch bei kurzen Stopps am Straßenrand steht ihr oft auf Schotter.

Orientierung und Verkehrsregeln auf den Kanaren

Zur Orientierung empfehle ich euch eine Navigations-App für das Smartphone, die mit Offlinekarten arbeitet – oder auch mehrere. Tatsächlich brauchte ich in kleineren Orten auf Teneriffa jenseits der Touristenzentren oft eine zweite App, wenn mich eine Karte in die Irre geleitet hatte. Denn dort wimmelt es nur so von Einbahnstraßen und Sackgassen, während Schilder mit Straßennamen oft fehlen. Außerhalb der Ortschaften ist die Beschilderung dagegen in der Regel gut.

Die Verkehrsregeln für Spanien gelten auch auf den Kanaren. Ihr könnt sie in jedem Reiseführer nachlesen. Das Wichtigste: Grundsätzlich gelten in Ortschaften 50 km/h, außerhalb 90 km/h und auf Autobahnen 120 km/h Höchstgeschwindigkeit. Oft weicht das erlaubte Tempo aber nach unten ab. In Ortschaften ist eine 30-Zone mit weißer Farbe auf dem Straßenbelag markiert. Außerhalb von Ortschaften und auf Autobahnen zeigen Schilder wie in Deutschland zusätzliche Geschwindigkeitsbegrenzungen an.

Autofahren auf den Kanaren - Mit Mietwagen durch Teneriffa

Baustelle auf der Straße vom Teide in Richtung Los Cristianos (Teneriffa)

Autobahn auf den Kanaren?

Sowohl Gran Canaria als auch Teneriffa sind mit Autobahnen erschlossen. Sie laufen auf beiden Inseln fast komplett außen herum jeweils mit Ausnahme des Nordwestens der Inseln. Auch auf La Palma und Lanzarote gibt es Autobahnstrecken, jedoch (noch) nicht über die kompletten Inseln. Die Wege über die Autobahn sind zwar oft weiter als durch das Inselinnere, aber fast immer schneller. Denn die kürzeren Strecken führen durch die Berge.

Auf den Autobahnen der Kanaren wird es euch immer wieder passieren, dass Autos oder Lieferwägen mit 70 bis 90 km/h schleichen, obwohl 120 km/h erlaubt sind. Viele ältere einheimische Fahrer sind nicht sonderlich geübt. Haltet also genug Abstand und immer die Augen offen. Raser gibt es dagegen kaum. Die Auffahrten sind oft kürzer als in Deutschland. Nur Mut beim Einbiegen. Die Autos auf der Autobahn weichen an Auffahrten fast grundsätzlich auf die linke Spur aus. Eng wird es selten.

Auf Autobahnen und Landstraßen weisen in der Regel genug Schilder den Weg.

Kreisverkehr statt Kreuzung

Wer schon in Spanien Auto gefahren ist, weiß, dass dort Kreisverkehre die meisten Kreuzungen ersetzen. Vorfahrt hat immer der Fahrer im Kreisverkehr. Das ist aber mit einem Vorfahrt-Achten-Zeichen auf der Straße meist zusätzlich markiert. Gibt es Stau im Kreisverkehr, dann wird schon hinter den Zebrastreifen angehalten.

Ohnehin nehmen die kanarischen Fahrer in Ortschaften meist viel Rücksicht auf Fußgänger und fahren lieber langsam hinter einem Radfahrer her, als ihn an einer riskanten Stelle zu überholen. Tranquillo – nur ruhig! Dieses Motto gilt auch auf den Straßen innerhalb der Ortschaften der Kanaren. Dafür sorgen nicht zuletzt die Buckel für Zebrastreifen, die längst nicht immer farblich markiert sind. Am besten lasst ihr es beim Autofahren auf den Kanaren also auch ruhig angehen.

Parken ist erlaubt, wo nicht ein Schild steht oder eine durchgezogene gelbe Linie am Straßenrand aufgezeichnet ist. Bei einer unterbrochenen Linie darf man nur kurz halten. In Strandorten sind Parkplätze oft knapp und keiner scheint sich mehr um diese Regeln zu scheren.

Autofahren auf den Kanaren - Teneriffa im Mietwagen

Durch Santa Cruz, die Hauptstadt von Teneriffa, führt eine Stadtautobahn.

Landstraße beim Autofahren auf den Kanaren = Bergstraße

Wer Spaß am Autofahren hat, wird die Landstraßen der Kanaren lieben – einige zumindest. Denn Landstraßen auf Teneriffa, Gran Canaria, La Gomera, Lanzarote, La Palma und El Hierro sind fast immer Gebirgsstraßen, die innerhalb weniger Kilometer mit vielen Kehren ansehnliche Höhenmeter überwinden. Sie sind steil, oft eng und manchmal auf der Talseite unbefestigt. Letzteres gibt es aber immer seltener.

Grundsätzlich gilt beim Autofahren auf den Kanaren in den Bergen: Lieber einen Gang zu niedrig als einen Gang zu hoch einlegen, auch wenn der Motor dann jault. Bergab nutze ich so die Motorbremse zusätzlich zum Stotterbremsen auf extrem steilen geraden Strecken.

Eine Herausforderung: Viele der Bergstraßen sind einspurig. „Hoffentlich kommt uns jetzt keiner entgegen“, sagt da manchmal sogar mein abenteuerlustiger kleiner Reisebegleiter. Aber zu unserem eigenen Erstaunen hat es bisher immer geklappt mit dem Gegenverkehr.

Nur sehr selten musste ich mal bergauf oder bergab zurücksetzen bis zur nächsten Ausweichstelle. So ein Manöver kann etwas dauern, weil dabei höchste Vorsicht geboten ist, damit ich nicht links oder rechts von der Straße abkomme. Viel häufiger haben wir uns gewundert, dass selbst die Fahrer der bergauffahrenden Fahrzeuge so nett waren, auf der Ausweichbucht zu warten, bis wir vorbei waren. Eine Ausnahme machen Reisebusse. Die gehen scheinbar davon aus, dass sie aufgrund ihrer Größe die Vorfahrt eingebaut haben, zuletzt auf der Strecke in das berühmte Bergdorf Masca auf Teneriffa.

Autofahren auf den Kanaren - Straße nach Masca, Teneriffa

Schmal schlängelt sich die Straße nach Masca auf Teneriffa ins Tal. Von der Passhöhe sieht man am Horizont La Gomera.

Tiefe Gräben am Straßenrand

Ich habe es schon erwähnt: Der Straßengraben ist eine weitere Gefahr beim Autofahren auf den Kanaren auf vielen Strecken außerorts. Meist ist er unbefestigt. So bricht witterungsbedingt schon mal ein Stück Teer an der Seite ab. Ob man aus so einem Loch wieder herauskommt oder gleich mit der Karosserie aufsitzt, ist dann reine Glückssache. Auch die befestigten Straßengräben fallen auf den Kanaren so steil ab, dass man besser nicht hineingerät. Das ist mir auf Gran Canaria einmal passiert. Zum Glück hatte ich dort einen Smart gemietet, den drei starke spanische Jungs wieder in die Spur heben konnten.

Doch all diese Gefahren sind gebannt, sobald man sie kennt. Wirklich gefährlich kann das Autofahren auf den Kanaren dagegen bei Regen werden. Denn oft hat sich nach wochenlanger Trockenheit eine Staubschicht auf der Straße gesammelt, die gemischt mit Feuchtigkeit zur reinsten Schmiere wird. Dann gilt es wirklich langsam zu fahren und an ungefährlichen Stellen ab und zu einem Bremstest einzulegen.

Wer auf diese Risiken vorbereitet ist, kann viel Spaß beim Autofahren auf den Kanaren haben und viel von den Inseln sehen. Ich selbst genieße die Freiheit sehr, an schönen Fleckchen mal eben am Straßenrand auszusteigen und mich umzusehen und könnte mir keine Reise mit Kind auf die Kanaren vorstellen. Auf Teneriffa haben wir mehrere Rundtouren aus dem Michael Müller Reiseführer unternommen, die so nur mit einem Mietwagen möglich sind.

Außerdem bringt mich auch nur ein Mietwagen zu jeder Zeit zu den Ausgangspunkten meiner Wanderungen mit Kind. Manche sind mit Bussen gar nicht erreichbar, andere nur wenige Male. Auf La Gomera kann es zudem passieren, dass die wenigen Busse, die morgens aus dem Valle Gran Rey ins Gebirge hochfahren, überfüllt sind und euch nicht mitnehmen. Da lobe ich mir einen Mietwagen, der mich bequem mit Kind und Gepäck zum Wandern, von dort ins leckere Restaurant und danach an den Strand bringt.

Autofahren auf den Kanaren - Teide offroad Teneriffa

Offroadtouren durch den Nationalpark El Teide auf Teneriffa bleiben den Park-Rangern vorbehalten.

7 Kommentare

  1. Hi Angela,

    mal wieder ein toller Bericht.
    Er gibt einen tollen Überblick, über das Fahren auf den Kanaren. Auch ich habe bereits Lanzarote, Teneriffa und Gran Canaria mit dem Mietwagen erkundet und kann mich dir nur anschließen und jedem raten die Inseln mit einem eigenen Gefährt unsicher zu machen. Für mich war es jedenfalls immer die beste Entscheidung.
    Das schlimmste waren für mich die vielen Einbahnstraßen in den Städten. Aber als gestehendes Landei ist für mich der Stadtverkehr in jedem Land ein Kraus . 😉

    Liebe Grüße
    Kathrin 🙂

    • Liebe Kathrin,
      da hast du recht, die Einbahnstraßen sind echte Fallstricke. Da haben auch die Navigations-Apps abwechselnd versagt 😉
      Liebe Grüße
      Angela

  2. Pingback: @Lapalma1N Lapalma1.net | La Palma Wandern

  3. Hallo Angela,
    wieder ein toller Bericht von dir. Als ein auf Gran Canaria lebender Deutscher muss ich aber leicht wiedersprechen bei den Ausführungen zu den Autobahnen. Da sind die Canarios, zumindest auf Gran Canaria, etwas stur. Du kannst anblinken um die Spur zu wechseln, auch wenn die linke Spur frei sein sollte ist er nicht so gern bereit dort rüber zu wechseln….eher ist er bereit zu bremsen wenn du mehr oder weniger frech reinziehst. Aber nichts desto trotz ist das fahren hier äußerst easy…..vor allem im Süden OHNE Ampeln. Alles erledigt sich perfekt durch die vielen Kreisverkehre, was aber auch manche Urlauber gern mal etwas verwirrt.
    Das schöne daran ist aber…..hast du eine Ausfahrt verpasst kommt der nächste Kreisverkehr bestimmt 🙂

    Liebe Grüße aus Gran Canaria
    Konny und René
    http://www.finca-hibiduri.de / http://www.fewo-gc.com
    kontakt@finca-hibiduri.de

    • Liebe Conny, lieber René,
      danke für diese Ergänzung. Das will ich nicht ausschließen, dass das durchweg Touristen (oder Auswanderer?) waren, die mich so nett reingelassen haben – oder bin ich doch so frech eingebogen? Na, wie auch immer:
      Liebe Grüße zurück
      Angela

  4. Hey Angela,
    ich bin auf Teneriffa mal mit dem Bus gefahren. Als er bergab raste, war mir tatsächlich kurz etwas (ok, sehr!) bange.. Also ich würde jetzt auch immer einen Mietwagen nehmen 😀
    Außerdem sind deine Fotos so toll, dass ich richtig Lust habe dort sofort eine Runde durch die Berge zu fahren. <3
    Liebe Grüße
    Anja

    • Liebe Anja,
      mhm, das kommt mir bekannt vor. Wir sind auf La Gomera mit dem Bus gefahren. Mir war nur übel, meinem kleinen Begleiter wars allerdings wirklich zu viel. 😉
      Liebe Grüße
      Angela

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