(Als Single) Mit Kind auf La Gomera

Ewiger Frühling, Delfine, Babybeach, Kinderbetreuung und gute Chancen auf nette Urlaubsbekanntschaften mit anderen Familien: Das sind fünf gute Gründe, warum Eltern Spaß an einem Urlaub mit Kindern auf der Kanareninsel La Gomera haben. Vor allem im Valle Gran Rey fühlen sich auch Single-Eltern oder Alleinreisende mit Kind auf La Gomera wohl, und das selbst dann, wenn die Kinder noch klein sind. Wer Zeit hat, kann sogar erwägen, dort zu überwintern. Zwei Wochen sollte man wenigstens bleiben, denn es gibt auch einen Haken.

Zuerst der Haken an Gomera: Die Anreise

Wer ins „Valle“ will, muss von jeder Stadt in Deutschland aus rund zehn Stunden Anreise einplanen. In dieser Zeit kommt man auch in die Dominikanische Republik und das sogar bequemer. Aber Reisen ist ein Abenteuer, das an der Haustür beginnt. Selten werden Kinder an einem Tag so viele verschiedene Verkehrsmittel nutzen wie bei der Anreise ins Valle Gran Rey.

Nach einem rund fünfstündigen Flug zum internationalen Flughafen Teneriffa Süd geht es mit dem Bus in einer knappe Stunde zum Fährhafen von Los Cristianos. Die Fähre legt nach mehr oder weniger bewegter Atlantikquerung im Hauptort San Sebastian im Osten Gomeras an. Die Überfahrt bietet rund anderthalb Stunden Zeit, sich Mitreisende zu suchen, um ein Taxi ins „Valle“ zu teilen, das auf der anderen Seite im Inselwesten liegt. Die Fähre, die das Valle direkt angesteuert hat, ist leider derzeit eingestellt, und Busse fahren nur selten und sind nicht auf den Fährfahrplan abgestimmt. Der Sohn hat auf dem Hinweg diese Inselüberquerung zum Glück verschlafen. Sie ist mit ihren Serpentinen und Anstiegen und Abfahrten nichts für empfindliche Mägen. Eltern bekommen dabei die erste Inselbesichtigung. Die kurvige Straße führt durch den Nebelwald an einigen markanten Gipfeln und Aussichtspunkten vorbei.

Panorama Gomera Valle Gran Rey

Erster Grund für Gomera: Das Klima

Warum nicht in der Elternzeit mit Kind auf La Gomera überwintern? Nicht umsonst werden die Kanaren die Inseln des ewigen Frühlings genannt. Rund ums Jahr bewegen sich die Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. Richtig heiß wird es auch im Hochsommer nicht. Selbst wenn das Thermometer die Jahreshöchstwerte erreicht, erfrischt der mitunter kräftige Passatwind. Weil er meist aus Nordosten kommt, bleibt es im westlichen Valle Gran Rey oft sonnig und warm, wenn anderswo auf der Insel alles nass ist. Selbst im Januar und Februar reichen die Tagestemperaturen am Strand oft noch zum Baden. Nur das Wasser ist dann bereits stark abgekühlt. Oben im Gebirge kann man dann allerdings Pech mit dem Wetter haben. Dort sind auch Temperaturen um die zehn Grad im Winter keine Ausnahme. Zum Wandern also immer eine extra warme und eine wasserdichte Klamottenschicht einpacken.

Valle Gran Rey La Gomera mit Kindern

Zweiter Grund: Der Babybeach

Das Valle Gran Rey hat nicht nur einen Strand, sondern gleich vier. Nicht nur Familien mit kleinen Kindern schätzen den Charco del Conde zwischen den Orten Vueltas und Bobelan – im Volksmund Babybrach genannt. Eine natürliche Felsenbarriere schützt die Bucht vor den mitunter gefährlichen Brandungswellen des Atlantiks. Bei Ebbe erwärmt sich das flache Wasser auf den schwarzen Lavafelsenplatten und das Becken wird zum Aquarium mit Fischen, Krebsen und Seesternen. Super Sonnenuntergänge! Café auf der anderen Straßenseite.

Auch eine gute Option zum Baden mit Kind auf La Gomera ist der Strand am – wenig frequentierten – Hafen von Vueltas. Wenn es am Babybeach zu windig ist, bietet dort die hohe Felssteilwand Windschutz. Wellenschutz gewährt die – zugegeben hässliche – Hafenmauer. Einige Treppen oberhalb des Hafenstrandes gibt es das beste Eis der Insel.

Hafenstrand Mit Kind auf La Gomera Valle Gran Rey

Dritter Grund: Andere, tolerante Familien

La Gomera gilt als die Aussteigerinsel der Kanaren. Tatsächlich finden sich im Valle auch heute noch einige Freaks und Hippies, die scheinbar dort gestrandet sind. Deutsche Auswanderer gestalten das Inselleben auf Gomera merklich mit. Bis heute zieht Gomera viele offene, tolerante, alternativ denkende Reisende an. Das gilt auch für Familien. Besonders für Alleinreisende mit Kind kann das ein Vorteil sein, weil sie nicht mit Vorurteilen konfrontiert werden, sondern leicht Anschluss finden. Wir haben am Hafenstrand eine Familie aus dem Flieger wieder getroffen und auf dem Spielplatz in Bobalan mit einer Münchner Familie nachhaltig Freundschaft geschlossen.

Außerdem setzt die Insel immer noch fast ausschließlich auf Individualtourismus. Das Angebot an bezahlbaren Ferienwohnungen ist reichlich. Pauschalreiseangebote halten sich dagegen nach wie vor in engen Grenzen. Freilich wachsen auch im Valle Gran Rey auf vielen früheren Bananenplantagen jetzt Apartmentanlagen. Doch hässliche Bettenburgen blieben dem Tal des großen Königs bisher erspart.

Vierter Grund: Wale, Delfine und Wander-Ausflüge

Delfine hautnah erleben auf Mit Kind auf La Gomera

Westlich von Gomera verläuft im Atlantik eine der Hauptstraßen der Wale und Delfine. Rund ums Jahr stehen die Chancen gut, bei einer Bootstour kleinere und größere Meeressäuger aus nächster Nähe zu erleben. Überwältigend und unvergesslich ist der Moment, als Fleckendelfine um meine Zehen herumgetänzelt sind. Dafür unbedingt die Tour mit der klassischen Yacht und nicht mit dem Speedboot wählen. Die Yachten kommen näher ran.

An Land lockt und lohnt ein Besuch im tropischen Fruchtgarten Argaga (von Vueltas rund 1,5 Kilometer). Auf der Finca, die sich der Aufzucht und dem Anbau exotischer Pflanzen widmet, lernen Eltern und Kinder nicht nur, wie die vielen unbekannten Früchte heißen, sondern auch wie sie schmecken. Jede vorgestellte Sorte darf probiert werden. Unsere Entdeckung: Baumtomaten.

Valle Gran Rey Gomera

Ein Spaziergang durch das Bergdorf La Caleta bietet tolle Aussichten auf das ganze Tal und reichlich Gelegenheiten zum Eisessen und Kaffeetrinken.

Zuviel des Guten ist mit kleinen Kindern dagegen die gern als Familienwanderung empfohlene Wasserfall-Wanderung, die im Künstlerdorf El Guro beginnt. Sie ist zwar nicht lang, aber auch nicht einfach. Der Weg führt durch ein Flussbett mit Steilstufen. Kinder brauchen für diese Tour am besten wasserfeste Wandersandalen und sollten mindestens Schulalter erreicht haben. Dann können sie durch den Fluss waten. Ich bin mit dem knapp vierjährigen Sohn wieder umgekehrt, weil ich ihn dauernd von einem Stein zum nächsten heben musste. Das hat weder ihm noch mir Spaß gemacht.

Schöner waren einige Kurzstrecken durch den Nationalpark Garajonay auf dem Dach der Insel. Die Routenbeschreibungen gibt es im Besucherzentrum.

Wandern Mit Kind auf La Gomera Kanarische Inseln

Fünfter Grund: Kinderbetreuung

Für Eltern und vor allem Single-Eltern, die im Gomera-Urlaub auch mal was ohne Kids unternehmen wollen – zum Beispiel eine längere Wanderung – hält das Valle Gran Rey ein ziemlich einmaliges Angebot bereit. In Playa de la Calera leitet die Erzieherin Claudia Huckenbeck den deutschsprachigen Kindertreff Kangoroo. Sie betreut Kinder stunden-, tage- und wochenweise, aber auch längerfristig. Für Kinder ab 5 Jahren werden Workshops angeboten. Die Räume sind großzügig und das Spielzeugangebot reichlich.

Dieser Text ist ein Beitrag von unterwegsmitkind.com zur Blogparade von reisespatz.de über die schönsten Familienreiseziele in Europa.

Palme im Valle Gran Rey auf der Kanareninsel La Gomera

Wart ihr auch schon allein mit Kind auf den Kanaren? Dann erzählt von euren Erfahrungen!

9 Kommentare

  1. Hey Gelamiss! Ich habe dich – so von alleinerziehend zu alleinerziehend 😉 – für den Liebster-Award nominiert 🙂 Würde mich freuen, wenn du mal reinschaust und mitmachst! Viele liebe Grüße

    • Hallo DieTiger!
      Danke dir schon mal für die Nominierung. Bin glatt rot angelaufen, aber keiner außer meinem Rechner hats gesehen. Ich bin dabei und werde deine Fragen bald beantworten.
      Liebe Grüße

  2. Pingback: Die 20 besten Reiseziele in Europa für Familien

  3. Anja Bretzer

    Hallo Gela,
    toller Blog, danke dafür! Ich bin gerade auf der Suche nach einem Ort zum Aussteigen nach einer stressigen Zeit… das möchte ihc mit meiner 2jährigen Tochter tun und schon lange schwebt mir La Gomera im Kopf herum, vor allen DIngen, da ich diese Auszeit im November plane…daher miene Frage an dich: hast du einen guten Tipp bzgl einer Unterkunft? Ich bin Studentin und könnte es mir nicht gerade leisten lange in einem teuren Hotel zu wohnen (zumal das nicht unebdingt die Art Urlaub ist, die mir vorschwebt)..wie ist die Camping Situation dort?
    Viele Grüße

    • Liebe Anja,
      es freut mich, dass dir mein Blog gefällt. November ist eine wunderbare Zeit auf La Gomera. Das Meer ist dann noch richtig warm zum Baden und auch oben im Gebirge ist es normalerweise schön. Zum Camping auf La Gomera kann ich dir jedoch leider nicht viel sagen. Früher gab es mal einen Hippie-Strand im Valle Gran Rey. Der existiert aber nicht mehr, weil es dort mit den Gezeiten einfach zu gefährlich wurde. Evt. ist die Finca Argaga einen Versuch in Sachen Camping wert. Du kannst aber im Valle Gran Rey auch Apartments langfristig zu einem normalen Monatsmietpreis mieten, nicht teurer als es in deutschen Großstädten auch wäre. Einfach mal unter dem Stichwort Langzeitmiete googeln. Oft stehen die Monatspreise nicht dabei, aber man kann die anfragen. Wenn du zuhause untervermietest hättest du deinen Aufenthalt auch schon finanziert …? Ich hoffe, das war etwas hilfreich und wünsche dir auf jeden Fall eine ganz tolle (Aus-)Zeit auf La Gomera! Liebe Grüße Gela

  4. Pingback: Urlaub mit den Kindern – was sind geeignete Reiseziele?

  5. Was für ein toller Blogpost mit wunderschönen Bildern. Da kamen Erinnerungen an meine eigenen La Gomera Urlaube hoch. Unsere Kinder waren bei unseren beiden bisherigen La Gomera Urlauben zwar nicht mehr ganz so klein, aber auch als Teenager hat es ihnen da gut gefallen. Eine Zeitlang hatte ich sogar mit dem Gedanken gespielt, irgendwann mal nach La Gomera ziehen zu wollen. Davon habe ich zwar inzwischen Abstand genommen. Aber die Urlaube waren bestimmt nicht meine letzen Besuche dieser tollen Insel. Liebe Grüße Anja

    • Liebe Anja,
      ja, ich glaube, wenn einen das Gomera-Virus mal befallen hat, dann muss man da immer mal wieder hin. Ich verfluche jedes Mal die Anreise – habe die Strapazen aber auch immer sofort vergessen, wenn ich dort bin. Die Insel ist und bleibt ein Träumchen.
      Liebe Grüße
      Gela

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