USA Südwest im Wohnmobil mit Kind – Vom Greenhorn zum Profi in 15 Etappen –

Auf der Route 66 durch USA Südwest im Wohnmobil

Dreieinhalb Wochen lang habe ich die USA Südwest im Wohnmobil mit Kind bereist. Unsere Route startete in Phoenix (Arizona) und endete in San Francisco. Die Strecke war gepflastert mit Highlights und Kontrasten. Wir haben den tiefsten Punkt der USA und den „happiest place in the world“, eine Geisterstadt und eine Trendsetter-Metropole, scheinbar leblose Wüsten und urwaldbewachsene Küstenstriche erlebt. Und wir sind beide zu echten Fans von Wohnmobil-Urlaub geworden, obwohl wir vorher absolute Greenhorns waren. Von Etappe zu Etappe haben wir dazugelernt – und das Reisen im Wohnmobil immer mehr schätzen gelernt. 15 Tipps und Erfahrungen und unsere Rundreise Route durch USA Südwest im Wohnmobil mit Kind.

Unser Ziel war klar: Wir wollen die Wüsten-Nationalparks im Südwesten der USA und die kalifornische Küste erkunden, bevor wir den besten Freund meines Sohnes in der Nähe von San Francisco besuchen. Nach einem Flug aus Costa Rica landen wir in Phoenix (Arizona) und übernehmen das Wohnmobil direkt am Flugtag. Wenn ihr aus Deutschland ankommt, ist die Wohnmobil-Übernahme am gleichen Tag in den USA nicht erlaubt. Ihr müsst den Jetlag erst einmal überschlafen. Ihr könnt unsere Route auch als Rundreise USA Südwest im Wohnmobil mit Kind machen, wenn ihr unsere ersten zwei Etappen weglasst und in San Francisco, Los Angeles oder Las Vegas startet.

Würde ich für die Tour durch die USA Südwest im Wohnmobil mit Kind den direkten Weg nach San Francisco über Los Angeles wählen, wären wir nach nicht einmal 700 Meilen am Ziel. Aber wir wollen zum Grand Canyon und ins Death Valley, bevor wir an die kalifornische Küste fahren. Damit sind wir schon bei knapp 1500 Meilen. Ich rechne noch ein paar Extra-Meilen dazu und buche vier 500-Meilen-Pakete. Die muss man bereits bei der Anmietung im voraus buchen. Wir brauchen sie auch wirklich.

Die eigentlich geplante Strecke durch die USA Südwest im Wohnmobil mit Kind ändere ich zwischendurch aus verschiedenen Gründen mehrfach. Mal ist es am nächsten geplanten Ziel deutlich zu kalt. So droht uns rund um den Grand Canyon Anfang April noch Nachtfrost, und der Pass am Yosemite Nationalpark ist noch gar nicht offen. Zweimal muss das Wohnmobil in die Reparatur; das hält uns auf. Mal wollen wir Freunde treffen, und dann ist mein Sohn krank. Am Ende entsteht die folgende Route mit 15 Etappen. Jede dieser Etappen war auf ihre Weise lehrreich. Die Karte zeigt den ersten Teil der Route bis Los Angeles. Danach ging es immer auf dem Highway No. 1 an der kalifornischen Küste entlang nach San Francisco.

USA Südwest im Wohnmobil durch die Wüsten Nationalparks Route

Copyright: Google Maps

In 15 Etappen durch USA Südwest im Wohnmobil mit Kind

1. Etappe: Von Phoenix nach Tuscon zum Saguaro Nationalpark / Arizona

Entfernung: 113 Meilen

Lessons learnt: Genug Zeit für die Wohnmobilübernahme einplanen. Schon die Abwicklung dauert. Dann muss alles verstaut werden. Und schließlich wollen Kinder ihr neues Zuhause auf Rädern auch erst inspizieren. Seid ihr startklar, dreht ihr am besten zunächst einige Runden über den Parkplatz. Selbst das kleinste Wohnmobil-Modell in den USA ist für deutsche Verhältnisse ein Kleinlaster und das Fahren entsprechend gewöhnungsbedürftig. Außerdem lässt sich dabei feststellen, ob wirklich alles sicher verstaut ist. Wir hatten anfangs nicht ganz alle Tassen im Schrank . 😉

Übrigens: Um in den USA zu tanken, gebt ihr eure Kreditkarte an der Kasse ab und nennt den Dollarbetrag, den ihr für die Tankfüllung ausgeben wollt. Dann wird die Zapfsäule freigeschaltet. Die Kreditkarte bekommt ihr meist zusammen mit der Tankquittung nach dem Tanken.

2. Etappe: Von Tucson über Globe (Zwischenübernachtung) in den Petrified Forest Nationalpark

Entfernung: 256 Meilen

Lesson learnt: Strecken nicht zu lang planen! Die Entfernungen in den USA sind riesig. Eine Meile sind gut 1,6 Kilometer. Auf Landstraßen sind selten mehr als 70 Meilen pro Stunde erlaubt und mit einem Wohnmobil von der Größe eines Kleinlasters fühlt sich eine höhere Geschwindigkeit auch nur auf gut ausgebauten, geraden Strecken gut an. Wenn ihr dann noch einkaufen müsst, schafft ihr es kaum, rechtzeitig am Campground zu sein.

Mehr über den Petrified Nationalpark: USA mit Kind – Versteinerte Bäume

Zwischen Phoenix und Globe in USA Südwest im Wohnmobil

Die Strecke zwischen Tucson und Globe nutzten schon die Siedler im wilden Westen.

3. Etappe: Vom Petrified Forest Nationalpark auf der Route 66 nach Williams (Grand Canyon)

Entfernung: 150 Meilen mit Stop zur Wohnmobilreparatur in Flagstaff

Lesson learnt: Campgrounds in Nationalparks und an Touristenattraktionen rechtzeitig buchen! Bei unserer Tour waren alle Campgrounds im Grand Canyon leider komplett ausgebucht, und der schöne und günstige kostenlose Campground im National Forest zwischen Williams und Grand Canyon war noch geschlossen. Auch auf dem KOA an dieser Strecke müssen wir zwischendurch den Stellplatz wechseln.

Mehr über Williams und den Grand Canyon: Grand Canyon mit Kind

4. Etappe: Von Williams auf der Route 66 über Kingman zum Valley of Fire State Park bei Las Vegas / Nevada

Entfernung: 245 Meilen mit Zwischenübernachtung und Wohnmobilreparatur in Kingman

Lesson learnt: Frühzeitige Ankunft am Campground planen und/oder passendes Bargeld für den Nationalparkeintritt dabei haben! Der traumhaft schöne Campground im Valley of Fire kann nur vor Ort reserviert werden. First come, first serve. Der Parkeintritt muss am Eingangstor bar in einem Umschlag bezahlt werden, wenn kein Parkranger mehr dort sitzt.

Mehr über das Valley of Fire: USA mit Kindern – Valley of Fire

5. Etappe: Vom Valley of Fire ins Death Valley / Kalifornien

Entfernung: 209 Meilen

Lesson learnt: Zeit zum Einkaufen einkalkulieren! Wenn man mit dem Wohnmobil so naturnah unterwegs ist wie wir, muss man für einen Supermarktbesuch ab und zu einen Umweg in Kauf nehmen, wie etwa auf der einsamen Strecke durch die Extraterrestrian Area östlich des Death Valley.

Mehr über das Death Valley: USA – Roadtrip – Death Valley mit Kind

Tanken bei Außerirdischen auf dem Roadtrip durch USA-Südwest im Wohnmobil

Tanken bei Außerirdischen auf dem Weg ins Death Valley

6. Etappe: Vom Death Valley ins Mojave Desert National Reserve

Entfernung: 160 Meilen

Lesson learnt: Es gibt auch in den USA richtig schlechte Straßen. In der Mojave Wüste sind selbst die geteerten Hauptstrecken übersät von Schlaglöchern. Daneben gibt es nur Pisten. Das Gelände dort lieber zu Fuß erkunden, auch wenn euch versichert wurde, dass es für Wohnmobile geeignet ist und ihr andere Mietmobile dort stehen seht. Dann ist die Gefahr geringer, dass ihr euch mit dem Wohnmobil im losen Sand festfahrt und einen Engel braucht, der euch herausholt (oder viel Geld für die Road Assistance). Beim Parken und Rangieren auf Sandpisten unbedingt darauf achten, dass die Räder im Stillstand gerade ausgerichtet sind. Wenn ihr das alles beachtet (oder gelernt habt), könnt ihr unglaublich stille Nächte mitten in der Wüste genießen.

Mehr über unser unfreiwilliges Offroad-Abenteuer: Engel auf Reisen

7. Etappe: Vom Mojave Desert zur Calico Ghost Town bei Barstow

Entfernung: 102 Meilen

Lesson learnt: Campingplätze sorgfältig auswählen! Manche der teuren, wenngleich gut ausgestatteten KOA Campgrounds liegen direkt an Hauptstraßen. Entweder Alternativen suchen oder nach einem Stellplatz weit von der Straße entfernt fragen, wenn ihr auf Waschmaschine, Trockner, Trampolin und Pool nicht verzichten wollt.

8. Etappe: Von Barstow nach Los Angeles / Anaheim (Disney World California)

Entfernung: 93 Meilen

Lesson learnt: Ohne Routinghilfe nicht allein in Großstädte fahren. Der Verkehr und teils siebenspurige Straßen beanspruchen viel Aufmerksamkeit. Ich hatte das Glück, dass ich nur unseren Freunden nachfahren musste. Einfach war das trotzdem nicht immer, weil das Wohnmobil deutlich langsamer reagiert als ein PKW und das Einfädeln im dichten Verkehr dadurch nicht leichter wird. Bei siebenspurigen Straßen ist es wichtig, sich in der Mitte zu halten, wenn man nicht sicher weiß, ob es als nächstes links oder rechts geht. Mit WLAN leistet Google Maps aber gute Dienste.

Mehr über Disney World Anaheim: Disneyland – ein Muss bei USA-Reisen mit Kindern?

9. Etappe: Von L.A. nach Malibu Beach

Entfernung: 62 Meilen

Lesson learnt: siehe vierte und achte Etappe. Auch wenn man einen Stellplatz auf einem Campground reservieren kann, seid ihr im Vorteil, wenn ihr früh ankommt, weil ihr dann meistens mehr Plätze zur Auswahl habt.

10. Etappe: Von Malibu nach Pismo Beach

Entfernung: 151 Meilen

Lesson learnt: Feuerholz, Feuerzeug, Grillanzünder und Marshmallows gehören bei einer Tour im Wohnmobil durch USA Südwest mit Kind unbedingt an Bord. Dann wird es richtig gemütlich.

Auf dem Highway No.1 durch die USA Südwest im Wohnmobil

Am Highway No. 1 entlang der kalifornischen Küste blühen Lupinen.

11. Etappe: weiter nach San Simeon Creek

Entfernung: 48 Meilen

Lesson learnt: Darauf achten, dass die Frischwasservorräte gut gefüllt sind. Auf unserer Rundreise USA Südwest im Wohnmobil herrschte Wasserknappheit in Kalifornien. In den State Park Campgrounds gab es kein Wasser, auch nicht für den Toilettengang. Die Alternative waren Chemietoiletten.

12. Etappe: weiter zum Kirk Creek Campground

Entfernung: 45 Meilen über N1 Küstenstraße, Strecke vorerst gesperrt seit 2017. Mehr dazu hier:

Lesson learnt: Nur mit dem Wohnmobil lernt man die wahren Naturschönheiten der USA Südwest mit Kind richtig kennen. Die einzige Alternative in Big Sur wäre Zelten. Unterkünfte gibt es praktisch nicht.

13. Etappe: Vom Kirk Creek zum Pfeiffer Big Sur State Park

Entfernung: 29 Meilen

Lesson learnt: Der frühe Vogel … Ein großer Vorteil einer Wohnmobiltour ist, dass man mitunter schon am Ausgangspunkt von Wanderungen aufwacht, während Hotel- und Ferienhausgäste erst eine weite Anfahrt hinter sich bringen müssen. Die traumhafte Landschaft könnt ihr so tatsächlich von morgens bis abends genießen – und das mitunter fast allein.

Mehr über Big Sur: (Mit Kind in) Big Sur – das große Nichts an Kaliforniens Küste

14. Etappe: Weiter nach Santa Cruz

Entfernung: 82 Meilen

Lesson learnt: So praktisch und günstig die Campingküche ist: Manche American Diners sind allein wegen ihrer Einrichtung einen Besuch wert. Essen mit Kids Menu kann auch gut und günstig sein. Am letzten Stopp vor der Rückgabe solltet ihr die Möglichkeit haben, das Wohnmobil innen zu reinigen.

15. Etappe: Zur Wohnmobilrückgabe nach San Francisco

Entfernung: rund 50 Meilen

Lesson learnt: Wenn es unterwegs Ärger mit dem Fahrzeug gab und deshalb die Route geändert werden musste, darf man das ruhig deutlich sagen. Wir haben am Ende einen Nachlass von rund 200 Dollar und das Taxi zum (30 Meilen entfernten) Flughafen bezahlt bekommen, weil wir zwei Tage mit Telefonieren und in Werkstätten zugebracht haben.

Mehr über San Francisco: Hippie Hop On Hop Off – San Francisco mit Kind

Mehr Erfahrungen zu Wohnmobil-Rundreisen durch den Südwesten der USA mit Kindern gesucht?

Hartmut war mit Frau, zwei Kindern und Freunden auch im Jahr 2015 auf Campertour durch den Südwesten der USA. Er berichtet darüber auf seinem Blog 58GradNord in einem mehrteiligen Reisetagebuch z.B.: https://58gradnord.com/suedwesten-usa/usa-reisetagebuch-tag-17-18-15-16-juli-jetzt-reichts-mit-wueste-zurueck-nach-kalifornien/

Charnette hat mit Mann und Kind eine andere Route durch Kalifornien im Wohnmobil genommen. Ihre Route findet ihr hier: https://www.wiraufreise.de/westkueste-usa-kalifornien-rundreise/

Elly war mit ihren drei Kids allein im Südwesten der USA im Wohnmobil unterwegs. Sie berichtet darüber auf Elly-unterwegs.de, z.B.: https://www.elly-unterwegs.de/2017/05/03/usa-die-westkueste-ein-roadtrip-im-wohnmobil-alleine-mit-meinen-3-kindern/

Auf dem Weg zum Valley of Fire in USA Südwest im Wohnmobil

Auf der Fahrt ins Valley of Fire geht die Sonne schon fast unter.

Oder ihr schaut in die anderen Beiträge über meine Tour durch USA Südwest im Wohnmobil mit Kind, z.B.: Home away from home

Noch Fragen, Ideen, Feedback? Dann schreibt unten einen Kommentar.

 

6 Kommentare

  1. Wow, da habt ihr ja ganz schön Meilen gemacht!
    Wir haben damals ne kleinere Runde gedreht, aber ich seh schon, da müssen wir nochmal los! 🙂
    Toller Reisebericht, ideal für die Reisevorbereitung. Da kann ich mir noch ne Scheibe abschneiden!
    LG
    Charnette

    • Liebe Charnette,
      ich würde nächstes Mal auch ne kleinere Runde machen. Es ist überall so schön, dass man länger bleiben könnte.
      Liebe Grüße
      Angela

  2. Sehr cool und macht uns sofort wieder Lust in den Camper zu steigen. Zum Glück müssen wir nur noch bis Oktober warten 😉 Es ist einfach zu toll und alle Strapazen sind bei den Landschaften schnell vergessen! Super cool wie ihr zwei das gemacht habt!

    • Liebe Mel,
      ich hätte selbst beste Lust sofort wieder in den Camper zu steigen. Und der Junior täte auch nichts lieber!
      Liebe Grüße
      Angela

  3. Hallo Angela,
    toller Bericht mit spannenden Lessons learned. Ich finalisiere gerade unsere Route für September ab Phoenix rund um das Colorado Plateau und jetzt möchte ich am liebsten morgen los. Mal schauen was unsere Lessons learned werden ;-).
    Eine Frage zu Etappe 9: Du schreibst, dass man trotz Camping-Reservierung früh dran sein sollte zwecks Auswahl. Ich habe bisher immer einen festen Stellplatz gebucht und gehe davon aus, dass wir dann auch auf diesem stehen werden. Hast du andere Erfahrungen gemacht?
    Liebe Grüße,
    Sue von der Gipfelfamilie

    PS: Normalerweise lese ich Blogs in Feedly, heute mal ausnahmsweise direkt im Browser und da fällt mir auf: cooles Theme ;-).

    • Liebe Sue,
      Danke für deine positive Rückmeldung! Auf dem privaten RV-PArk in Malibu Beach konnten wir keinen speziellen Stellplatz reservieren. In den Nationalparks ist das anders – zumindest in denen, die ich kenne. Kleiner Tipp: Nehmt euch unbedingt Zeit für den Süden, wenn ihr in Phoenix startet. Ich ärgere mich im Nachhinein ein bisschen, dass wir so schnell von dort weg sind – und beneide euch jetzt um eure Pläne.
      Viele Spaß und liebe Grüße
      Angela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.