Big Sur – das schönste Stück Highway 1 an Kaliforniens Küste

Last Updated on 13. April 2022 by Gela

Ergriffen, erstaunt, entspannt und entschleunigt – diese Gefühlsreaktionen hat Big Sur bei mir ausgelöst. Die einsame kalifornische Küstenlandschaft war der letzte Abschnitt der Panamericana, den ich bei meiner Weltreise allein mit Kind durch die drei Amerikas befahren habe. Der legendäre Highway 1, der die Küste erschließt, war mehrere Jahre lang nicht befahrbar. Jetzt ist er wieder offen.

Wo liegt Big Sur in Kalifornien?

Die Nachricht hat mich geschockt. Ein Erdrutsch hat die kurvige Küstenstraße am Mud Creek in den Pazifik gespült. Eine der absoluten Traumstraßen der Welt war unterbrochen, und das noch dazu an einer der absoluten Traumstellen: Mitten in Big Sur, dem großen Nichts zwischen San Francisco und Los Angeles, um das sich Legenden ranken und das selbst Legenden hervorgebracht hat.

Während meiner viermonatigen Reise entlang der Panamericana allein mit Kind war die Woche am Highway 1 in Big Sur einer der erstaunlichsten und zugleich entspanntesten Abschnitte. Die Landschaft hat mich wirklich ergriffen.

Hinter jeder Kurve und hinter jedem Berg an der legendären Küstenstraße bietet sich ein neuer fantastischer Ausblick. Auf den rund 90 Meilen Highway 1 zwischen San Simeon im Süden und Carmel by the Sea im Norden haben wir so oft angehalten, wie auf keinem anderen Abschnitt unserer Tour. Mit einem Camper eignet sich Big Sur wirklich perfekt als Slow Travel Reiseziel. Zu meinem Erstaunen ist die Natur hier fast unberührt und kaum besiedelt. State Park reiht sich an State Park. Nur sehr selten liegen einzelne Anwesen links oder rechts des legendären Cabrillo Highway, bekannt als Highway 1. Tankstellen sucht man ebenso vergeblich wie Wifi- oder Mobilfunknetz. Wer vorhat länger zu lbieben, sollte sich vorher im Supermarkt gut eindecken. Denn auch Läden oder Restaurants sind sehr rar gesät.

Kalifornien mit Kind – in Big Sur entschleunigen

In dieser Abgeschiedenheit lässt sich wunderbar entspannen. Dass es zu dieser komplett entschleunigten Woche in Big Sur kam, habe ich dem unterwegsmitkind-Sohn zu verdanken. Er hatte sich – vermutlich in Disneyland – eine fiebrige Grippe eingefangen und brauchte ein paar Tage zum Auskurieren. Klar war, dass der Ritt von Los Angeles in den teils noch schneebedeckten Yosemite Nationalpark dazu nicht geeignet war.

Ich sagte also den dort vorausgebuchten Campground ab und wählte stattdessen die Küstenstrecke nach Kalifornien. In Big Sur war das Klima Mitte April frühlingshaft mild. Eine Woche lang haben wir nicht viel mehr als Spaziergänge, Strandpicknicks und Lagerfeuer am Wohnmobilstellpaltz gemacht – abgerundet von Besuchen bei kalifornischen Seelöwen am Anfang und am Ende der Woche. Trotz der wenigen echten Attraktionen war es eine absolut intensive Woche. Die größte Attraktion am Highway 1 in Big Sur ist die Natur.

Wo übernachten am Highway 1 in Big Sur?

Spektakuläre Küstenlandschaften, malerische Buchten, Redwood-Wälder, blühende Panoramawanderwege, idyllische Campgrounds und viel entspannter Naturgenuss – diese Erinnerungen an Big Sur hat die Nachricht von dem Erdrutsch am Mud Creek geweckt. Was lag da näher, als endlich die lange versprochenen Eindrücke aus Big Sur mit euch zu teilen?! Weil dieser Abschnitt des Highway 1 so malerisch ist, dass er mich fast sprachlos macht, will ich jetzt nicht mehr viele Worte mehr verlieren, sondern vor allem Bilder sprechen lassen.

Inzwischen ist die schönste Küstenstraße Kaliforniens glücklicherweise wieder befahrbar. Ich empfehle sie vor allem für einen Camper-Roadtrip. Erstens gibt es kaum andere Unterkünfte und zweitens erlebt ihr die Natur beim Campen noch viel unmittelbarer. Am Kirk Creek Campground genießt ihr eine fantastische Aussicht über die Küste und könnt zu mehreren Wanderungen starten. Die Toiletten waren bei unserem Besuch dort allerdings nicht so toll. Als Ausgangspunkt für sehr unterschiedliche Wanderungen bietet sich außerdem der komfortable Pfeiffer Big Sur State Park Campground an. Dort übernachtet ihr direkt an einem Fluss mitten in einem Redwood-Forest mit Mammutbäumen.

Mit Kind in Big Sur - San Simeon, Kalifornien, Seeelefanten

Brüllender Seeelefant in einer großen Kolonie bei San Simeon, Big Sur, Kalifornien. Er ist nicht der einzige.

Kalifornien mit Kind in Big Sur - See-Elefanten Kolonie

Mehrere Hundert Seeelefanten hatten es sich an der Küste bei San Simeon im Sand bequem gemacht. Um einen Bullen gruppieren sich immer mehrere, deutlich kleinere Weibchen.

Küste in Kalifornien mit Kind - Big Sur bei San Simeon

Die Nachbarbucht scheint dagegen selbst den geschicktesten Schwimmern unter den See-Elefanten zu felsig zu sein. Auch von oben ist sie durch Stranddisteln nur schwer zugänglich.

Hinter San Simeon steigt die Straße in stetigen Kurven merklich an. Lupinenbüsche säumen den einsamen Straßenrand vor Gorda – dem letzten Ort mit Tankstelle für die nächsten 70 Meilen.

Auf der Landseite blüht es im Frühling üppig. Lila Blumen und kalifornischer Mohn – auch Goldmohn genannt – bilden einen bunten Blütenteppich.

Big Sur rund um den Kirk Creek

Big Sur - Sand Dollar Beach

Diese außerirdisch anmutenden Strandbewohner waren fast unsere einzigen Nachbarn am Sand Dollar Beach. Wer dort etwas in die Felsen klettert, kann Sanddollars finden. Wir haben uns stattdessen beim Strandpicknick mit unseren kleinen Nachbarn auf Augenhöhe begeben. Bis heute habe ich aber nicht herausgefunden, um welche Tiere oder Pflanzen es sich handelt – für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar.

Wenig weiter nördlich gibt ein Aussichtspunkt am Highway 1 noch einmal die Sicht auf die Küste in Richtung Süden frei. Sandige Buchten wechseln sich mit felsigen Steilküsten ab.

Kalifornien mit Kind in Big Sur - Wanderweg zur Felsenküste

Durch dicht bewachsenes Gelände führt der Weg zum nächsten „Strand“: einem felsigen Abschnitt am Kirk Creek.

Am Ende des Weges stehen wir vor diesem Felsentor an der nebligen Küste von Kalifornien mitten in der Wildnis von Big Sur. Das Wasser kommt zu wuchtig und zu nah, als dass wir es wagen würden hindurch zu gehen. Spaß macht es aber, an der Felsenküste entlang zu klettern.

Kalifornischer Mohn - Big Sur

Diese kleine Schönheit treffen wir, als wir unseren Spaziergang am nächsten, nebligen Morgen bergauf fortsetzen. Die hügelige Wiese ist übersät mit Blumen in allen Farben.

Grauhörnchen in Kalifornien - mit Kind in Big Sur

Auch das Grauhörnchen läuft mir bei diesem Spaziergang in Kalifornien mit Kind in Big Sur am Kirk Creek vor die Kamera. Es bleibt nicht allein.

Und schließlich lichtet sich der Nebel und gibt den Blick auf den weiteren Küstenverlauf in Richtung Nord(West)en frei.

Highway 1: Auf den Spuren der Pionierfamilie Pfeiffer

Nur ein Zwischenstopp auf unserem Weg zum nächsten Campground ist diese Bucht. So einen Ausblick aus dem Schlafzimmer können sich wohl nur Millionäre leisten. Das Ehepaar McWay hatte ihn. Deshalb ist der Wasserfall am Strand auch nach ihnen benannt. Weil Mrs. McWay jedoch eng mit der Pioniertochter Julia Pfeiffer Burns befreundet war, trägt der komplett renaturierte State Park, in dem diese Traumbucht liegt, den Namen der Einheimischen. Wo das Haus der McWays stand, genießen heute Besucher den Blick.

Wenn man von diesem Aussichtspunkt in die andere Richtung schaut, blickt man auf die Spuren eines länger zurückliegenden Erdrutsches. Auf dem sandigen Abhang fassen erste Pflanzen Fuß. Die Straße musste verlegt werden.

Etwas weiter nördlich im Pfeiffer Big Sur State Park folgen wir dem Fluss Big Sur durch blühende Wiesen bis zu seiner Mündung an einem einsamen Strand ins Meer.

Im Landesinneren am Pfeiffer Big Sur State Park Campground springt der Fluss wild über Felsen. Von dort könnt ihr zu einer Wanderung durch die umliegenden Redwoods aufbrechen und über die wirklich gigantischen Mammutbäume staunen. Mehr über Redwood Parks zwischen Los Angeles und San Francisco erfahrt ihr im Reiseblog Julias Journeyz.

Auf der Weiterfahrt Richtung Norden kommt ihr über eine der ältesten Brücken auf dem Highway 1. Die Straßenbauer mussten schon vor knapp 100 Jahren Meisterleistungen abliefern, um diese Traumstraße zu schaffen – und sie tun es weiterhin, um sie zu erhalten.

Am nördlichen Ende von Big Sur, kurz vor Carmel on the Sea, treffen wir am Point Lobos noch einmal auf eine Robbenkolonie. In dem State Park ziehen kalifornische Seehunde ihre Jungen auf.

Übrigens: Auch der Abschnitt des Highway 1 von Carmel bis Santa Cruz ist absolut erlebenswert. Mehr darüber erfahrt ihr bei Corinna im Blog Reisefunken: reisefunken.de/usa-highway1

Charnette vom Familienreiseblog Wir auf Reise ist mit ihrer Familie im Jahr 2016 auf dem Highway No 1 unterwegs gewesen und das auch nördlich von San Francisco. Ihre Beiträge findet ihr hier: https://www.wiraufreise.de/highway-1-california-coast/ , https://www.wiraufreise.de/california-highway-1-westkueste-usa/

 

8 Kommentare

  1. Unglaublich schön, wie im Paradies (so stell ichs mir wenigstens vor :P) Als große Fans von wunderschönen Naturlandschaften begeben wir uns demnächst auf eine Motorradtour Dolomiten 😀 da erwarte ich auch tolle Eindrücke von. Mit Kindern ist es wahrscheinlich nicht möglich, oder? 😀 Ich freue mich darauf, nach dieser Reise, auch Ziele anzusteuern, die weiter weg sind. Danke für die Inspiration!

  2. Schöner Bericht und ganz tolle Bilder. Am besten hat mir das Foto mit den vielen faulenzenden See-Elefanten gefallen. Nur schade, dass ihr den Highway No 1 nicht fahren konntet. Eine sehr schöne Strecke.
    Ach, die außerirdischen Strandbewohner habe ich auch noch nie gesehen.

    LG Tanja

    • Liebe Tanja,
      wir konnten den legendären Highway No. 1 ja noch fahren – sonst wären wir gar nicht an diese Orte gekommen. Kirk Creek ist derzeit quasi nicht erreichbar. Das gilt aber erst seit ein paar Monaten. Wann die Panamericana auf diesem Stück wieder befahrbar sein wird, steht allerdings wohl noch nicht fest.
      Liebe Grüße
      Angela

  3. wunderschöne bilder! ich kann deine sehnsüchtigen beschreibungen sooo gut nachvollziehen: big sur ist mein happy place <3
    wir haben (vorm kind) 3 jahre in san francisco gelebt und es hat mich immer wieder hierhin gezogen. wir sind diese strecke unzählige male gefahren und es wurde nie langweilig! es gibt einfach soo viel zu entdecken und zu erwandern und auch ganz fantastische campgrounds, einmal haben wir sogar direkt über den mcway falls gezeltet (da muss man sich allerdings mit ewig langer warteliste für anmelden). dieses fleckchen erde hat seinen ganz eigenen rhythmus =D.

    ich war von den nachrichten des erdrutsches auch ganz erschüttert und hoffe, die aufräumarbeiten gehen gut voran. freue mich schon darauf, big sur auch meiner tochter eines tages zu zeigen <3

  4. Liebe Gela, das ist traumhaft. Grundsätzlich kann man mich mit Stränden nicht unbedingt fangen, aber diese Landschaft scheint viel mehr zu sein als einfach Strand.
    Liebe Grüße,
    Maria

  5. Stephan

    Das komische Tier am Sand Dollar Beach könnte eine Portugiesische Galeere sein?

    • Danke für den Tipp! Das hat schon mal jemand vorgeschlagen – sind die nicht hochgiftig? Ich bin damit recht sorglos umgegangen …
      Liebe Grüße
      Angela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.