Navigations-Apps fürs Smartphone im unterwegsmitkind-Test

Unterwegs mit Kind allein im Auto tut Orientierung Not. Ich setze dazu seit einiger Zeit auf Navigations-Apps für das Smartphone. Drei Apps habe ich 2016 getestet, zwei davon auch bei Stadtrundgängen und beim Wandern mit Kind. Mein Fazit.

Wir sind auf Reisen fast immer mit einem Auto unterwegs. Wenn es nicht das eigene ist, dann nehme ich gern einen Mietwagen, um flexibel herumzukommen. Doch mir fehlt der kartenlesende Beifahrer fehlt, dem ich nachher die Schuld geben kann, wenn wir uns verfahren. Und selbst als Multitasking-fähige Frau bin ich überfordert, wenn ich gleichzeitig in die Karte und auf die Straße gucken, dabei noch das Kind mit Getraenken versorgen und das Radio einstellen soll. Deshalb setze ich unterwegs auf Handy-Apps als Navigationshilfe.

Klar, ich könnte mir auch ein Navigationsgerät anschaffen. Doch das Geld spare ich lieber – und damit auch ein zusätzliches Teil im Reisegepäck. Außerdem sind bei den meisten Geräten nur die Deutschlandkarten kostenlos und alle weiteren Kartendaten müssen extra dazu gekauft werden. Ein weiterer Grund auf die komplett kostenlosen Navigations-Apps fürs ohnehin vorhandene Smartphone zu setzen.

Vor der Fahrt

Im Inland könnt ihr mit Online-Karten arbeiten. Der Vorteil am Online-Routen: Die Verkehrslage wird optimal berücksichtigt. Die Offline-Karten für eure Familienreise ins Ausland ladet ihr am besten schon zuhause herunter. Dabei könnt ihr gleich testen, ob die App die Adresse eurer Unterkunft findet. Es kann auch nicht schaden, mehrere Apps mit Offlinekarten für das Urlaubsziel zu bestuecken. Wir mussten zuletzt auf Teneriffa zwischen unseren drei Standard-Apps immer wieder wechseln, weil mal die eine, mal die andere schlicht versagt hat.

Damit das Handy nicht während der Fahrt leer wird, habe ich immer ein Ladegerät für den Zigarettenanzünder im Mietwagen dabei. Der Anschluss ist internationaler Standard, der sich auch in den USA schon bewährt hat. Es gibt diese Ladesysteme auch mit einem Sender, so dass wir unterwegs unsere auf das Smartphone geladene Musik über die Auto-Hifi-Anlage hören können. Bei Routingansagen wird die Musik automatisch in der Lautstärke gedrosselt.

Die Detailgenaue: maps.me

Begonnen habe ich mit maps.me. Diese App auf der Basis von OpenStreetMap-Daten habe ich auf Empfehlung eines Freundes schon während unserer Südostasien-Kreuzfahrt in den Städten zur Orientierung benutzt. Dort hat sie sich für Fußwege bewährt. In Bangkok sind wir mehr als einmal der App gefolgt, um unser Ziel zu finden – allerdings ohne Navigationsmodus.

Auch zum Wandern in unbekanntem Terrain habe ich sie mehrfach eingesetzt und war mit dem Ergebnis immer zufrieden. Sehr detailgenau! Im Dachsteingebiet hat uns maps.me einen Trinkwasserbrunnen in der Nähe unserer Hütte angezeigt. Mein kleiner Reisegefährte war von der Entdeckung so angetan, dass wir dahin laufen mussten. Der Brunnen war problemlos zu finden.

Bei unserem Roadtrip im Sommer musste maps.me uns auch routen. Das hat mal besser, mal schlechter geklappt. Mein Eindruck war, dass die App uns nicht immer den kürzesten oder schnellsten Weg zum Ziel, sondern auch mal über die eine oder andere Schleife geführt hat. Dieser Eindruck hat sich zumindest einmal auch auf bekanntem Terrain im Fichtelgebirge bestätigt, wo ich die App zur Kontrolle auf einer bekannten Strecke laufen ließ. Außerdem waren die Ansagen manchmal etwas sehr sparsam, so dass ein zusätzlicher Blick auf die Routenkarte zur Orientierung nötig war.

Funktionen: Wahl zwischen Auto-, Rad- und Fußstrecken. Umkreissuche für Parkplätze, Hotels, Sehenswürdigkeiten, etc. Maßeinheiten einstellbar (Kilometer oder Meilen). Zoomtasten. 3D-Gebäude. Automatischer Download. Letzte Strecke. Kompass-Kalibrierung. Nachtmodus. Perspektivische Ansicht. Auto-Zoom. Sprachwahl (nicht alle, aber etliche).

Fazit: Zum Autostreckenrouten bedingt, für die Orientierung zu Fuß in Städten und im Gelände dagegen sehr gut geeignet.

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Die Luxuriöse: Here.wego

Die Mängel in der Streckenführung mit maps.me haben mich dazu bewogen, weitere Apps auszuprobieren. Dabei habe ich auf die guten Erfahrungen von 4 auf einen Streich mit here we go gezählt.

Here we go routete mich zunächst auf Englisch, was ich etwas befremdlich und schwierig fand, denn die App nennt bei jedem Abbiegehinweis auch den Namen der Straße, in die man abbiegen soll. Die Einstellungsmöglichkeiten sind aber reichlich und lassen nicht nur einfach deutsches Routing zu, sondern bieten auch die Wahl zwischen Männer- und Frauenstimme angepasst an Smartphone-Lautsprecher oder Car-Hifi-System. Auch für die Kartenanzeige lassen sich viele Einzelheiten anpassen. Tempowarnungen sind voreingestellt, können aber ausgeschaltet werden.

Die Auto-Routenführung war in Deutschland, Österreich und Slowenien einwandfrei. Auf Teneriffa ließ sie jedoch manchmal so sehr zu wünschen übrig, dass ich die App kurzerhand ausgeschaltet und mich stattdessen mit Straßen-Hinweisschildern oder einer der anderen Apps orientiert habe. Im Gegensatz zu maps.me sagt Here.wego eher zu viel als zu wenig an. Etwas irritierend fand ich diverse Routenneuberechnungen, die die App vornahm, während ich auf der von ihr empfohlenen Strecke unterwegs war. Zudem hat sie einen hohen Batterieverbrauch. Das Ladekabel kam nicht hinterher.

Funktionen: Kartenoptionen, Routeneinstellungen, Tempowarnungen, Verkehrsinfos, Anzeige, Einheiten, Sprache, letzte Ziele, …

Fazit: Fürsorgliche Navi-App mit vielen Funktionen, aber hohem Batterieverbrauch.

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Der Klassiker: Google Maps

Ja, Google Maps ist nicht nur eine Karten-App, sondern routet euch auch. Ja, Google Maps bietet auch kostenlose Offline-Karten an. Und ja: Google Maps sammelt jede Menge Daten von euch, während ihr mit Google Maps unterwegs seid. Wenn ihr das nicht wollt: Schaut in die Einstellungen. Dort könnt ihr die Übertragung der Standortdaten wenigstens teilweise deaktivieren.

Bei unserem Sommerroadtrip entlang der Alpen hat mir mit here.wego und maps.me nichts gefehlt. Auf Teneriffa bot schließlich nur noch Google Maps Orientierung, und selbst der Klassiker mit der größten Datensammlung im Hintergrund hat mich dort mitunter auf völlig abwegigen Routen zum Ziel geführt – oder gar nicht, weil die vermeintliche Straße sich als löchrige Piste entpuppte.

Manchmal sind Straßenschilder und ein guter Richtungssinn einfach die besten Navigationsgeräte 😉

Funktionen: Verkehrslage, Verkehrsmittel, Karteneinstellungen, Verlaufsspeicherung (löschbar), Einheiten, Maßstabsanzeige, Sprache, Standortverlauf, Orte speichern.

Fazit: Etablierter Kartendienst mit stabiler Routingfunktion. Außerhalb Europas und vor allem in den USA vermutlich im Vorteil.

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Kennt ihr auch gute und kostenlose Routing-Apps fürs Smartphone? Dann freue ich mich über eure Tipps und Erfahrungen!

4 Kommentare

  1. Ich nutze im Ausland schon eine ganze MapFactor:GPS Navigation.
    Mit Openstreetmaps kostet das auch nix und es funktioniert erstaunlich gut.

    Viele Grüße
    Marc

  2. Liebe Julia,
    Das bestätigt meine Erfahrung, dass die App je nach Land oder Region recht unterschiedlich ist. Google Maps bietet auch Offline-Karten an. Mit denen habe ich in Teneriffa gearbeitet.
    Liebe Grüße
    Gela

  3. Danke für Deine Erfahrungen!
    Wir nutzen für unsere (Android) Smartphones OSMAnd. Die Kartenbasis ist OpenStreetMap. Wir sind damit nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kalifornien, Italien und auf Lanzarote gut unterwegs gewesen. Wie bei allen OSM basierten Systemen kann es passieren, dass mal eine Route als kürzeste berechnet wird, die eigentlich nur ein Feldweg ist, so in der Toskana. Die Strecke war wunderschön, brauchte aber doch deutlich länger als erwartet. Da war wohl eine Einordnung falsch programmiert (Fehler kann man in der App sogar melden!). Aber Du schreibst ja, dass Dir das sogar mit Google passiert ist. 😉 Auch schön: Die Anweisung, jetzt links abzubiegen, sofort danach, jetzt rechts abzubiegen. Auf kilometerweit gerader Strecke. Das war aber immerhin deutlich als Blödsinn erkennbar. Gelacht haben wir darüber, dass die kalifornischen Straßen, die CA 573 (oder was eben für eine Nummer) heißen, vom Navi immer als circa vorgelesen wurden. Bitte abbiegen auf circa 573. Bis wir das verstanden hatten!

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