Slowenien mit Kind: Tief hinab und hoch hinaus

– Slowenien Urlaub mit Kindern? Eine gute Idee! Das kleine Land zwischen Alpen und Adria hat zwar nur ein winziges Stück Adriaküste, glänzt dafür aber mit einer zauberhaften Hauptstadt und atemberaubender Natur. Eine Rundfahrt durch den Westen Sloweniens ist gespickt mit Naturschauspielen – sei es tief unter der Erde in der größten Tropfsteinhöhle Europas oder ganz weit oben im Triglav-Nationalpark.

Slowenien? Das Land südlich von Österreich und östlich von Südtirol lag lange nicht auf meiner Route. Im letzten Sommer war es schließlich Ziel unseres Roadtrips entlang der Alpen. Dabei haben wir uns auf den gebirgigen Westen und die Hauptstadt Ljubljana konzentriert. Die Adria haben wir gemieden, weil wir in der Hochsaison dort waren. Die überfüllten Strände an dem kurzen Küstenstreifen haben mich nicht gelockt und dem charmanten Städtchen Piran statte ich auch lieber in der Nebensaison einen Besuch ab. Meine Erfahrung aus fünf Tagen West-Slowenien: Slowenien Urlaub mit Kindern ist auch ohne Strandaufenthalt an der Adria spaßig und abwechslungsreich.

Slowenien Urlaub mit Kindern - Brunnen in Bled mit Burg, See und Kirche

Wer das ganze Land sehen will, sollte sich dafür rund zwei Wochen Zeit nehmen. Im Osten geht Slowenien in eine flache Tiefebene über, deren Thermalquellen schon zu den Zeiten des Habsburger Reichs berühmt waren. Hätten wir mehr als fünf Tage Zeit gehabt, hätten wir uns auch diesen Landesteil noch angesehen. Denn die Entfernungen in Slowenien sind ein Kinderspiel. Von Ljubljana dauert es mit dem Auto keine zwei Stunden bis an die Adria. Ebenso schnell geht es in den Triglav-Nationalpark im Herzen der julischen Alpen. Hochgebirge und Küste trennen gerade mal rund 200 Kilometer. Das verspricht reichlich landschaftliche Vielfalt auf kleinstem Raum. Und dieses Versprechen löst ein Slowenien Urlaub mit Kindern voll und ganz ein.

 

Überraschend: Durch den Karawankentunnel nach Slowenien

Von Norden kommend erreiche ich Slowenien mit meinem Sohn (6) im Auto durch den Karawankentunnel. Der mautpflichtige Autobahntunnel durchquert ein komplettes Gebirge und ist entsprechend lang. Am slowenischen Ende halten wir gleich, um die Autobahnplakette für Slowenien zu kaufen (15 Euro für 6 Tage). Da Slowenien den Euro als Währung hat, mussten wir nicht extra Geld wechseln. Der Stopp tut auch gut, damit wir das Klima erfühlen. Es ist deutlich milder und sonniger als in der österreichischen Dachsteinregion, die wir am Morgen verlassen haben.

Slowenien Urlaub mit Kindern - Bleder See

T-Shirt-Wetter herrscht an der ersten Station in Slowenien, Bled am berühmten Bleder See mit der Kircheninsel, als wir am Mittag das Stadtzentrum erreichen. Die Offline-Navi-App MapsMe hatte uns am Stau auf der Hauptstraße vorbei auf einen reizvollen Umweg durch kleine Dörfer an einem Flüsschen entlang geschickt und führt uns zum Parkplatz möglichst nah am See.

Kaum sind wir aus dem Auto ausgestiegen und mit Sonnenschutz eingecremt, hält ein Bimmelbähnchen am Parkplatzausgang. Wir steigen ein zur Rundfahrt um den See (6,50 Euro für uns beide). Der Bleder See ist tatsächlich genauso tiefblau wie er auf den Bildern aussieht. An einigen Stellen hat er Badezugänge, wie etwa an dem großen Campingplatz gegenüber der Stadt Bled. Die Rundfahrt dauert eine gute halbe Stunde. Zur ersten Orientierung und wenn man wie wir nur auf Zwischenstation in Bled ist, kann ich sie durchaus empfehlen, auch wenn die Sicht auf den See nicht immer frei ist.

Slowenien Urlaub mit Kindern - Wasserfarbe Bleder See

Schön alt: Bügeleisen und Burgberg in Bled

Als wir zurück ins Stadtzentrum kommen, treibt uns der Hunger ins nächste Restaurant. Schon beim Einstieg in das Bähnchen hatte ich ein hübsches Terrassenrestaurant entdeckt. Es liegt zwar direkt an der befahrenen Durchgangsstraße, doch die Einrichtung mit Vintage-Möbeln und -Zubehör lockt mich. Auf einem Regal an der Wand stehen jede Menge Bügeleisen. Sie geben dem Restaurant den Namen: Pegl’zn. Mein Meeresfrüchtesalat ist ein Reinfall. Die Gnocchi mit Lachs, die mein Sohn gewählt hat, schmecken aber wunderbar – mit einer ordentlichen Knoblauchnote. Im Preis ist das Ambiente inbegriffen (36 Euro inkl. 2 Getränke). In der Fußgängerzone finden wir anschließend eine Eisdiele mit selbstgemachtem Eis. Die riesige Zitroneneiskugel duftet und schmeckt intensiv.

Slowenien Urlaub mit Kindern - Restaurant Peglezn Bled

Bled ist klein. Außer Burg, Kirche und Rathaus gibt es in dem 6000-Einwohner-Städtchen nicht viel zu besichtigen. Etwas außerhalb steht noch ein Pavillon, den der slowenische Architekt Joze Plecnik, entworfen hat (wie übrigens halb Ljubljana). Den sparen wir uns und machen uns stattdessen auf zur Bleder Burg. Der Aufstieg lohnt sich schon allein wegen des Ausblicks. Natürlich kann man auch hinauf fahren. Aber wir steigen steil durch Wald und Felsen auf unzähligen Stufen hoch zum Burgberg, der die Stadt und den See um 140 Meter überragt. Mein kleiner Reisebegleiter ist begeistert, dass die Burg echte Schießscharten hat und mutiert sofort zum Ritter. Zu unserer Verwunderung sind wir bald von Herren und Damen in edlen Kostümen früherer Zeiten umgeben. Die Burg wird kulturell genutzt und beherbergt neben dem Stadtmuseum auch einen Veranstaltungssaal.

Doch für Theater bleibt uns keine Zeit mehr, denn wir sind in Ljubljana mit der Vermieterin unserer Ferienwohnung verabredet. Also steigen wir durch den Wald wieder ab, gehen ohne Pause am Kirchplatz vorbei durch einen weiteren Park zum Parkplatz und bringen die kurze Strecke nach Ljubljana hinter uns.

Nass: Ljubljana bei Regen

Petra wartet schon auf uns, als wir direkt nach der Brücke in den verkehrsberuhigten Bereich rechts einbiegen und winkt uns gleich nach links. Die topmoderne Ferienwohnung liegt im ruhigen Teil der Altstadt in einem der alten Häuser. Petra erklärt uns nicht nur die Einrichtung. Auf einem Stadtplan markiert sie für uns, welche Aktivitäten in Ljubljana mit Kindern bei Regen gut geeignet sind. Unsere Vermieterin hat selbst zwei kleine Kinder und muss es wissen.

Leider sollte sie auch mit der Wettervorhersage recht behalten. Nach einem charmanten Eindruck am ersten Abend macht Ljubljana am nächsten Tag durchgängig auf grau und nass. Beim Altstadtbummel flüchten wir immer wieder in Geschäfte. Als es gar nicht mehr aufhört zu regnen, gehen wir ins Museum. Erst am Nachmittag lässt der Guss nach. Da nehmen wir uns die Burg und den Rest der Altstadt vor, bevor wir wieder vor dem Regen flüchten müssen.

Slowenien Urlaub mit Kindern - Ljubljana Altstadt

Unterirdisch: Bahnfahrt in die Postojnahöhlen

Am nächsten Tag ist der Schauer vorbei, doch es hat deutlich abgekühlt. Wir fahren weiter nach Süden, obwohl wir am Abend im Triglavgebirge im Westen sein wollen. Diesen Umweg auf der Tour durch Slowenien mit Kind machen wir auf ausdrücklichen Wunsch des Sohnes: Bei der Reisevorbereitung hat er Fotos der Tropfsteinhöhlen von Postojna gesehen. „Da will ich hin“, rief er beim Anblick des unterirdischen Bähnchens.

Gut, dass ich einige Tage vorher online Tickets für die rund zweistündige Führung gekauft habe. Denn sonst müssten wir jetzt anstehen und rund drei Stunden warten. So aber dürfen wir gleich mit der ersten deutschsprachigen Gruppe in das offene Bähnchen einsteigen. Rasant geht es bergab, immer tiefer in den Berg hinein, bis wir mehr als 100 Meter unter der Oberfläche sind. Das Bähnchen fährt durch einen engen Tunnel. Der Fels öffnet sich mal links, mal rechts, und gibt immer wieder den Blick auf Säle voller Tropfsteine frei. Ihre ganze Menge und Pracht ist im Vorbeifahren nur zu erahnen.

Slowenien Urlaub mit Kind Postojnahöhlen

Gigantisch: Tropfsteinhöhlen und Grottenolme

Eine gute halbe Stunde dauert die Fahrt hinab in Europas größte Schauhöhle. Dann verlassen wir das Bähnchen und gehen zu Fuß weiter durch das gigantische Höhlensystem. Ich habe die Säle nicht gezählt, aber die Höhlen sind weitaus größer und verzweigter als alle anderen Tropfsteinhöhlen, die ich je besucht habe. Auch zur angeblich zweitgrößten Tropfsteinhöhle Europas, der Drachenhöhle auf Mallorca ist es ein gewaltiger Unterschied. Insgesamt 21 Kilometer Wege sind in Postojna unterirdisch erschlossen. Nur einen Bruchteil davon durchlaufen wir in rund einer Stunde zu Fuß.

Natürlich ist die Höhle ein Touristenmagnet mit Massenbetrieb. Deshalb bleibt mir zum Schauen und Fotografieren lange nicht so viel Zeit, wie ich gern hätte. Ich bilde das Schlusslicht unserer Besichtigungsgruppe und werde wiederholt zum Weitergehen aufgefordert. Der Sohn nimmt es sportlich und flitzt mal nach vorne zu unserer Führerin und dann wieder zurück zu mir. Als ich endlich an das Aquarium mit den berühmten Grottenolmen komme, hat er die farblosen Tiere ohne Augen längst entdeckt, während ich noch ratlos suche.

Slowenien Urlaub mit Kindern - Postoinahöhlen

Grottenolme leben nur in großen Tiefen und brauchen spezielle Umweltbedingungen. Daher gibt es wenig Gelegenheit für uns Menschen, diese Urzeittiere zu treffen. In Postojna kümmern sich zahlreiche Zoologen um ihr Wohl. Die Olme werden so gut versorgt, dass sie sogar Babys bekommen haben, als wir zu Besuch kommen – eine Sensation, die auf den Titelblättern der slowenischen Tageszeitungen gefeiert wird. Weil die Tiere aber hochsensibel sind, dürfen wir nur ganz wenige von ihnen im Aquarium live beobachten. Die anderen Grottenolme einschließlich der Babys sehen wir nur über einen Bildschirm, bevor wir mit der Bahn wieder an die Erdoberfläche zurückkehren.

Mehr: http://www.postojnska-jama.eu/de/heim/

Slowenien Urlaub mit Kindern Postoinagrotten

Das Soca-Tal: Highlight im Slowenien Urlaub mit Kindern

Unsere Route führt weiter Richtung Italien. Bis fast an die Grenze fahren wir auf einer kaum befahrenen Autobahn, bevor wir bei Nova Gorica nach rechts ins Soca-Tal abbiegen. Es waren die Fotos dieses türkisblauen Gebirgsflusses, die mich in diese Gegend gelockt haben. Denn die Farbe des Wassers ist so intensiv, wie ich sie sonst nur aus dem entlegenen Patagonien kenne.

Der Fluss mäandert an der slowenisch-italienischen Grenze entlang. Wir fahren durch kleine Ortschaften mit mediterranem Flair Richtung Norden. Dabei geht es immer weiter hinauf. Das Tal verengt sich mal zur Schlucht, dann wird es wieder weit. Noch lässt der Fluss die fantastische Farbe nur erahnen. Das letzte Stück der Strecke nach Bovec – unserem letzten Ziel in Slowenien – entfernt sich ganz vom Fluss. Wir sehen ihn erst am nächsten Tag wieder. Von der Quelle in zu ein stilles Seitental hinein folgen wir dem Flusslauf mal zu Fuß, mal mit dem Auto.

Slowenien Urlaub mit Kindern - Sofatal italienische Grenze

Es macht riesig Spaß, mit Kind in Sloweniens wildem Westen zu wandern. Drei kurze Touren gehen wir an diesem Tag und jedes Mal eilt der Sohn voraus – voller Begeisterung über die Natur, die hier überall zum Spielen einlädt. Soviel Zeit, um einen Staudamm anzulegen oder Steinchen flitschen zu lassen, muss dann zwischendurch auch sein. Auch große Jungs spielen am Soca-Ufer offensichtlich gern: Am Abend beobachten wir wagemutige Klippenspringer.

Unser Rückweg führt uns am nächsten Tag über den Predlpass nach Italien. Kühles klares Wetter verspricht hervorragende Fernsicht, und auf unserem Weg gibt es einen Abstecher von rund zehn Auto-Kilometern zum über 2000 Meter hohen Mangartgipfelmassiv. Diese Gelegenheit lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Mit Schwung düse ich die schmale Serpentinenstraße nach oben, zum Glück mag mein Sohn solche Eskapaden genauso gern wie ich. Gegenverkehr zwingt gelegentlich zum Anhalten. Gefährlich ist die Strecke, die durch fünf kurze, unbeleuchtete Tunnels führt, aber allenfalls für die vielen Mountainbiker. Endlich oben sind wir natürlich bei weitem nicht allein. Doch die Hochgebirgsnatur und die tolle Aussicht über die julischen Alpen bieten genug Weite für alle.

Slowenien Urlaub Mutter und Kind am Mangart

Ihr wollt mehr oder etwas anderes von Slowenien sehen?

Geheimtipps von Einheimischen hat Lena von familiy4travel beim Couchsurfen mit zwei Jungs und Mann in Slowenien bekommen: http://www.family4travel.de/familienurlaub-slowenien/

Claudia von Fernweh mit Kids hat das Land 2013 von Nova Gorica aus erkundet: http://fernweh-mit-kids.de/zwischen-soca-und-friaul/

Sabine von Gecko Footsteps hat zu den Postojna-Höhlen eine andere Meinung als ich und war auch in Ljubljana: https://reisespatz.de/europareisen/slowenien/

Julia von Jäger des verlorenen Schmatzes ist mit dem Bulli über Gebirgspässe durch Slowenien gefahren und hat slowenische Slow Food genossen: http://www.jaegerdesverlorenenschmatzes.de/mit-dem-bulli-auf-den-balkan-1-etappe-was-wir-in-slowenien-vermissten-und-warum-es-trotzdem-eine-reise-wert-ist/

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