Höhlenforschungen mit Kind auf Gran Canaria

Blick auf den Roque Bentayga von den Cuevas del Rey

Gran Canaria – das ist Sonne, Strand und Bettenburgen am Meer. Aber es ist auch Gebirge und Geschichte. Auf keiner Kanareninsel kann Otto Normal Tourist so leicht in die Geschichte des Archipels vor der Eroberung durch die Spanier einsteigen, wie auf Gran Canaria. Mit Kindern macht es besonders viel Spaß, Höhlenforscher zu spielen. Vielen Kultstätten haftet ein Hauch von Abenteuer an.

Während die Kultplätze und historischen Stätten der Ureinwohner der Kanaren auf den meisten anderen Inseln eher schwer zu erreichen sind, kredenzt Gran Canaria manche von ihnen quasi direkt am Strand. So liegt etwa das Ausgrabungsgelände der Cañada de los Gatos direkt im Touristenzentrum Puerto Mogan im Westen der Insel. Wir haben es leider nicht geöffnet erlebt. Der Ausblick auf die Bucht von Mogan soll traumhaft sein.

Doch es gibt andere Stätten der Canarios, die keine Schließzeiten kennen. Viele von ihnen liegen im Norden der Insel, den wir nicht besucht haben. Auch rund um die Hauptstadt Las Palmas und in den dortigen Museen, gibt es viel kanarische Geschichte zu entdecken.

Roque Bentayga: Gran Canarias höchstgelegene Kultstätte

Zu den spektakulärsten Plätzen von archäologischem Interesse zählen jedoch mit Sicherheit der Roque Bentayga und die Wohnhöhlen in seiner Umgebung. Die Felsenspitze im westlichen Teil des gebirgigen Inneren der Insel ist von den südlichen Touristenzentren rund zwei kurvige Fahrstunden entfernt. Doch der weite Anfahrtsweg lohnt sich.

Bevor wir die natürlichen Steinstufen hinaufsteigen, sehen wir uns im kleinen Museum um (Eintritt frei). Bei diesem Besuch erfahren wir unter anderem, dass es auf dem Hochplateau ein Loch im Fels geben soll, in das am Tag der Herbsttag- und –nachtgleiche die Sonne durch eine Kerbe im Roque scheint. Deshalb wird vermutet, dass der Roque ein Kultplatz war. Außerdem wurden Grabhöhlen rundherum gefunden. Die Mumien sind zum Großteil im Inselmuseum in Las Palmas zu sehen. Vor Ort sind dagegen die Waffen der Altkanarier und der Spanier ausgestelllt. Das genügt vollauf, um den Sohn solange zu fesseln, bis ich die Ausstellung im Schnelldurchgang erfasst habe.

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Mystisches Gran Canaria: Blick aus einer der Höhlen am Roque Bentayga durch die Wolken

Bis auf das Plateau mit den Löchern im Felsboden kommen wir leider nicht. Denn der unterwegsmitkind-Sohn verliert am Ende des steilen Aufstiegs die Lust – oder den Mut? Der Weg führt über unregelmäßige Steinstufen und ist mit einem Drahtseil gesichert. Gerade kommen uns zwei ausgewachsene Doggen entgegen. Da dränge auch ich nicht weiter zum Aufstieg. Bei unserem kurzen Rundgang unterhalb des Plateaus können wir aber einige der Grabhöhlen erkennen. Die Felsformationen und der grandiose Ausblick in (fast) alle Richtungen begeistern mich so, dass ich es verschmerzen kann, die gut besuchte Kultstätte selbst nicht gesehen zu haben.

El Roque: Bergdorfidylle am Ende der Straße

Vom Roque Bentayga führt eine schmale, löchrige Straße durch Mandelbaumplantagen zu dem winzigen Bergdorf El Roque. Das urige Dörfchen liegt auf einem Grat zwischen zwei Felsentürmen, die beide von Höhlen durchsetzt sind. Dort ist der Zugang zu den Cuevas del Rey (Königshöhlen). Die größten prähispanischen Höhlen auf Gran Canaria sind über einen kleinen, unmarkierten Trampel- und Kletterpfad zu erreichen. Den Pfad zu finden ist nicht eben einfach. Wir durchqueren erst alle drei Straßen des Zehn-Häuser-Dorfes, bevor der unterwegsmitkind-Sohn den Zugang schließlich direkt am Dorfeingang links entdeckt hat.
Im Dorf El Roque ist vom Massentourismus an den Küsten nichts mehr zu ahnen. Die Zeit scheint stehen geblieben. Unglaublich still und leer ist es dort, und doch sind die Häuser bewohnt. Das überrascht am meisten. In gepflegten Gärtchen sind Beete bestellt. Hier und da bellt ein Hund hinter der Tür. Als wir von den Höhlen wieder absteigen, treibt ein junger Mann eine große Herde Ziegen durch die stillen Sträßchen in eine Höhle am Ende der Straße.

Gran Canarias Königshöhlen: Kind zwischen Faszination und Schrecken

Um zu den Höhlen zu kommen, darf man nicht schlecht zu Fuß sein. Ein schmaler Bergpfad führt teilweise mit Geländer zur ersten Ebene. Dann folgt eine steilere Passage mit Seil, und der letzte Aufstieg zur größten Königshöhle mit zwei zusätzlichen Kammern geht mit Händen und Füßen etwa zwei Meter am Fels hoch. In den offenen Höhlen ist es erstaunlich warm. Der frische Wind bleibt draußen. Doch es ist auch erstaunlich dunkel. Denn die Felswände sind schwarz von Ruß.

Gran Canaria mit Kindern - Cuevas del Rey

Abenteuerliches Gran Canaria: Die größte der Königshöhlen mit Durchgängen zu zwei Schlafkammern

Mein kleiner Begleiter hat die Klettertour geliebt. Die Höhlen selbst haben ihn fasziniert und verängstigt zugleich. In die beiden Kammern der Königshöhle wollte er keinen Blick werfen. Er hat noch nicht einmal geduldet, dass ich hineinschaue. Dennoch haben wir uns lange aufgehalten, die Löcher und Rinnen im Fußboden der Höhle studiert.
Als wir uns von diesem magischen Ort wieder trennen konnten, kamen uns zwei junge spanische Familien mit Gitarre, Ruck- und Schlafsäcken entgegen, um in der Höhle zu übernachten.

Fortezza Grande – Tunnel oder Höhle?

Schon mal eine Höhle gesehen, die auf einem einsamen steil abbrechenden Felsen liegt und nach zwei Seiten offen ist? Die Fortalezza Grande (Große Festung) ist eigentlich eher ein Felsentunnel als eine Höhle. Sie gilt als letzter Rückzugsort der Altkanarier vor der Niederlage gegen die Spanier. Die Kämpfer des stolzen Inselvolks sollen sich der Legende nach lieber in die Schlucht gestürzt als ergeben haben.

Mit Kind auf Gran Canaria Höhlen erkunden

Historisches Gran Canaria: einer der letzten Rückzugsplätze der Altkanadier im Kampf gegen die Spanier

Die Fortalezza Grande liegt drei Autokilometer abseits der (landschaftlich großartigen) Hauptstrecke von Santa Lucia zur Küste. Wie El Roque ist sie von unglaublicher Stille umgeben. Doch während wir oben im Zentralgebirge wenigstens noch Vögel gehört haben, ist in dem nach Südosten ausgerichteten, trockenen felsigen Barranco mit seinen Steilwänden nicht ein Geräusch zu vernehmen. Die einzigen Besucher gehen gerade, als wir kommen. In der Ferne schreiten zwei Reiterinnen vorbei. Einsam hebt sich der mächtige Fels aus dem Schluchtengrund.

Gran Canaria mit Kind - Barranco mit Fortalezza Grande

Gran Canyonaria: Die Schlucht mit der Fortaleza Grande

Wir spazieren zum Abgrund und daran entlang bis zur Tunnelhöhle. Sie liegt voller großer Geröllbrocken, als hätten die Altkanarier hier Vorräte für ihre Steinschleudern zurückgelassen. Der Weg durch den Tuffsteintunnel ist unbequem. Er führt uns aber nach nicht einmal einer halben Stunde direkt zurück zum Parkplatz, auf dem unser Mietwagen immer noch ganz allein steht.

Wie funktionieren Wohnhöhlen auf Gran Canaria?

Unsere letzte Höhlenerkundung starten wir im wohlbekannten Barranco de Guayadeque. Bewohnte Höhlen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Doch an diesem Tag kommen wir so spät los, dass in dem nach Osten ausgerichteten Barranco die letzte Sonne nur noch die Oberkanten der Felswände streift. Das hat zwar den Vorteil, dass die Touristenbusse schon weg sind, aber den Nachteil, dass die Einheimischen ihre Wohnhöhlen wieder für sich haben wollen.

Gran Canaria mit Kind Höhlenmuseum Barranco Guayadeque

Spannendes Gran Canaria-Museum im Barranco de Guayadeque

Für das Centro de Interpretacion sind die Lichtverhältnisse und Tageszeiten jedoch kein Problem. Das Museum, das die Geschichte der Besiedlung des Barrancos erzählt, ist selbst eine riesige Höhle. Alltagsgegenstände der Altkanarier, wie Töpfe, Gefäße, Werkzeuge und Kleinigkeiten, wie etwa Wäscheklammern aus Bambusrohr, machen die Vergangenheit lebendig.

Gran Canaria mit Kindern - Höhlenmuseum Barranco de Guayadeque

Aktives Gran Canaria: Kind an der Handmühle im Höhlenmuseum

Der unterwegsmitkind-Sohn hat sich in eine Handmühle verliebt, mit der er sämtliche bereitgestellten Hirsekörner zu Mehl verarbeitet hat, während ich mir die nachgebildeten Szenen aus prähispanischer Zeit angesehen habe. Das Centro de Interpretacion ist eines der wenigen Museen auf Gran Canaria, die Eintritt kosten. Wir haben zusammen 5,50 Euro bezahlt, doch das war es allemal wert. Denn der Besuch hat uns eine sehr informative und anschauliche Stunde kanarischen Geschichtsunterricht erteilt.

Soviel Kultur schreit geradezu nach kulinarischem Ausgleich. Also fahren wir weiter in den Barranco hinein und besuchen ein Höhlenrestaurant. Zu meiner Freude treffen wir dort nur Einheimische. Wenn ihr wissen wollt, wie das Essen dort und anderswo auf Gran Canaria war, dann schaut mal hier.

Höhlenrestaurant im Barranco Guayadeque

Kulinarisches Gran Canaria: Höhlenrestaurant im Barranco Guayadeque

Wollt ihr mehr über Urlaub auf Gran Canaria mit Kindern w Besonderen Gefallen haben wir an der Kombination aus Baden und Wandern gefunden. Hier gibt es einige Touren-Vorschläge.

Auch Ellen von patotra hat Gran Canaria schon mit der Familie erkundet. Sie durfte in eine der Wohnhöhlen im Barranco de Guayadeque hineingucken: http://www.patotra.com/gran-canaria-delfine-duenen-hoehlen/

4 Kommentare

  1. Oh toll….das hätten meine Jungs (die alten Höhlenforscher) auch geliebt. Sehr cool. Bisher fand ich Cran Canaria wenig reizvoll. Ich glaub ich muß mir das nochmal überlegen. LG/ Nadine

    • Liebe Nadine!
      freut mich, wenn ich dich begeistern kann! Selbst auf der touristisch am meisten erschlossenen Kanareninsel gibt es noch stille Winkel. Man muss nur manchmal ein bisschen suchen …
      Liebe Grüße
      Gela

  2. Hallo Angela,

    war jetzt natürlich wieder einmal am „schnüffeln“ auf deiner Seite. Manchmal braucht man wieder mal einen neuen Bericht um dran zu denken 🙂
    Aller wahrscheinlichkeit nach, hast du hier mehr gesehen als ich, der nunmehr schon seit über 8 Jahren hier ist. Wahrscheinlich müßte ich wirklich auch mal etwas weiter weg vom Auto kommen um solch schöne Sachen zu sehen(aber ich hab doch vier gesunde Reifen 🙂 🙂 🙂 )
    Aber schon deine Foto´s animieren mich doch mal etwas zu laufen.

    Ganz Liebe Grüße von der Finca
    Konny und René

    • Ich hab halt immer Hummeln im Hintern, René. Deshalb habe ich es selbst auf eurer schönen Finca keinen einzigen Tag ganz ausgehalten und musste möglichst alles sehen. Weil ich aber noch lange nicht alles von Gran Canaria gesehen habe, muss ich irgendwann nochmal wieder kommen.
      Lieben Gruß
      Angela

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