USA – Rückblick am letzten Tag

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Wildwestromantik an der Route 66 in Seligman

In San Francisco findet unsere viermonatige Reise einen wunderschönen Abschluss. Unser Hotel ist eine prima Basis für Stadterkundungen. Ich wähle die ganz bequeme Alternative mit dem Sightseeing-Doppeldeckerbus. Damit schaffen wir in zwei Tagen wenigstens einige der interessantesten Ecken. Die Hausboote von Sausalito bleiben unentdeckt. Dafür durchlaufen wir Chinatown, North Beach und Haight Ashbury, wandern über die Golden Gate Bridge und erleben die Seelöwen am Pier 39. Und es ist mal wieder Zeit, Bilanz zu ziehen. Wenigstens für den (vor)letzten Teil.

„Heute ist unser allerletzter Urlaubstag. Morgen fliegen wir nach Hause“, sagt die Mama. Der Sohn steckt die Faust in die Luft und ruft – leise – „Juhuu!“

Mama: „Du freust dich?“

Sohn: „Ja. Und du?“

Mama: „Ein bisschen freue ich mich jetzt auch schon. Aber ich bin auch ein bisschen traurig, dass unsere Reise vorbei ist.“

Sohn: „Warum?“

Mama: „Weil ich dann wieder arbeiten muss und wir nicht mehr jeden Tag so tolle neue Sachen miteinander erleben können.“

Sohn: „Dann können wir nicht mehr den ganzen Tag miteinander spielen. Ich will jetzt Rumtoberei machen.“

Mama: „Was willst du machen?“

Sohn: „Rumtoberei. Mit dir.“

Mama: „Ich will jetzt ein Interview machen. Mit dir.“

Sohn: „Rumtoberei.“

Mama: Ok. Erst Rumtoberei, dann Interview.“

Sohn: „Ok.“

Der Sohn greift sich sämtliche Polster und Kissen, die das Hotelzimmer hergibt, schlichtet sie zu Bergen zusammen und springt hinein. Danach baut er Figuren aus den Kissen, und die Mama muss raten, was es sein soll. Nebenbei versucht sie, das Interview fortzusetzen.

Mama: „Woran erinnerst du dich: wo waren wir denn in letzter Zeit?“

Sohn: „Wir sind mit dem Doppeldeckerbus gefahren. Über die Golden Gate Bridge.“

Mama. „Das war gestern. Seit unsrem letzten Flug sind fünf Wochen vergangen. Was ist denn noch passiert in den fünf Wochen?“

Sohn: „Alexandra hat geschrieben, dass sie einen Fahrradunfall hatte und das Knie gebrochen ist.“

Mama: „Das war heute morgen. Was haben wir denn alles erlebt?“

Sohn: „Ich muss jetzt leider weiterbauen.“

Mama: „Was baust du jetzt?“

Sohn: „Ne Räuberfalle.“

Mama: „Aber haben wir denn auf unserer ganzen Reise einmal Räuber getroffen?“

Sohn: „Ja.“

Mama: „Wann denn?“

Sohn: „Na, einmal als wir zu einem Schwimmbad wollten. Da hat dir doch einer die Brillen aus dem Rucksack geklaut. Ohne Pistole. – Was war das für ein Geräusch – ein Räuber?“

Der Sohn kommt ganz schnell ganz nah zur Mama. (Der Brillen-Diebstahl ist an einem der ersten Tage passiert, und ich habe es erst am Abend bemerkt.)

Mama: „Ein anderer Hotelgast ist nach Hause gekommen. – Pause – Weißt du denn noch, wo wir gelandet sind?“

Sohn: „Nee.“

Mama: „Wir sind in Phoenix gelandet. Und dann erst mal in die Wüste gefahren.“

Sohn: „Ah ja!“

Mama: „Dann sind wir weiter gefahren und in eine alte Westernstadt gekommen. Da gab es ein Gefängnis.“

Sohn: „Und da haben wir einen Mann getroffen, der da drin war. Aber warum war der da drin?“

imageMama: „Das wollte er uns nicht erzählen.“

Sohn: „Aber warum?“

Mama:  „Wahrscheinlich war es ihm peinlich. Und dann sind wir weiter gefahren. Zu den versteinerten Bäumen.“

Sohn: „Die waren soooooo schön.“

imageMama: „Stimmt!“

Sohn: „Da habe ich mein Gold verdient.“

Mama: „Ja, da bist du Junior Park Ranger im Nationalpark Petrified Forest geworden. – und dann sind wir weiter zum Grand Canyon.“

Sohn: „Da wars doof.“

imageMama: „Wieso?“

Sohn: „Weil man den Fluss fast gar nicht gesehen hat, obwohl der doch früher mal ganz breit und tief war.“

Mama: „Aber die Schlucht ist ein Weltwunder.“

Sohn: „Die Brücke aber auch. Ich erinnere mich nur noch an die Brücke.“

Mama: „Stimmt die Golden Gate Bridge ist auch ein Weltwunder. In Williams am Grand Canyon waren wir doch auch in dem Bearizona – der Zoo mit den freien Tieren, wo man bei den Bären und bei den Wölfen die Fensterscheiben hochmachen musste.

Sohn: Mhm. 

Mama: Dann sind wir zu den roten Felsen gefahren. Valley of Fire. Tal des Feuers.

imageSohn: Da sind wir geklettert. 

Mama: Da waren auch die Fenster in den Felsen, wo man rausschauen konnte. Und die Schlucht mit dem Echo.

Sohn (ruft): Echo!

Mama: Und von dort aus ging’s weiter in das Tal des Todes – Death Valley. Erinnerst du dich noch an das Salz?

Sohn: Mhm. Jetzt will ich mal schreiben.

Mama: Nee. Was denn? Wenn wir fertig sind. Jetzt fehlt ja gar nicht mehr viel.

Sohn: Doch, ganz viel.

Mama: Was denn?

Sohn: Es fehlt gar nix mehr.

Mama: Doch, ganz viel. Wo waren wir denn nach dem Death Valley? Ach, ich weiß es wieder. Da sind wir in die Mojave Wüste gefahren. Da sind wir erstmal versandet.

imageSohn: Oh ja. Aber dann kam einer und hat uns rausgezogen.

Mama: Und danach haben wir endlich deinen Freund Vinny getroffen. Ihr seid aufeinander zulaufen und habt euch gegenseitig umgerannt. War das schön?

Sohn: Ja. Mami hör jetzt auf.

Mama: Ok, dann hör ich jetzt auf.

 

 

 

 

 

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