Humboldt hinterher – Auf der Straße der Vulkane in Ecuador mit Kind –

Ecuadors Hochland ist faszinierend. Das fand wohl schon Alexander von Humboldt. Bei meiner Weltreise allein mit Kind waren wir immer wieder auf den Spuren des deutschen Naturforschers unterwegs. Unzugänglich und geheimnisvoll wirkt das Hochland zwischen Riobamba und Cuenca. Magie entfaltet die Landschaft in Incapirca und am Chimborazo. Doch die Natur im Hochland von Ecuador mit Kind zu erkunden ist nicht immer ein Kinderspiel. Eine Reisereportage life von der Langzeitreise.

„De donde son?“ Woher kommen Sie? Das ist meist die zweite Frage nach einem freundlichen „Hola, como esta?“ Hallo, wie gehts? Wenn ich dann wahrheitsgemäß antworte, dass wir aus Deutschland sind, kommt das Gespräch schnell auf einen Deutschen, der in Südamerika wohl bekannter und beliebter ist als in seiner Heimat. Alexander von Humboldt hatte ein extrem dominantes Fernweh- und Entdeckergen. Sein ganzes Erbe hat er für Entdeckungsreisen durchgebracht, endlose Seiten mit Aufzeichnungen gefüllt, doch hat ihm das nur wenig Forscher-Ruhm beschert, wenigstens in Deutschland. In Ecuador kennt ihn dagegen beinahe jeder.

Imbiss mit Inka

Zum Beispiel der neugierige alte Imbissbetreiber in Incapirca. Die bedeutendste Inkastätte in Ecuador hat Humboldt natürlich besucht. In sein Skizzenbuch zeichnete er einen Felsen, weiß der Mann vom Imbiss. Der Felsen sieht aus wie der Kopf eines Inka im Halbprofil. Wir sollen dahin gehen, uns den Felsen ansehen, sagt der Imbissbesitzer. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen.

Ecuador mit Kind - Incapirca Ruinen

Der Rundweg ist eine perfekte Kindertour, abwechslungsreich, absturzsicher und kurz. Es geht erst hinauf auf einen Felsen mit toller Aussicht, dann an einem kleinen Wasserfall entlang steil hinab an den Fuß des Felsens. Unten entlang führt der schmale Pfad vorbei an Pferde- und Lamaweiden um die Ecke, wo sich schließlich der steinerne Inka zeigt. Der Sohn erkennt ihn nicht. Dafür entdeckt er wenig später ein Lama im Felsen, das ich beim besten Willen nicht sehen kann. Damit wir weiter kommen, tue ich schließlich so, als ob ich genau wüsste, was er meint.

 

Ecuador mit Kind - der steinerne Inka

Versteckte Vulkane

Wir wollen mit dem Bus weiter nach Cuenca, auf dem letzten Abschnitt der Straße der Vulkane. Avenida de los Volcanes nennen die Ecuadorianer den Teil der Panamericana in der Sierra zwischen Quito und Cuenca. Die längste Straße der Welt zieht sich hier auf einer Höhe von plus/minus 2700 Metern zwischen zwei Bergketten hin, die viele Vulkane aneinanderreihen. Allerdings zeigen sich die schneebedeckten Spitzen nur selten. Auf unserem Weg von Quito nach Riobamba hat sich der perfekte Kegel des Cotopaxi hinter dicken weißen Wolken versteckt. Immerhin sehen wir aber die Zwillingsvulkane Illiniza sur und Illiniza norte.

Auch den Chimborazo, der Alexander von Humboldt beinahe das Leben gekostet hätte, können wir zwei Tage lang nur erahnen. Der höchste Berg Ecuadors überragt Riobamba mit stolzen 6310 Metern. Erst als wir ihm auf einer Extratour in das Tierreservat zu seinen Füßen besonders nahe kommen, lässt er seinen Wolkenschleier wehen und zeigt uns schließlich sogar vier von fünf schneebedeckten Spitzen oder Schlöten – Cimas heißen sie hier.

Ecuador mit Kind am Chimborazo

Gold und Geschichte

Wir laufen durch den flachen Bewuchs des Paramo. Heftiger Wind treibt uns an. Der Sohn mag den Wind nicht. Das führt zu Dauergemäkel. Nichts da von dem sonst so wanderlustigen kleinen Gesellen an meiner Seite. An diesem Tag haben Aussicht, merkwürdige Pflanzen, Lamas und selbst wilde Alpacas keine Chance gegen die schlechte Laune des Sohnes. Kurz heitert ihn ein besonderer Fund auf. Ein Büschel Alpacafell hängt an einer Feuerblume. Unser Guide Mario erklärt, dass das Fell so wertvoll wie Gold ist. Auch Mario ist Gold wert. Er weiß nicht nur sehr viel über die Natur, die wir erkunden und natürlich über Humboldts Erkundungen, sondern er nimmt auch den Sohn beim harten Schlussanstieg zu einem kleinen Polilepiswald auf rund 4300 Meter auf den Rücken.

Ecuador mit Kind - Polilepiswald bei Riobamba

Unter den Ehrfurcht einflößenden Baumgestalten sitzen die beiden schon windgeschützt und scherzend beim Picknick, das Mario auch noch getragen hat, als ich schnell schnaufend endlich auch ankomme. Was halten diese hunderte Jahre alten Bäume aus, und wie wenig dagegen wir Menschen. Vielleicht hat einer von ihnen schon Humboldt erlebt.

Ecuador mit Kind - auf über 4000 Höhenmetern am Chimborazo

Ecuador mit Kind - Incapirca

Ecuador mit Kind - das erste Lama sehen wir in Incapirca

0 Kommentare

  1. Hallo Angela, ich lese immer mit und bin schon ganz neidisch. Was für tolle Erlebnisse. Supi, dass dein Sohn so gut durchhält. Gute Reise weiterhin!

    • Bis jetzt ist es wirklich toll. Wir haben schon so viel Schönes und Außergewöhnliches erlebt. Ich komme mit dem Schreiben gar nicht nach. Und das Tollste ist: der Sohn hält nicht nur durch, er hat richtig Spaß – wenigstens meistens. Alle Sorgen, dass ich vielleicht doch noch ein Jahr zu früh dran bin, sind jetzt schon zerstreut.

  2. hey wow…d a s klingt ja traumhaft! selig die die auf solchen spuren wandeln können….und isngesamt das mit dem blog is ja echt a sach. Fazit: dieser blog ist spitze! liebe grüße aus dem winterapril in allemania

  3. Hallo Gela, deine Berichte lesen sich wirklich toll! Ich bekomme Fernweh, wenn ich sie lese! Insbesondere nach Ecuador. Unsere letzte Reise dorthin ist nun mittlerweile 20 Jahre her… Genießt eure Zeit! Liebe Grüße aus Berlin! Inka

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