Nationalpark Unteres Odertal: Wandern, Paddeln und Radfahren am Fluss

Den Nationalpark Unteres Odertal im Nordosten von Brandenburg kann man durchaus noch als Geheimtipp bezeichnen. Wasser, wilde Wiesen und Weite prägen die ungewöhnliche Flusslandschaft, die vielen seltenen Tieren Zuflucht bietet. Wir waren im Nationalpark Unteres Odertal Wandern und Fahrradfahren und haben euch Tipps, Tourenvorschläge und die wichtigsten Infos mitgebracht.

Nationalpark Unteres Odertal – Unsere Erfahrungen

Den Nationalpark Unteres Odertal habe ich mit meinem Sohn im Corona-Frühling 2020 zum ersten Mal entdeckt. Wir hatten einen Garten am Rand des Nationalparks gemietet und wollten ausprobieren, ob eine Scholle in Brandenburg was für uns wäre.

Als Gartenbesitzer haben wir natürlich auch den einen oder anderen Ausflug in die Umgebung unternommen. Vier Touren kann ich euch empfehlen. Unser Gartenexperiment haben wir nach drei Monaten Probezeit abgebrochen. Das hatte verschiedene Gründe, unter anderem die Lage. Dennoch haben wir den Nationalpark auch später noch besucht, zuletzt 2026.

Blick vom Aussichtsturm Stützkow auf die Oder

Wo liegt der Nationalpark Unteres Odertal?

Der Nationalpark Unteres Odertal liegt im Nordosten Brandenburgs, im Landkreis Uckermark an der Grenze zu Polen. Gemeinsam mit dem polnischen Schutzgebiet auf der anderen Seite der Oder bildet er den sogenannten Internationalpark Unteres Odertal.

Die größte Stadt auf der deutschen Seite des Nationalparks ist Schwedt mit rund 30.000 Einwohnern (inklusive Eingemeindungen). Die industriell geprägt Kleinstadt liegt rund 100 Kilometer von Berlin entfernt und ist am schnellsten über die Autobahn A11 und die Bundesstraße B198 via Angermünde erreicht. Unser Garten lag etwas südlich von Angermünde. Doch wir brauchten für den einfachen Weg rund zwei Stunden – zu lang um einen Garten regelmäßig zu pflegen, fanden wir.

Als Unteres Odertal wird der Abschnitt der Oder zwischen dem Oderbruch und dem Stettiner Haff bezeichnet. Das Tal erstreckt sich von Hohensaaten bei Oderberg im Süden bis zur Odermündung ins Haff im Norden. Das Nationalparkschutzgebiet ist etwas kleiner. Es beginnt beim Doppel-Dorf Lunow-Stolzenhagen im Süden und reicht bis zum Gartzer Ortsteil Staffelde im Norden. Der Abschnitt nördlich von Gartz ist Totalreservat und darf daher nicht betreten werden- Die Nationalparkverwaltung bietet eine detaillierte Karte als pdf zum Download an: https://www.nationalpark-unteres-odertal.eu/wp-content/uploads/2016/10/Karte-UO-web-27-3-15.pdf

Steckbrief Nationalpark Unteres Odertal

  • Lage: Nordost-Brandenburg, an der Grenze zu Polen und Mecklenburg-Vorpommern
  • Größe: zirka 50 km lang, maximal 5 km breit
  • Gründung: 1995
  • Landschaftstyp: Flussaue

Welche Besonderheiten hat das Untere Odertal?

Die Natur im Nationalpark ist sehr speziell. Es ist der einzige Auen-Nationalpark in Deutschland. Ich habe so eine Auenlandschaft tatsächlich noch nie vorher gesehen. Erst beim Urlaub an der Elbe in der Prignitz ist mir ähnliches begegnet. Die Oderauen sind aber weiter ausgedehnt als die Elbaue.

Wilde Feuchtwiesen bedecken den größten Teil der Fläche, der nicht von Wasser oder Schilf eingenommen wird. In anderen Teilen des Nationalparks herrscht dichter Laubmischwald vor. Das gilt vor allem für die Hänge am östlichen Rand des Nationalparks.

Auf den weiten Wiesen in der Oderniederung wachsen vereinzelt uralte Weiden. Die Oder zieht als Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen in der Mitte durch das Tal. Für die Schifffahrt ist die Hohensaaten-Friedrichstaler Wasserstraße – kurz HoFriWa – bedeutsamer. Sie ist mit einem Deich versehen, der das Überschwemmungsgebiet zwischen den beiden Wasserwegen begrenzt, das im Winter regelmäßig unter Wasser steht oder unter Eis verschlossen ist. Im Sommer verzweigen sich in den Wiesen unzählige Kanäle, Priele, Flüsse, Bäche und Teiche.

Polder nennt man diee Überschwemmungsgebiete zwischen HoFriWa und Oder. Sie sind akribisch durchnummeriert, denn eine ausgeklügelte Wasserwirtschaft regelt den Wasserstand. Ihr Vorbild haben die Polder in Holland. Für den Hochwasserschutz haben sie sich jedoch auch an der Oder bereits bewährt. Nur beim Jahrhunderthochwasser an der Oder 1996 war selbst der Deich der HoFriWa zu niedrig.

alte Weiden im Schilf im Nationalpark Unteres Odertal

Welche Tiere gibt es im Nationalpark?

Inzwischen haben die Biber die Menschen als Landschaftsarchitekten im Nationalpark Unteres Odertal abgelöst. Sie bauen kleine Priele zu größeren Wasserflächen aus. Fischotter fühlen sich dort ebenso zuhause wie alle Arten von Wasservögeln und Sumpfvögeln, Amphibien und Insekten (ja, auch Mücken). So kann man im Unteren Odertal Wandern und Fahrradfahren hervorragend mit Tierbeobachtungen kombinieren.

Besonders Vogelbeobachter haben im Nationalpark ihre Freude. Der rote Milan kreist regelmäßig über den Feuchtwiesen. Wegen seiner beeindruckenden Größe heißt er auch roter Adler, und er ist der Wappenvogel Brandenburgs. Im Sommer siedeln Störche in den angrenzenden Dörfern. Im Frühling und Herbst machen neben Wildgänsen und zahlreichen anderen Zugvögeln auch Kraniche im Odertal Rast. Alljährlich Ende September / Anfang Oktober veranstaltet der Nationalpark daher die Kranichwoche und Ende Januar / Anfang Februar stehen die Singschwäne im Mittelpunkt.

Außerdem werden Teile des Nationalparkgebietes beweidet. Die Wisente bei Criewen haben wir zwar vergeblich gesucht, auch die Konikpferden und Auerochsen im Süden und die Wasserbüffel im Norden des Nationalparks haben wir nicht gesehen. Dafür aber jede Menge Uckermärker Rinder und Schafe.

Zwei Wildgänse im Nationalpark Unteres Odertal auf einer grünen Wiese vor blauem Himmel im Abendlicht.
Vier Schafe weiden auf einer grünen Wiese unter einem strahlend blauen Himmel mit vereinzelten Wolken im Nationalpark Unteres Odertal. Im Hintergrund säumen hohe Bäume die Wiese.

Naturbeobachtung im Nationalpark Unteres Odertal

Die größte Sehenswürdigkeit ist die Natur. Sieh sie dir an! So könnte man in Abwandlung eines Tucholski-Zitates sagen. Am besten aus der Nähe. Aber immer schön auf den Wegen bleiben! So wollen es die Nationalparkregeln.

Kinder können am Wegrand mit einer Becherlupe* auf Entdeckungstour gehen. Jugendliche und Erwachsene nutzen Apps, um zu erforschen, was sie sehen und hören. Pflanzen lassen sich prima mit der App Flora Incognita bestimmen - und zwar alle vom Gras bis zum Baum. Vogelstimmen erkennt die App BirdNET.

Gelegenheit für einen Blick von oben auf die Auenlandschaft bieten insgesamt vier Beobachtungstürme vor allem in der nördlichen Hälfte des Nationalparks in Stützkow, Mescherin, Gartz und am Wrechsee.

Sehenswürdigkeiten im Nationalpark Unteres Odertal

Der Aussichtsturm Stützkow kann durchaus als Sehenswürdigkeit gelten. Der Blick über die Oder und die Oderauen ist großartig (siehe unten). Außerdem findet man entlang der HoFriWa etliche Stauwehre und weitere Bauten für die Wasserwirtschaft, die allesamt spannende technische Denkmäler und mitunter 100 Jahre oder älter sind. Und schließlich haben auch manche der Orte am Rand des Nationalparks einiges zu bieten. Von Süd nach Nord:

Oderberg

Oderberg zählt eigentlich noch nicht zum Nationalpark, doch wenn man von Süden kommt, fährt man automatisch hindurch. Das Städtchen am Übergang vom Oderbruch zum Unteren Odertal hat viele alte Fachwerkhäuser und Gehöfte, die jedoch nicht alle gut erhalten sind. Spannend ist das Binnenschifffahrs-Museum, das viele der Kähne zeigt, die auf der Oder fahren oder fuhren. Im Außengelände ist das Schiff Riesa eine Attraktion. Wer die Altstadtgassen von Oderberg und das Odertal von oben sehen will, steigt auf den Albrechtsberg.

Stolzenhagen

Lunow-Stolzenhagen ist ein Doppeldorf. Der Ortsteil Stolzenhagen punktet mit einem alten Dorfkern mit viel Fachwerk, selbst am Kirchturm. Ein Geologischer Garten am Ortsrand zeigt verschiedene Findlinge aus der umliegenden Eiszeitlandschaft. Durch die Überreste einer Festungsanlage führt ein schöner Spaziergang (siehe unten).

Stolper Turm

Im Ortsteil Stolpe von Angermünde direkt an der HoFriWa ist vor allem der historische Burgturm sehenswert. Der Stolper Turm gilt mit 18 Metern Durchmesser als größter Bergfried Brandenburgs. Von innen kann man ihn an den Wochenenden und Mittwochnachmittagen zwischen April und September besichtigen. Aber auch schon der Hügel, auf dem er im 12. Jahrhundert erbaut wurde, bietet einen hervorragenden Blick über den Nationalpark Unteres Odertal.

Criewen

Das hübsche historische Dorf Criewen bietet gleich mehrere Sehenswürdigkeiten im Nationalpark Unteres Odertal. In der weitläufigen Gutsanlage Criewen ist das Besucherzentrum Nationalparkhaus mit einer interaktiven Ausstellung zum Anfassen und Ausprobieren angesiedelt. Das Highlight der Ausstellung ist das große Oder-Aquarium. Außerdem gibt es zwei Filme zu sehen.

Schön ist in Criewen auch der als Gartendenkmal geschützte Lenné-Park, der sich an den Gutshof anschließt. Neben dem bescheidenen Schloss findet man darin ein historisches Kirchlein und eine Teichanlage mit mehreren besonderen Bäumen, wie etwa eine uralte Sumpfzypresse. Vom Schlosspark startet der kurze Quellerlebnispfad über einen Holzbohlensteg durch ein Wäldchen am Flussufer, der auch mit kleinen Kindern sehr schön ist. Auch weitere Wanderwege wie der knapp vier Kilometer lange Auenpfad und der 10 km lange Auenblicke-Rundweg beginnen hier.

Am südlichen Ortsrand von Criewen grasen Ziegen und Rehe in einem Gehege. Die erwarteten Wisente haben sich 2026 entweder gut versteckt oder waren woanders.

Schwedt

Schwedt ist die einzige Stadt am Nationalpark Unteres Odertal und bietet mehrere historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten. Als besonders bemerkenswert gelten der Berlischky Pavillon aus dem 18. Jahrhundert und das Jüdische Ritualbad. Spannend sind aber auch die historischen Tabakspeicher in der Gerberstraße und an der Lindenstraße. Die Altstadt dominiert die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt. Wer die Stadt am Nationalpark Unteres Odertal mit Kindern besucht, freut sich auch über das Erlebnisbad AquariUM und im Sommer über das Flussbad, das 1935 erstmals eröffnete. Am Fluss entlang führt die Promenade namens Bollwerk unter anderem auch am historischen Wasserturm vorbei.

Ausflugsziele in der Umgebung des Nationalparks

  • Angermünde hat einen historischen Marktplatz (mit Eiscafé).
  • Ganz in der Nähe ist das NaBu-Zentrum Blumberger Mühle einen Besuch wert.
  • Der Parsteinsee lädt im Sommer zum Baden ein.
  • Dort ist das Ökodorf Brodowin mit Hofladen und Hofcafé nicht weit (und von dort wiederum das berühmte Kloster Chorin).
  • Weitere Bademöglichkeiten gibt es am Wolletzsee.
  • Dort grenzt das Unesco Biosphärenreservat Buchenwald Grumsin direkt an.
  • Angeln kann man auch an vielen kleineren Seen.
  • Auch Ausflüge nach Polen, etwa nach Stettin und zum Stettiner Haff bieten sich an.

Oder ihr verbindet euren Besuch im Nationalpark Unteres Odertal mit Kindern gleich mit einem Familienurlaub in der Uckermark.

Vor Häusern mit roten und blauen Dächern fließt ein Fluss. Auf einem Hügel im Hintergrund, im malerischen Nationalpark Unteres Odertal, steht unter strahlend blauem Himmel ein runder, alter Steinturm, umgeben von Bäumen. Zwei Schwäne schwimmen anmutig auf dem Fluss.
Stolper Turm
Eine Museumsausstellung mit ausgestopften Tieren aus dem Nationalpark Unteres Odertal, darunter ein Globus auf einem Holztisch, große Wandkarten und detaillierte Schautafeln. Der Holzboden unterstreicht das Naturthema, während an der Rückwand informative Plakate und Bilder zum Park zu sehen sind.
Nationalparkzentrum Criewen
Ein bezauberndes rosa Fachwerkhaus mit blauen Fensterläden steht neben einem Backsteingebäude, umgeben von einem blühenden Garten unter einem teilweise bewölkten Himmel in der malerischen Region des Nationalparks Unteres Odertal.
Jüdisches Ritualbad Schwedt

Was kann man im Nationalpark Unteres Odertal machen?

Der Nationalpark Unteres Odertal lädt vor allem zum Wandern, zum Fahrrad fahren und zur Tier- und Vogelbeobachtung ein. Außerdem ist das Gebiet ein traumhaftes Revier für Paddler. Allerdings sind Ausflüge mit dem Kanu laut Nationalpark-Gesetz nur im Rahmen von geführten Touren erlaubt. Das dient zum einem dem Naturschutz, zum anderen sind die Wasserwege aber auch so unübersichtlich, dass man sich dort leicht verirren kann.

Tourismusverein, Verwaltung und Besucherzentrum des Brandenburger Nationalparks bieten mit ihren Partnern ein umfangreiches Programm an Veranstaltungen. So kann man etwa mit der Naturwacht auf botanische Führungen gehen. Einen Überblick über die Veranstaltungen bietet die jährlich erscheinende Broschüre des Nationalparks, die unter folgendem Link als Pdf-Download zur Verfügung steht: https://www.nationalpark-unteres-odertal.eu/wp-content/uploads/2020/12/vk_20221.pdf

Paddeln und Kanu-Wandern im Nationalpark Unteres Odertal

Geführte Kanutouren im Odertal starten inzwischen nur noch in Schwedt am Campingplatz StroamCamp. Auch von dort sind sie nur in der Zeit vom 15.7. bis 15.11. möglich. Vorher ist der Nationalpark wegen der Brutgebiete der Wasservögel gesperrt, und danach beginnt die Überflutung. Auch in diesem Zeitraum klappt es nicht immer. Wir haben sechs Jahre vom ersten Versuch bis zur Paddeltour gebraucht, weil sie erst wegen Corona und dann wegen Schweinegrippe ausfielen.

Angeboten werden eine 7 km lange Tour und eine 11 km lange Kanutour durch den Nationalpark. Wir haben die kürzere Tour gewählt. Mit Kanadiern fährt man zunächst auf der Hohensaaten-Friedrichstaler Wasserstraße und muss dann umtragen, damit man direkt im Nationalpark paddeln kann. Weiter geht es auf einem Fluss, der sich mal zu einem Teich weitet und dann wieder zu einem Bächlein verengt.

Die Wasserwege vereinen eine unfassbare Vielfalt an Sumpf- und Wasserpflanzen, darunter auch Teichrosen und Seerosen. Oft hängt am Paddel ein halber Wassergarten, wenn man es wieder herauszieht und manchmal sieht es aus, als würden wir durch Wiese paddeln, so dicht ist der Bewuchs. Mitunter müssen wir Ästen oder ganzen Baumstämmen ausweichen, die im Wasser querliegen. Aus dem Schilf am Ufer fliegen immer wieder Graureiher, Schwalben und andere Vögel auf. Auch den roten Milan sehen wir kreisen. Zwischendurch stehen Rinder direkt am Ufer.

Nach etwa zwei Drittel der Kanutour im Nationalpark Unteres Odertal machen wir eine Picknickpause auf einer Insel. Wenig später unterqueren wir die Brücke, die Schwedt mit Polen verbindet und folgen dem Kanal entlang der Straße zurück zur HoFriWa. Noch einmal müssen wir umtragen, dieses Mal etwas weiter, um auf der Wasserstraße zurück zum Ausgangspunkt zu kommen. Auf der HiFriWa darf man übrigens auch ohne Begleitung auf eigene Faust paddeln - aber nur da.

Blick aus einem Kanu, das durch einen schmalen, von Pflanzen gesäumten Wasserlauf im Nationalpark Unteres Odertal gleitet, umgeben von hohem Gras unter bewölktem Himmel.
Im Nationalpark Unteres Odertal paddeln Menschen mit Kanus durch einen ruhigen, pflanzenreichen Wasserlauf, der von hohem Schilf umgeben ist, unter einem teilweise bewölkten Himmel. Die Szene vermittelt den Eindruck von Abenteuern in der freien Natur und Naturerkundung.

Wo kann man im Nationalpark Unteres Odertal wandern?

Wanderwege verschiedener Längen starten unter anderem in Criewen (siehe dort). Außerdem können wir euch folgende Touren aus eigener Erfahrung empfehlen.

Von Lunow an die Oder durch Bibergelände und Rinderweiden

Eigentlich wollten wir durch den südlichsten Teil des Nationalparks wandern. Aber an dem Tag, den wir uns ausgesucht hatten, war es so stürmisch, dass wir nach einem kurzen Blick auf den Oderstrom auf direktem Weg zurück nach Lunow gegangen sind.

Unser Ausgangspunkt ist die Brücke an der Fischerstraße. Dort findet sich eine Infotafel über den Nationalpark. Wir nehmen den kürzesten Weg Richtung Osten zur Oder. Dieser Wanderweg führt zwischen mächtigen alten Weiden hindurch. Ihre langen Äste peitschen und knarzen im Sturm. So verweilen wir lieber nicht länger in ihrer Nähe, um das Bibergelände am Wegrand zu studieren. Weiter vom Hauptstrom der Oder entfernt sehen wir in der Ferne Rinder.

Unser kurzer Spaziergang von etwa 3 Kilometer Länge war trotz des widrigen Wetters erlebnisreich. Der Sturm hat uns bei dieser kleinen Kennenlern-Tour direkt einen Eindruck von der Wildnis und der Macht der Elemente im Nationalpark Unteres Odertal vermittelt. Der Wanderweg ist im übrigen auch für Kinderwagen oder als Radweg geeignet.

Weiden im Nationalpark Unteres Odertal

Im Nationalpark Unteres Odertal Wandern auf dem Burgwall von Stolzenhagen

Ein starker Kontrast zu dieser Tour ist die Wanderung auf dem Burgwall von Stolzenhagen. Dabei bewegen wir uns am Hang auf der Westseite der Oderniederung und erleben die Waldlandschaft des Auen-Nationalparks.

Das Wohnmobil parken wir auf dem großen Parkplatz am Ortseingang von Stolzenhagen an der Lüdersdorfer Straße und gehen geradeaus in den Ort hinein. An der Ecke Weinbergstraße / Burgwall folgen wir dem Burgwall. Die Straße geht bald in einen Weg über, der am Steilhang nach links abbiegt.

Über einen schmalen Pfad gehen wir weiter durch den dichten, wildwüchsigen Wald am Steilhang entlang. Nur an einer Ecke gibt er den Blick auf das Odertal frei. Dort steht eine große Bank zum Relaxen. Wieder biegt der Pfad scharf nach links ab. Bei der nächsten Gelegenheit nehmen wir einen schmalen Trampelpfad den Hang hinab in den unteren Ortsteil.

Wir folgen der Straße Kietz zum idyllisch gelegenen Campingplatz. Von dort nehmen wir die Ernst-Thälmann-Straße an der Dorfkirche vorbei zum Geologischen Garten, und kommen nach knapp 4 Kilometern in einem weiten Bogen zum Ausgangspunkt zurück.

Nationalpark Unteres Odertal - Wanderweg
Nationalpark Unteres Odertal -Stolzenhagen Ausblick

Fahrradfahren im Nationalpark Unteres Odertal

So sehr ich das Wandern liebe, so gern habe ich den Nationalpark Unteres Odertal mit dem Fahrrad erkundet. Kaum Steigungen und endlose autofreie Radwege, die an vielen Stellen abgekürzt werden können: Das sind ideale Voraussetzungen für eine Fahrradtour mit Kindern.

Durch den gesamten Park zieht sich der Fernradweg Oder-Neiße-Radweg. Oft läuft er direkt an der Oder oder an der HoFriWa auf den Deichen entlang und bietet herrliche Ausblicke auf die Auenlandschaft. Folgende Radtouren am oder im Nationalpark kann ich aus eigener Erfahrung mit Kindern empfehlen.

Mit dem Fahrrad durch den Nationalpark von Stolzenhagen zum Beobachtungsturm Stützkow

Unsere Fahrradtour von Stolzenhagen zum Aussichtsturm Stützkow ist etwa 18 Kilometer lang und damit auch für Anfänger zu schaffen (wenn kein Gegenwind bläst). Wir folgen auf dem Hinweg von Stolzenhagen der Alten Oder am Westrand des Odertales nordwärts. Auf den weiten Wildwiesen rechterhand sehen wir immer wieder große Vögel – vor allem Schwäne und Gänse.

Lnks taucht bald der markante Stolper Turm auf. Danach folgen die landschaftlichen Highlights der Radtour. Mitten durch die Polder fahren wir an ausgedehnten Teichen vorbei, die von zahlreichen Schilfinseln unterbrochen sind.

Als der Fahrradweg sich von der Wasserstraße trennt, ändert sich die Landschaft abrupt. In einem Kiefernwald machen wir Picknick auf großen Steinblöcken. Anschließend durchqueren wir eine trockene Heidefläche. Schon von weitem sehen wir den Beobachtungsturm Stützkow. Dort oben staunen wir über den schier endlosen Blick auf die Oder und die Oderauen.

Auf dem Rückweg folgen wir dem Oder-Neiße-Radweg, der direkt am Hauptstrom der Oder entlang führt. Nur selten ist der Fluss selbst zu sehen, denn sein Ufer ist von einem dichten Schilfgürtel umgeben. Immer wieder ragen Schotter-Dämme mitten in den Fluss hinein, die gern von Anglern genutzt werden. Ein Oderdampfer zieht vorbei und erinnert daran, dass der Strom nicht nur ein Naturidyll, sondern auch ein wichtiger Wasserweg ist. Der Abzweig nach Stolzenhagen ist schließlich ausgeschildert.

Nationalpark Unteres Odertal Fahrrad fahren

Oderdampfer im Schilf

Fahrradtour zwischen Criewen und Schwedt

Diese rund 15 km lange Tour führt auf dem Oder-Neiße-Radweg von Schwedt nach Criewen und durch die uckermärkischen Dörfer zurück. Wir überqueren zunächst die große Autobrücke von Schwedt nach Polen und biegen direkt danach rechts auf den Oder-Neiße-Radweg ein. Aussichtsreich geht es auf dem Deich an der HoFriWa entlang vorbei an einem historischen Stauwehr und mehreren Fußgänger- und Radfahrerbrücken.

Criewen ist ausgeschildert und über eine Brücke und eine sehr holprige Kopfsteinpflastergasse schnell erreicht. Ihr fallt praktisch automatisch in Anitas Eisstube, die neben leckerem Eis auch Kaffee und Kuchen serviert. Das Nationalparkhaus befindet sich gegenüber. Daran vorbei durchfahren wir den Lenné-Park und kommen am Grünen Weg raus, dem wir nach rechts über die Criewener Hauptstraße hinweg folgen.

Immer geradeaus geht es weiter nach Zutzen, wo wir rechts abbiegen. Am Wegrand können wir Imkerhonig kaufen. Dann überqueren wir die Brücke, um das letzte Wegstück wieder auf dem Oder-Neiße-Radweg zurückzulegen. Am Stauwehr überqueren wir wieder die Brücke. Ein kurzes Stück Hauptstraße und die Uferpromenade Bollwerk bringen uns in die Innenstadt von Schwedt.

Diese Fahrradtour im Nationalpark Unteres Odertal habe ich (ab dem Wasserwehr) bei Komoot* aufgezeichnet.

Ein Radweg verläuft entlang eines Kanals. In der Ferne ist eine hölzerne Brücke zu sehen. Unter einem Baum steht ein Fahrrad neben einer Informationstafel. Der Himmel ist blau mit Wölkchen.
Ein historisches Backsteingebäude mit Bogenfenstern steht am Ufer eines ruhigen Flusses unter einem teilweise bewölkten Himmel im Herzen des Nationalparks Unteres Odertal. Üppig grüne Bäume und Gras umgeben das Gelände, und auf dem Gebäude ist die Jahreszahl 1907 zu sehen.

Fahrradtour vom Odertal nach Brodowin

Diese Fahrradtour grenzt zwar an den Nationalpark Unteres Odertal an, führt aber durch eine andere geschützte Landschaft mit komplett anderem Charakter. Nur wenige Kilometer vom Nationalpark entfernt beginnt das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Der Ort Parstein liegt quasi auf der Grenze zwischen den beiden Schutzgebieten – am gleichnamigen See.

Wir biegen am südlichen Ortsausgang von Parstein mit den Fahrrädern nach rechts Richtung Campingplatz* ein und folgen der Straße am Seeufer entlang. Weil hier die Kröten wandern, ist die Straße für den Autoverkehr zeitweise gesperrt. Wir haben sie praktisch für uns. Bald wird die Landschaft hügelig. Wir kommen wir durch das Dorf Pehlitz mit Bio-Dorfladen und großem Storchennest auf dem Dorfplatz.

Einen Stopp legen wir am Kleinen Rummelsberg ein. Der Blick über die Seenlandschaft rundum ist den Aufstieg über Holztreppen wert. Außerdem erzählen Infotafeln Wissenswertes über das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin.

Bis nach Brodowin ist es nun nicht mehr weit. Der Ort ist allen Berlinern ein Begriff, die sich auch nur gelegentlich mit Biokost ernähren. Denn das ganze Dorf nennt sich Ökodorf Brodowin. Unter Coronabedingungen hat sich mir nicht ganz erschlossen warum. Zum lohnenden Ziel wurde er für uns aber durch den Einkauf im Hofladen und das anschließende Picknick mit frischem Latte Macchiato und leckerem Kuchen.

Storch in der Schorfheide

Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin - Kleiner Rummelsberg bei Brodowin

Nationalpark Unteres Odertal: Unterkunft

Ihr findet den Nationalpark Unteres Odertal spannend und sucht nun eine Unterkunft. Aus eigener Anschauung kann ich euch zwei Campingplätze und ein Hotel empfehlen. Der Campingplatz am Parsteiner See hat zwar viele Dauercamper, ist sehr einfach ausgestattet und mitunter grenzwertig gut besucht, aber er liegt direkt am See. Das öffentliche Strandbad ist gleich nebenan. Bei camping.info* könnt ihr euer Buchungsglück probieren.

In Schwedt ist das StroamCamp nicht nur Ausgangspunkt der Paddeltour sondern auch eine gute Übernachtungsadresse für alle, die mit Camper, Wohnwagen oder Zelt unterwegs sind. Wer all das nicht hat, findet im StroamCamp auch Campingfässer zum Übernachten. Die Stellflächen sind zwar eher klein, der Empfang aber superfreundlich und die Ausstattung inklusive sehr sauberer Sanitärs wirklich toll. Man kann eine Sauna mieten, es gibt ein (Frühstücks-)Restaurant, und wer will, schaut direkt vom Wohnmobil-Bett aus aufs Wasser. Bei camping.info* könnt ihr den Platz direkt buchen. Wer ein Familienzimmer im Hotel bevorzugt, findet auch das im StroamCamp (bei booking.com ansehen*).

Einen tollen Eindruck hat das Hotel AltstadtQuartier im Zentrum von Schwedt auf mich gemacht. Ich habe dort zwar nicht übrenachtet, war aber schon von der Einrichtung des dazu gehörigen (sehr leckeren!) Brauerei-Restaurants BrauWerk recht angetan. Bei booking.com* bekommt ihr einen Eindruck.

Blick aus dem Heck eines Wohnmobils mit geöffneten Türen, der grünes Gras, Bäume und in der Ferne einen See im Nationalpark Unteres Odertal zeigt. Im Inneren des Wohnmobils ist ein Teil einer roten Decke zu sehen.
Auf dem Campingplatz StroamCamp in Schwedt
Vor einem blauen Wohnmobil im Nationalpark Unteres Odertal brennt ein Lagerfeuer; auf dem Rasen stehen zwei Klappstühle und ein kleiner Tisch, was eine gemütliche Atmosphäre im Freien schafft.
In unserem Garten

Nationalpark Unteres Odertal

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Angela unterwegs mit Kind

Ich heiße Angela und bin, so oft es geht, unterwegs mit Kind. Außer Reisebloggerin bin ich alleinerziehende Jungs-Mama, Journalistin, Fotografin, Wahlberlinerin, Radfahrerin, Roadtripperin und Wandervogel. Ich liebe Aktivitäten draußen, Reisen und die Natur in ihrer ganzen Vielfalt. Mehr über mich erfahrt ihr hier.

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4 Kommentare

  1. Liebe Angela, superschön, dein Artikel weckt Erinnerungen. Wir waren vergangene Spätsommer ein paar Tage im Nationalpark und denken noch gerne an diese Idylle zurück. Wir standen mit unserem Bus auf dem kleinen Womo-Stellplatz in Stolzenhagen direkt hinterm Deich. Allabendlich zum Sonnenuntergang flogen die Wildgänse in Megaformationen ein. Kitschig, aber magisch. Danke fürs Erinnertwerden! Viele Grüße von Gabi und Michael

    • Auf den Stellplatz will ich auch unbedingt mal! Na, wir haben da ja auch noch was vor …
      Liebe Grüße
      Angela

  2. Quietsch! Die Straußenbabies sind ja süß. Brandenburg geht immer, ist für uns nur leider viel zu weit weg. Daher freue ich mich umso mehr, dass wir nächste Woche nach Jahren mal wieder, jobtechnisch dorthin reisen werden. Im Odertal war ich jedenfalls auch noch nie. Kommt direkt auf die To-See-Liste. GlG, Nadine

  3. Liebe Angela,
    das sieht alles sehr idyllisch aus und die Straußen sind ja wirklich niedlich und etwas Besonderes, was man nicht an jeder Ecke zu sehen bekommt.

    Liebe Grüße aus dem Münsterland,
    Sina