Krass, modern und fotogen: Streetart begeistert auch Teenager. Das Urban Nation Museum Berlin öffnet Familien einen anderen Zugang zur urbanen Kunst. Wir haben den kostenlosen Museumsbesuch mit einem Spaziergang entlang der Streetart Meile Bülowstraße verbunden und nehmen euch mit zu Murals, Graffitis, Paste-up- und Stencil-Art.
Urban Nation Museum Berlin und Bülowstraße mit Teenager
Teenager-Eltern haben es manchmal schwer, ihre 13-17-Jährigen zu einem Familienausflug zu motivieren. Meinem Vorschlag, das Streetart Museum Berlin zu besuchen, hat der Junior so schnell zugestimmt wie im ganzen letzten Jahr keiner anderen Ausflugsidee. Ich musste meinem Teenager keinen Museumsbesuch und keinen Spaziergang schmackhaft machen. Und doch haben wir beides gemacht. Also nichts wie los! Ich nehme euch mit in das Urban Nation Berlin und zu einem kurzen Streetart-Spaziergang in der Umgebung.

Streetart in Berlin: Wie kam sie ins Museum?
Das Urban Nation Berlin geht auf eine Initiative der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag zurück und hat den Anspruch, den kreativen Austausch zwischen Kunstschaffenden und Bevölkerung zu fördern, wie es auf der Homepage heißt. Es versteht sich nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als Nachbarschaftsprojekt und soll einen problematischen Kiez in Berlin-Schöneberg aufwerten. Der Eintritt ist kostenlos.
Seit 2017 setzt das Urban Nation Museum in der Bülowstraße einen Kontrapunkt zu Straßenstrich und Drogenszene. Am Sonntagnachmittag bekommt man dieses Gesicht des Kiezes in der unmittelbaren Umgebung des Museums nicht zu sehen. Anders mag es gegen Abend aussehen.
Die Initiative für das Streetart Museum Berlin – manche nennen es auch Berlin Graffity Museum – gibt es schon seit 2013. Bevor es eröffnet wurde, haben die Initiatoren Kunstschaffende aus aller Welt eingeladen, Murals an verschiedenen Orten Berlins zu gestalten. Diese sogenannten One Walls verteilen sich über die ganze Stadt. Einige sind aber auch rund um das Museum in der Bülowstraße zu finden. Und es entstehen immer noch neue One Walls.

Urban Nation Berlin: Öffnungszeiten, Eintrittspreise und alle wichtigen Infos
Das Museum teilt sich in ein Haupthaus und einen Projektraum schräg gegenüber:
Haupthaus
- Adresse: Bülowstraße 7, 10783 Berlin
- Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch 10–18 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 12–20 Uhr, Montag geschlossen
Urban Nation Project Space:
- Adresse: Bülowstraße 97, 10783 Berlin
- Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch 11–18 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 13–20 Uhr, Montag geschlossen
Der Eintritt ist kostenlos. Spenden werden aber gern gesehen – entweder in der Spendenbox am Tresen oder per Spendenautomat.
Tipp: In einem anderen Beitrag zeige ich euch, was ihr außerdem in Berlin kostenlos oder sehr günstig erleben könnt.
Was gibt es im Streetart Museum Berlin zu sehen?
Das Haupthaus zeigt wechselnde Ausstellungen mit Streetart, Graffiti und Urban Contemporary Art. Auch die Fassade des Museums wird regelmäßig neugestaltet.
Die aktuelle Ausstellung „Love Letters to the City“ (Stand: September 2026) im Streetart Museum Berlin umfasst Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler. Namensgebend war das Projekt Love Letters von HA Schult, das in der Ausstellung fotografisch dokumentiert ist. Zu sehen sind unter anderem auch Werke von Vhils, Mare139, Pixel Pancho, Zhang Dali und Blek le Rat. Alle Techniken und Formen von Urban Art sind vertreten.
Die Graffiti-Ausstellung Berlin verteilt sich über zwei Etagen, wobei die Treppen selbst künstlerisch gestaltet sind. Die offene Architektur des Museums lässt Platz für großformatige Streetart-Werke, die von unten und von oben betrachtet werden können. Im Innenhof sind weitere Kunstwerke zu sehen.
Der Urban Nation Project Space umfasst nur einen großen Raum, der als Urban Art Museum funktioniert. Dort war im September 2026 die Streetart-Ausstellung The Urban Skin mit Werken von Pietro Ruffo und Jan Bauer zu sehen.


Was bietet das Urban Nation Museum noch?
- Mediaguide: Scannt am Eingang den Barcode und erhaltet zusätzliche Bilder, Videos, Audios und ein Quiz auf dem Handy.
- Workshops: Sonntags finden oft Workshops statt, bei denen Graffiti- und Streetart-Schaffende ihre Techniken vermitteln. Es geht zum Beispiel um Graffiti, Stencils, Tape Art, Calligraffiti, Sticker, Collage oder Siebdruck. Als wir dort waren, lief gerade ein Taping-Workshop mit dem Künstlerduo Ennicolor. Das Beste: Die zweistündigen Workshops könnt ihr kostenlos und ohne Anmeldung besuchen.
- Führungen: Gelegentlich gibt es Streetart-Führungen durch den Bülow-Kiez. Auch diese Führungen sind kostenlos. Anmelden kann man sich nur am Veranstaltungstag.
- Graffiti-Kurse: Es gibt auch Ferienprogramme mit 3- bis 5-tägigen Workshops, etwa einen Crashkurs Graffiti für Anfänger.
- Graffiti-Bibliothek: Der US-amerikanischen Fotografin Martha Cooper hat das Urban Nation Berlin eine Bibliothek gewidmet. Cooper dokumentierte seit den 1970er-Jahren die New Yorker Graffiti-, Hip Hop- und Urban Art-Szene und machte damit eine Kultur sichtbar, die lange nicht als Kunst anerkannt wurde. Die Bibliothek ist ebenfalls spezialisiert auf Urban Art, Streetart und Graffiti. Wer hinein will, muss sich vorher anmelden: https://urban-nation.com/de/ueber-uns/martha-cooper-library/
- Toilette: Klar gibt es in einem Museum eine Toilette. Die im Urban Art Museum Berlin ist aber selbst ein Kunstwerk – beklebt mit Stickern von oben bis unten.
- Shop: Am Tresen am Eingang werden T-Shirts, Postkarten und Poster verkauft. Für kreative Familien gibt es auch Straßenpanoramen zum Ausmalen.

Jetzt geht es raus: Streetart rund um das Berlin Graffiti Museum
Rund um das Urban Art Museum Berlin könnt Ihr mehrere interessante Arbeiten zu Fuß entdecken. Es reicht schon ein kleiner Spaziergang an der Bülowstraße. Hier eine kleine Auswahl an Streetart Spots in der Bülowstraße:
Bülowstraße 101
Direkt gegenüber des Museums ist ein ganzes Haus bunt gestaltet. Entworfen hat das abstrakte Mural Roberto Riva Deneira, gemalt hat es der Ecuadorianer Urku (ggü Museum)
Tipp: Schaut euch auf dem Weg zur anderen Straßenseite die Bögen der Hochbahn genauer an. Dort sind ein paar sehr hübsche kleine Paste-Ups, Stencils und Graffitis versteckt.

Bülowstraße 97
Die Hauswand des Gebäudes, das den Urban Nation Projektraum beherbergt, hat der Berliner Künstler Mate mit floralen Mustern gestaltet.
Tipp: Auch die kleine Kunstgalerie deerBLNstudio in der Bülowstraße 96 lohnt einen Besuch. Der Künstler Christian Rothenhagen erschafft und zeigt hier seine Werke. Die roten Rehe sprechen auch kleinere Kinder an.

Bülowstraße 94-95/Frobenstraße („Omabunker“)
Mit dem „Omabunker“ hat es eine spezielle Bewandnis. Das ehemals marode Gewobag-Wohnhaus an der Frobenstraße diente lange Zeit Drogenabhängigen als Unterschlupf. Die Bewohnerinnen und Bewohner hatten nichts zu lachen. Im Rahmen der Urban Nation Museum Initiative wurde das Haus zum Streetart-Hotspot in Schöneberg. Mehrere Künstler haben Teile der Fassade bearbeitet.
Doch seit 2024 gehen die alten Damen – in dem Haus wohnen überwiegend Frauen über 60 Jahre – selbst mit Streetart auf die Barrikaden. Ihre selbstbewussten Konterfeis sind nun auf großformatigen Fotografien zu sehen, die als Paste-Up unter dem Titel „Wir sind jetzt“ praktisch das gesamte Parterre in der Frobenstraße von außen verkleiden. Entstanden ist diese Community Wall in Zusammenarbeit mit dem Künstler Carsten Nickol mit Unterstützung durch das Streetart Museum.
An einer schmalen Seitenwand des Omabunkers in der Bülowstraße ist zudem ein wandfüllendes blaues Ornament von Zezao zu sehen. Die Säulen der Bülowstraße 95 hat der brasilianische Streetart-Künstler Cranio mit blauen Comicfiguren versehen.

Bülowstraße 11/Minimalistix
Zwei völlig unterschiedliche und doch zusammengehörige Murals mit wandfüllenden langgestreckten Menschenfiguren haben Deih XLF und David de la Mano an dieser Nordfassade hinterlassen.
Unten im Haus betreibt Cengis Tatar neben seinem Laden für Fan- und Geschenkartikel seit 2022 das Streetart-Galerie-Café Minimalistix. Ein Hingucker sind schon die Stehtische auf Beinen von Schaufensterpuppen, aber auch die „Reserved for Banksy“-Schilder.
Tatar selbst macht vor allem Stencil-Art im Banksy-Stil. Seinen Laden und die Außenwände in der benachbarten Hofeinfahrt stellt er aber auch anderen Streetart-Künstlerinnen und -Künstlern zur Verfügung. Einer der bekanntesten ist Romanesco One. Er hat sich mit einem Tintenfisch auf einer Wand im Hinterhof nebenan verewigt und mehrere Werke zu Tatars Streetart- und Graffiti-Ausstellung im Laden beigesteuert, die möglicherweise auch einen echten Banksy umfasst.
Die Werke in der Einfahrt kann man jederzeit sehen, doch der Laden und der Hinterhof sind nicht immer geöffnet. Viele der Werke in Minimalistixs Ausstellung sind als Fotodrucke auf Leinwand zu erwerben.


Bülowstraße 12/13
Die Garageneinfahrt hat die Berliner Innenarchitektin und Streetartistin wanitapagihari mit Unterstützung des Streetart Museum Berlin gestaltet.

Noch mehr Streetart, Graffiti und Urban Art in Berlin
- Etwa 500 Meter vom Urban Nation Berlin entfernt haben am Häuserblock Bülowstraße 30–35 verschiedene Künstlerinnen und Künstler große One Walls für das Streetart Museum Berlin gestaltet (Fotos unten).
- An einer Brandwand an der Ecke Alvenslebenstraße/Potsdamer Straße hat der portugiesische Künstler Vhils mit Bohrer, Hammer und Meißel eines seiner beeindruckenden überdimensionalen Porträts hinterlassen.
- Zu einem etwas weiteren Streetart-Spaziergang in Berlin-Schöneberg im Blog hierdadort.de nehmen euch Gabi und Michael mit.
- Bei einem Stadtspaziergang durch das nordwestliche Berlin-Kreuzberg haben wir Parkbesuch und Streetart-Tour kombiniert. Ihr findet die Tour im Beitrag über Wandern in Berlin.
- Das Urban Nation Museum bietet auf seiner Homepage eine Karte, die Murals in ganz Berlin verzeichnet: https://urban-nation.com/de/art-map/
- Geführte Streetart Touren gibt es bei GetYourGuide*


Kleines Glossar: Techniken und Formen von Streetart
Murals: Großflächige, oft hochkünstlerische Wandgemälde, die heutzutage häufig auch legal im Auftrag entstehen.
Stencil-Art: Vor dem Sprayen werden Schablonen erstellt. Das ermöglicht ein schnelles, präzises Aufbringen von komplexen Motiven.
Paste-ups und Sticker: Vorgefertigte Plakate oder Aufkleber werden an die Wand geklebt. Teilweise werden auch mehrere Elemente kombiniert. Auch Tape Art (aus Klebeband) wird häufig in dieser Form an die Wand gebracht.
3D-Streetart/Urban Sculpture: Objekte werden an die Wand geklebt. Das können einfache Formen, ganze Skulpturen oder aus vielen Einzelelementen zusammengesetzte Mosaike sein.


Fazit zum Urban Nation Museum mit Teenager
Ein Besuch im Urban Nation Museum ist gut geeignet als kurzweiliger und anregender Familienausflug mit Teenager. Da viele Werke auch einen gesellschaftskritischen oder politischen Bezug haben, ist auch für Gesprächsstoff gesorgt. Die Fülle an Streetart-Werken in der Umgebung hat uns am Ende überfordert. Nach rund 1,5 Stunden waren wir einfach nicht mehr aufnahmefähig. Mit einer Kaffeepause könnte man einen Street-Art-Walk in Berlin-Schöneberg sicher noch weiter fortsetzen.












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