Pech und Pannen auf der Panamericana

Wenn ich bisher von unserer viermonatigen Langzeitreise durch die drei Amerikas berichtet habe, standen (fast) immer die schönen Seiten des Reisens im Vordergrund. Doch jede Reise hat auch Schattenseiten. Denn auch unterwegsmitkind ist nicht gefeit gegen Pech und Pannen und gegen die eigene Dummheit. Trotzdem hatten wir jede Menge Spaß auf unserer Single mit Kind-Langzeitreise durch Amerika. Und spätestens im Nachhinein lachen wir auch über unsere Pannen.

Sabine von geckofootsteps hat zur Blogparade aufgerufen und sammelt Reisepannen rund um den Globus. Weil ich derzeit sowieso gerne überlege, wo ich denn heute vor einem Jahr gerade mit meinem damals fünfjährigen Sohn war, fasse ich hier mal in einer Art Tagebuch die Reisepannen auf der Panamericana mit Kind zusammen, was uns in vier Monaten unterwegs durch Ecuador, Panama, Costa Rica und die USA so alles Dummes passiert ist – und wie wir aus der Patsche wieder rauskamen.

Ecuador, 2. Januar: Brillenklau

Im öffentlichen Bus von Quito zu den Papallactas-Thermen werden mir beide Brillen geklaut. Ich bin auf den dreistesten Trick überhaupt hereingefallen. Davor hätte mich auch mein Reiseführer gewarnt, hätte ich ihn denn mal vor der Reise gelesen ;-). Ein vermeintlicher Platzanweiser wollte sich um mein Handgepäck kümmern. Die Handtasche behielt ich unter Kontrolle. Doch die Brillen waren im Rucksack unter dem Sitz – und nach der Fahrt verschwunden. Die erste gute Marken-Sonnenbrille, die ich mir je gekauft hatte, ersetze ich schnell wieder durch ein Billigexemplar. Eine neue Brille gegen meine Kurzsichtigkeit bekomme ich erst eine Woche später in Cuenca. So lange muss es mit Kontaktlinsen gehen.

Papallactas Thermen Ecuador mit Kind Tagesausflug Quito

Die Thermen von Papallactas in Ecuador sind ein lohnenswerter Tagesausflug von Quito mit Kindern.

Ecuador, 19. Januar: Bänderzerrung

Für einige Minuten bange ich, ob unsere viermonatige Tour ein verfrühtes Ende findet. Ich habe eine Treppenstufe zu einem Café im Touristenzentrum Baños übersehen, bin hinuntergeglitten und habe mir dabei den linken Fuß übelst verstaucht. Eigentlich kann ich gar nicht auftreten, aber auf der Treppenstufe im Eingang sitzen bleiben kann ich auch nicht. Ich schleppe mich zu einem Stuhl. Eine halbe Stunde lang gebe ich dem Fuß Ruhe, dann beiße ich die Zähne zusammen. Der Knöchel ist dick und am nächsten Tag kunterbunt – vielleicht doch etwas gebrochen? Das örtliche Krankenhaus hat kein Röntgengerät. Doch der Apotheker spricht deutsch. Mit Bandage und Schmerzsalbe geht’s drei Tage später auf zum Wandern am Cotopaxi.

Geier im Zoo von Baños Ecuador

Beim Anblick dieses Geiers im Zoo von Baños zwickt es mir im linken Fussgelenk 😉

Ecuador, 29. Januar: Fehlende Dokumente

Die Weiterreise nach Panama steht an. Dort erwarten uns Freunde aus Deutschland. Wer nach Panama einreisen will, muss nachweisen, wann, wo und wie er wieder ausreist, sonst darf er gar nicht erst rein. Das schreibt jeder Reiseführer. Das hatte mir auch die Beraterin im Reisebüro gesagt. Sage also keiner ich sei nicht gewarnt gewesen. Doch in der Masse der Reisevorbereitungen ging das unter. Wir haben ein Einreiseticket. Weil wir aber den Landweg nach Costa Rica für die Ausreise nehmen, haben wir kein Ausreiseticket. Das Ticket für den Weiterflug von Costa Rica in die USA gilt nicht als Ausreisenachweis.

Das ecuadorianische Flughafenpersonal telefoniert mit den panamaischen Einreisebehörden. Ich soll mir im Internet ein Busticket von Panama nach Costa Rica buchen, so die Anweisung. Mein WLAN funktioniert nicht und am Flughafen-Computer geht auch nichts.

Eine gute halbe Stunde vor Abflug komme ich unverrichteter Dinge mit flatternden Nerven zurück zum Check In Schalter. Ich bin den Tränen nahe und halte sie nicht zurück. Que hacer? Was soll ich denn noch tun? Schließlich lassen sich die Mitarbeiter der Fluggesellschaft erweichen und stellen mir ein Proforma-Weiterflugticket von Panama nach Costa Rica aus. Wenn ich bei der Einreise in Panama danach gefragt werde, muss ich die Buchung bestätigen und den Flugpreis von 400 Dollar zahlen. Das bleibt uns zum Glück erspart.

Einreiseformulare-Fernreisen-alleine-mit-Kindern

Einreisebestimmungen sollte man besser ernst nehmen.

Panama, 4. Februar: Alles ausgebucht

Ich fluche auf meine Panama Reiseführer. Weder Reise KnowHow noch Lonely Planet erwähnen an einer Stelle, dass an Karneval in Panama höchste Hochsaison herrscht. Wir haben nichts vorausgebucht und nun finden wir (2 Mamas, 2 Kinder) keine Unterkunft mehr im Bergort El Valle. Dieser Stopp fällt definitiv aus. Für die Buchung aller weiteren Unterkünfte in Panama vergeht eine gute Woche lang jeder Abend mit Internetrecherchen und tausenden Telefonaten. Viele vorher schon ausgespähte Hotels sind entweder dicht oder doppelt so teuer, wie sie vor drei Monaten waren. Das bleibt auch in Costa Rica so. Merke: Nächstes Mal unbedingt die kostenlosen Stornomöglichkeiten der Buchungsportale nutzen und Mittelamerika im Februar und März am besten mindestens ein Vierteljahr vorausbuchen!

SantaFe-Panama mit Kindern-Unterkünfte

In Santa Fe (Panama) finden wir ohne Vorausbuchung eine nette Unterkunft mit Recycling-Deko.

Panama, 19. Februar: Polizeikorruption

Polizeikontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte – Pech gehabt: Ausgerechnet heute liegen sie im Hotel. Das Hotel ist nur 200 Meter entfernt. Doch das Verlassen des Fahrzeugs ist angeblich Fahrerflucht. 80 Dollar Strafe oder der Mietwagen wird abgeschleppt. Das halten wir zwar für völlig an den Haaren herbeigezogen, aber dagegen machen können wir nichts. Die Kinder sind in heller Aufregung und erzählen bis heute von dieser Geschichte. Mehr

Panama Polizei Einreise

Diese netten Polizisten bewachen ein Hostel in Panama City – leider haben sie auch korrupte Kollegen.

Costa Rica, 2. März: Vergesslichkeit

Wir haben es geschafft: Wir stehen am frühen Morgen vor der Kraterlagune des Vulkan Poas. Noch sind weder Wolken noch Touristen da. Doch etwas anderes ist leider auch nicht da: Mein Fotoapparat und das Smartphone liegen in der Unterkunft. Ich kann also keine Bilder von diesem traumhaften Ort machen. Doch nachher ist das gar nicht so schlimm. Mehr

Mit Kind am Vulkan Poas - Costa Rica

Zum Glück hatten wir auf dem Weg zum Vulkan Poas in Costa Rica nette Begleitung – sonst gäbe es dieses Foto nicht.

Costa Rica, 11. März: Badeverbot

Nach einer ganzen Wanderwoche sind wir in einer komfortablen Unterkunft mit Pool an der knapp 40 Grad heißen Pazifikküste – und können nicht ins erfrischende Wasser. Denn der Sohn ist auf einem steinigen Weg beim Fangenspielen ausgerutscht und hat sich das Knie aufgeratscht, einmal quer drüber. Der rund fünf Zentimeter lange Schnitt verheilt in der feuchten Hitze extrem schlecht. Die Rezeption hat antibiotische Salbe. Am Ende baden wir doch noch. Mehr

Costa Rica Hacienda Baru Pool Badeverbot

Mit blutiger Wunde quer übers Knie ist Baden leider nicht drin.

Costa Rica, 15. März: Wasserrohrbruch

Sechs Uhr morgens in einem Hostel im Bergdorf San Gerardo de Rivas am Fuß von Costa Ricas höchstem Gipfel Cerro Chiripo. Alle schlafen noch. Ich bin seit einer halben Stunde wach und schon völlig fertig. Der Sohn musste auf die Toilette und wollte anschließend brav Händewaschen. Dabei ist das lange dünne Plastikrohr gebrochen, an dem der Wasserhahn befestigt war. Das Wasser schießt schneller heraus als es durch das kleine Waschbecken abfließen kann. Ein Sicherheitshahn ist nirgends zu finden. Das Wasser breitet sich langsam aus. Obwohl ich emsig mit Handtüchern wische und sie in die Dusche auswinde, fließt das Wasser schon in den Schlafsaal gegenüber. Gegen 7 Uhr kommt der kanadische Hostelbesitzer. Er kennt das Versteck für den Sicherheitshahn – ist aber den ganzen Tag beschäftigt, um den Wasserhahn wieder in Gang zu setzen.

Hostel San Gerardo da Rivas Costa Rica

Cooles Zimmer, oder? Nur die Badarmaturen in dem Hostel waren etwas empfindlich.

USA, 27. März: Technikpanne

Ich kriege einfach keine funktionierende Sim-Karte für mein iPhone (hat jemand Tricks fürs nächste Mal USA?). Was in Ecuador, Panama und Costa Rica ein Kinderspiel war, funktioniert in den USA einfach nicht. Schon drei Karten musste ich wieder zurückgeben. Schließlich kaufe ich in Williams, südlich des Grand Canyon, ein ganzes Handy mit Prepaidkarte. Doch auch das lässt sich nur in Betrieb nehmen, wenn man den telefonischen Anweisungen aus dem Callcenter folgt … Zum Glück lernen wir auf dem Campingplatz eine nette deutsch-amerikanische Familie aus Albuquerque kennen. Danke für eure Hilfe, Leute!

USA, 4. April: Versandet

Ich habe das Wohnmobil in den Sand der Mojave-Wüste gesetzt. Auch hier kann ich nur ganz laut DANKE rufen! Mehr

Mojave Kelso Dunes USA Wohnmobil Stellplatz

Schild übersehen am Wohnmobil-Stellplatz an den Kelso Dunes (USA)

USA, 19. bis 25. April: Missbehaviour

Die letzte Panne hat am längsten gedauert und ist mir bis heute peinlich. Und ein drittes DANKE, diesmal für die schier endlose Geduld, verbunden mit einem dicken SORRY: Wir sind wie geplant am Ende unserer Reise beim besten Freund des Sohnes und seiner Familie in Kalifornien angekommen. Die beiden wiedervereinigten Jungs fühlen sich unbesiegbar und spielen „Wir gegen den Rest der Welt“ – sehr zum Leidwesen aller anderen Beteiligten.

2wirklichwildeKerle Disneyland USA

Unbesiegbar? Unausstehlich. Aber einfach zuckersüß – die zwei Helden in Disneyworld

Bei dieser Aufzählung kriege ich schon fast den Eindruck, dass wir in den vier Monaten Amerika kein Fettnäpfchen ausgelassen haben. Fast jede Woche ist irgendein Missgeschick passiert. Nicht selten war ich selbst dafür verantwortlich. Doch (fast) keines dieser Erlebnisse hat meine Stimmung ernsthaft runtergezogen. So pechresistent bin ich zuhause wahrscheinlich nicht. Ich glaube, Reisen macht einfach glücklich, und wer glücklich reist, kann auch Pech ab. Wir haben zwar einiges Lehrgeld bezahlt, aber wir haben auch ganz viel tolles Neues kennengelernt. Das wars allemal wert. Und mal ehrlich: Shit happens, egal ob unterwegs oder zuhause.

0 Kommentare

  1. Hallo Angela,
    vielen Dank für Deinen Beitrag zu meiner Blogparade und Deine Anekdoten zu Eurer Reise 🙂

    Viele Grüße,
    Sabine

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