Kaffee und Korruption in Panama

Der bekannteste Ort in der Provinz Chiriqui im Westen von Panama ist Boquete. Bei unserer spontan geplanten Mietwagen-Rundreise mit Kindern sind wir dort nicht mehr untergekommen und ausgewichen auf den Nachbarort Volcan, der deutlich weniger bekannt ist. Das macht den Reiz aus, birgt aber auch Risiken, wie wir erleben mussten.

Es stürmt. „Mama, hier gibt es Gespenster“, sagt der Sohn ernst, als wir nach dem Abendessen im Dunkeln in unser Hotelzimmer in Volcan zurückkommen. Tatsächlich heult der Wind schlimmer als hundert Gespenster. Die Vorhänge bewegen sich scheinbar von selbst. Das geht schon so, seit wir nach einer langen Fahrt vom pazifischen Surfspot Santa Catalina im Gebirge von Panamas westlichster Provinz Chiriqui angekommen sind. Von tropischer Hitze ist nichts mehr zu spüren. Die Brise am Fuß des 3570 Meter hohen Vulkan Baru weht so frisch, dass wir abends nach zwei kurzärmligen Wochen in Shorts und Kleidchen gern Jacken und lange Hosen auspacken. Nachts schlafen wir dafür so gut wie lange nicht. Sturm und Gespenster hin oder her.

Klima und Menschen in Chiriqui: freundlich

Seit wir Panama City Richtung Westen verlassen haben, wurde das Land immer schöner und die Leute immer freundlicher. In Volcan ist in jeder Hinsicht ein Höhepunkt erreicht. Im Dorf und auf der Kaffeeplantage der Janson-Familie begegnen uns nur freundlich lächelnde Gesichter – bis auf eines. Doch davon später.

Auch indigene Familien winken uns liebenswürdig zu. Die Ngöbe im Westen des Landes pflegen offenbar eine ganz andere Kultur als die Kuna auf den San Blas Inseln. Auf unsere ortsunkundigen Fragen erhalten wir jederzeit bereitwillige Auskünfte. Die Janson Coffee Farm  ist aber so gut ausgeschildert, dass wir sie auch ohne Fragen finden.

Kaffee Kindern erklärt

Panama-Rundreise mit Kindern. Kaffeeplantagen in Chiriqui

Wie wird Kaffee hergestellt? In Volcan in Panamas westlichster Provinz Chiriqui lernen Kinder das praktisch.

Emily Janson weiht uns in die Geheimnisse der Kaffeeproduktion ein. Von der Pflanzenaufzucht bis zur Röstung der geschälten Bohnen erleben wir, wie die Strauchfrüchte durch Wasser und Feuer gehen. Emily versteht es, auch die Kinder immer wieder für die Herstellungsprozesse zu begeistern. Vieles lässt sie sie selbst ausprobieren. Auch ernten dürfen wir selbst. Denn die Ernte auf den 125 Hektar Kaffeefeldern der Jansons ist im Februar schon fast vorbei.

Auf der offenen Ladefläche des Pick Up bringt Emily uns in die Felder. Ein Highlight für die Kids ist die rasende Fahrt über die Flugzeugstart- und Landebahn, die zur Plantage gehört. An den mannshohen Kaffeesträuchern suchen wir die reifsten Kaffeefrüchte und probieren sie ganz frisch gepflückt. Nicht die Kerne, die später zu Kaffeebohnen geröstet werden, essen wir, sondern das Fruchtfleisch drumherum, das bei der Kaffeeproduktion Abfall ist. Eine süße Überraschung!

Panama Kaffee-Tour mit Kindern Janson Coffee Farm

Abenteuer: Auf der Ladefläche des PickUp geht es über die Kaffeeplantage.

Kaffeeplantagen-Wanderung mit Kindern

Die Kinder haben von Emily Sammeltüten bekommen und packen die saftigen roten Früchte ein, zusammen mit getrockneten weißen Kaffeebohnen. Später helfen sie beim Trocknen der Kerne. Auf einem großen Patio liegen sie in der Sonne. Zwei Männer wenden sie unablässig mit groben Holzrechen. Die Kinder helfen ihnen bereitwillig. Emily gestaltet die zwei Stunden Lektion in Kaffeeproduktion so, dass die Kinder jede Menge Spaß haben und wir Mamas jede Menge lernen. Zum Abschluss gönnen wir uns im Plantagen-Café zwei gute Tassen Kaffee aus der handverlesenen sonnengetrockneten Produktion. Wieder eine Überraschung! Er schmeckt fast so mild wie Tee. Das Geheimnis ist nicht nur die Verarbeitung, sondern auch die Sorte. Die robusten aber raren Geisha-Kaffeepflanzen aus Panama zählen zu den besten Kaffeesorten der Welt. Natürlich kaufen wir da auch für zuhause ein.

Panama-Rundreise mit Kindern - Wandern in Chiriqui

Wandern in Panama? Geht gut in der Provinz Chiriqui. Bei Volcan am Fuß des Vulkan Baru liegen die höchsten Lagunen des Landes.

An die Finca schließen zwei Lagunen an. Es sind die höchstgelegenen in ganz Panama und wir wollen sie umwandern. Der Weg führt durch die Kaffeeplantage und mündet dann in einen wilden Sekundärwald – so bezeichnet man Urwald, der nach landwirtschaftlicher Nutzung neu gewachsen ist. Wir staunen, wie hoch die Bäume sind. Immer wieder spitzen knallfarbige Blüten aus dem Dickicht. Hier und da stehen noch alte Bananenstauden. Denn vom Bananenanbau haben die Jansons früher gelebt. Und die Seen geben wunderbare Ausblicke auf das Gebirge im grenzüberschreitenden Nationalpark La Amistad und den höchsten Berg Panamas Volcan Baru frei.

Alles läuft schief

Nach diesem gelungenen Tag klappt am nächsten aber auch gar nichts. Die Wandertour im Amistad-Nationalpark fällt buchstäblich ins Wasser. Da oben regnets von der Seite bei rund 10 Grad Außentemperatur.

Panama Nationalpark La Amistad Chiriqui Costa Rica

Trübe Aussichten: Die geplante Wanderung im Nationalpark La Amistad fällt buchstäblich ins Wasser.

Wir fahren also wieder runter und wollen zu Thermalquellen. Der Weg ist aber mit unserem Mietwagen nicht befahrbar. Auf der Rückfahrt geraten wir in eine Polizeikontrolle. Das ist nichts Neues, die hatten wir auf unsren Langstrecken schon öfter. Doch zum ersten Mal will der Polizist unsere Papiere sehen. Pech: Der Führerschein liegt heute im Hotel. Der Polizist winkt uns an die Seite, kassiert den Autoschlüssel.

Das Hotel ist nur 500 Meter entfernt. Die Freundin läuft hin und holt den Führerschein. Ich warte mit den Kindern, tue so als ob ich kein Spanisch spreche. Der Polizist will aber auch gar nicht mit uns reden, er telefoniert. Dann kommt ein Abschleppwagen. Ich protestiere lautstark, laufe auf die Straße, halte vorbei fahrende Autos auf, schreie den Polizisten auf Englisch an, was er uns und den Kindern antut. Er deutet Handschellen an. Die Kinder fangen an zu weinen. Da kommt die Freundin mit dem Führerschein zurück. Der Polizist will ihn gar nicht sehen. Er telefoniert wieder.

Mit Kindern in Panama - Polizeiautos

Scheinbar unberechenbar: Begegnungen mit der Polizei in Panama

Hilfe am Straßenrand

Eine Frau kommt übersetzen. Sie sagt, ihr sei das auch schon passiert, sie musste 80 Dollar zählen für den Abschleppdienst. Man dürfe in Panama nicht ohne Papiere fahren, und der Fahrer müsse immer da bleiben, sonst sei das Fahrerflucht.

Ein europäisch aussehendes älteres Paar kommt vorbei, Holländer wie sich später zeigt. Ich spreche sie an, bitte um Hilfe. Sie raten uns erst, die Autovermietung anzurufen. Wir haben die Telefonnummer nicht dabei. Das Handy auch nicht. Dann telefoniert die Frau selbst mit zwei Freunden. Nach dem zweiten Gespräch sagt sie, das sei vermutlich alles ein Trick. Wir sollten am besten einfach die 80 Dollar bezahlen. Im Gegenzug erhalten wir den Autoschlüssel und die Papier zurück. Abschlepper und Polizist sind sofort verschwunden, die Übersetzerin war schon vorher weg, Das Geld werden sie sich nachher teilen. Wir können nichts dagegen tun. In Panama gibt es keine Touristenpolizei wie in Ecuador.

Versöhnender Regenbogen

Von diesem Schock erholen wir uns erst wieder bei einer weiteren wirklich guten Tasse Kaffee im Café am Ortseingang. Danach suchen wir mit dem Auto eine Möglichkeit zu einer kleinen Wanderung im Umkreis von Volcano. Gar nicht so einfach außerhalb der Nationalparks. Schließlich folgen wir einem fast unbefangenen Sträußchen und halten am Abzweig eines Schotterweges zwischen Kuhweiden und wilden Wiesen. Zu Fuß folgen wir dem Schotterweg. Er führt hinab in einen Talkessel, an ein Flussufer. An Ende des Tales versperrt uns eine große Staumauer den Weg. Da wird uns klar, dass wir durch einen künftigen Stausee laufen. Wir freuen uns, dass wir die wilde Natur hier noch erleben dürfen. Und den Horizont überspannt ein Regenbogen.

Panama-Rundreise mit Kindern Chiriqui

Versöhnt uns mit einem harten Tag: ein Regenbogen vor der Bergkulisse im Westen Panamas

Warst ihr auch schon mit Kindern in Panama? Oder habt ihr anderswo eine Kaffee-Tour mit Kindern mitgemacht? Verratet uns eure Erfahrungen!

0 Kommentare

  1. Schöne Berichte. Das sind alles tolle Abenteuer, auch wenn ihr sicher einige Erlebnisse wohl mehr oder weniger nicht braucht. Gut ist, dass du viele Fotos machst. Wir waren mit unseren Kindern auch in vielen Ländern und an vielen schönen Plätzen, aber sie waren noch klein und können sich heute – wenn überhaupt – nur bruchstückhaft erinnern. Schade. Euch viel Freude weiterhin! Conny

  2. Klassiker, immer diesen korrupten Ar….. das Spielchen kenne ich nur zu gut aus Venezuela und auch überall in Afrika ist es gang und gäbe.

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