Ecuador mit Kind – unbedingt!

imageAllein als Frau mit Kind nach Südamerika? Zumindest für Ecuador kann ich das uneingeschränkt empfehlen. Es gab keine einzige brenzlige Situation – oh doch heute! Da wäre der Sohn beinahe in eine Schlucht gestürzt, wenn die Pflanzen ihn nicht aufgefangen hätten. Großes Geschrei, ein blauer Fleck, kein Blut. Wir sind mit dem Schreck davon gekommen.
Knapp war es auch, als die Mama sich den Fuß übel verstaucht hat. Da schien das Urlaubsende nah. Der Fuß tut zwei Wochen später noch weh. Er musste aber auch nach einem Tag Pause einfach weiterwandern, und zwar am Cotopaxi. Und das ging sogar ohne Arztbesuch, allein mit Schmerzsalbe und Bandage vom Apotheker, der plötzlich deutsch sprach…
Home away from Home
Mist kann auch zuhause passieren. Wenn Mist auf Reisen passiert, dann wünscht man sich schon mal nach Hause. Das gilt für Mama und Sohn gleichermaßen. Je länger die Reise dauert, desto öfter wünscht sich der Sohn nach Hause. Die Mama hat sich genau einmal nach Hause gewünscht, als der Fuß sie höllisch gequält hat. Oft aber haben wir beide uns in Ecuador wie zuhause gefühlt. Das lag auch an unsren Gastgebern.
imageDie deutschsprachige Elena in Riobamba war wie eine Mama zu uns beiden. Mit ihren guten Kontakten hat sie uns trotz Feiertag und Ferien kurzfristig die Tour zum Chimborazo Fauna Reservat vermittelt. Ihr Rincon Aleman voller europäischem Komfort tat uns nach vier Nächten in der einfachen Unterkunft mit automatischer Belüftung in Quito gut.
Mit den Auswanderern Raik und Dieter in Vilcabamba fühlte es sich an wie mit alten Freunden. Ich wollte sie noch fragen, warum sie für den Luxus, den das Izcayluma bietet, nicht mehr Geld verlangen.
imageIm Secret Garden Hostel Cotopaxi waren die Schweizerin Lina und ihr ecuadorianischer Kollege zusammen mit den drei Hunden eine Familie für den Sohn. Der hat im Garten oder beim Kaminfeuerschüren mitgeholfen, während die Mama den verstauchten Fuß schonte, und will seitdem einen Dackel, der Daisy heißen soll.
imageZuletzt haben uns in der Hosteria Cananvalle in Ibarra der einheimische Carlos und seine kalifornische Frau Doreen nach Strich und Faden verwöhnt. Von einem Tag auf den anderen haben sie uns eine bezahlbare Tour in den einmaligen Nationalpark El Angel an der kolumbianischen Grenze ermöglicht, die ich nach allen Vorabrecherchen für zu riskant bis fast unmöglich gehalten habe. Unwirklich kommt es mir immer noch vor. Freilijones wachsen sonst kaum wo auf dieser Erde.
Nettigkeiten und Schmeichelei
Aber auch die Begegnungen mit Ecuadorianern zaubern mir mit einer Ausnahme noch nachträglich ein Lächeln ins Gesicht. Die Ausnahme war ein Dieb, der uns am dritten Urlaubstag im Bus von Quito zu den Papallacta-Thermen so lange umschmeichelt hat, bis er es geschafft hatte, Brille und Sonnenbrille aus meinem Rucksack zu stehlen. Im gleichen Bus saßen aber auch zwei Frauen, die mir geraten haben, gut auf den Rucksack zu achten, damit ihn keiner klaut. Ähnliche, nette Ratschläge bekomme ich immer wieder.
Gerade zu Frauen mit Kindern entsteht leicht ein netter Kontakt, mitunter selbst zu den eher zurückhaltenden Indigena. Die meisten sind einfach entzückt von dem „Gringito“ an meiner Seite. Klar reden sie auch über uns, oft aber ganz direkt mit uns. Kein Tag vergeht ohne „Como te llamas“ – wie heißt du. Der Sohn hat die Frage zwar kein einziges Mal beantwortet. Ich bin mir trotzdem sicher, dass er sie versteht.
Der Sohn spricht weder spanisch noch englisch. Deshalb wird er manchmal grantig, wenn er sprachlich auf Dauer ausgeschlossen ist. Übersetzen hilft da auch nicht viel, denn er will selbst mitreden. Daher waren die deutschsprachigen Unterkünfte wichtig für ihn.
Zerstreute Sorgen
Kinderraub? Quatsch! Der Sohn konnte sich fast überall frei bewegen, ohne dass derartiges zu befürchten war. Freilich hat die Mama ihn auf Spielplätzen in großen Städten nicht aus den Augen gelassen.
imageApropos Spielplätze: Auch die Sorge, dass es in Ecuador keine Infrastruktur für Kinder geben könnte, ist aus der Luft gegriffen. Die großen Städte wie Quito und Cuenca, aber auch das Touristenzentrum Banos haben oft mehrere Spielplätze mit Spielgeräten von guter Qualität. Allerdings gibt es in den Städten auch viele Quengelzonen. Kaum ist das Eis gegessen, weckt der Kaugummi-Automat Gelüste…
Auf dem Land fällt das weg, auch die Spielplätze. Dafür gibt die Natur genug zum Spielen her: Stöcke, Steine, Blätter von völlig anderer Beschaffenheit als zuhause sind hochinteressant und meistens ungefährlich. Auch gefährliche Tiere muss die Mama nicht fürchten. Sogar die Mücken sind scheinbar kinderfreundlich in diesem kinderfreundlichem Land, denn sie haben nur die Mama gestochen. Meist gibt es zudem mindestens einen Hund als Spielgefährten, wenn es mit den Nachbarskindern nicht gleich klappt.image

Als unbegründet erwies sich auch die Angst vor den Höhenkoller. Die extremen Höhen hat der Sohn oft besser vertragen als die Mama und auch den Anfang in Quito. Tatsächlich sind Kinder körperlich einfach fit und anpassungsfähig. Dem Sohn darf die Mama einiges zutrauen.

Kurze Wege
Noch ein Plus für Familien in Ecuador: Die Entfernungen sind kurz. Auch wenn es vergleichsweise lang dauert, die kurzen Strecken zurückzulegen, weil sie bergig und kurvig sind, waren wir meist nach drei bis vier Stunden am nächsten Ziel.
imageDie meisten Ziele haben auch speziell für Kinder was zu bieten, was auch den Eltern Spaß macht. Sohn Wasserratte jauchzte bei jedem aus heißen Quellen gespeisten Thermalbad vor Freude, egal ob in Papallacta, Banos oder am Ende zum Kindergeburtstag in Chachimbiro. Er erinnert sich auch noch mit Spaß an die Wasserfalltour mit der Chiva in Banos, an die Zugfahrt durch sechs dunkle Tunnels und über zwei alte Brücken mit dem Tren de la Libertad von Ibarra nach Salinas, das Angelspiel am Bach beim Cotopaxi, die Harpyenadlerdame im Condor-Park bei Otavalo…
Die Mama hat nach einem Monat in Ecuador das Gefühl, es gibt noch so viel mehr zu sehen. Irgendwann kommen wir wieder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.