Entspannt alleine reisen mit Kind – Wie geht das?

entspannt alleine reisen mit Kind

– Roundup Teil 1 –

Allein mit Kind verreisen? Warum tust du dir das denn an? Das ist doch keine Erholung. Diesen oder ähnliche Sprüche musste ich mir schon sehr oft anhören. Und ehrlich gesagt: Die Antwort fällt mir nicht immer leicht. Ich liebe das Reisen und ich liebe mein Kind. Wenn ich beides zusammen habe, bin ich glücklich. Stress? Klar gibt es den auch mal, aber er ist schnell vergessen. Und wenn ich von einer Reise alleine mit Kind zurück komme, bin ich meist prima erholt. Aber warum? Wie geht das eigentlich: Entspannt alleine reisen mit Kind?

Wie ich mich auf meine Reisen allein mit Kind vorbereite und was mir dabei wichtig ist, habe ich kürzlich im Interview mit KidsAway verraten (mehr). Weil es mir aber selbst so schwerfällt, auf den Punkt zu bringen, was das Alleinreisen mit Kind entspannt macht, habe ich mich mal bei anderen Bloggerinnen umgehört, die auch Erfahrung mit dem Alleinreisen mit Kindern haben. Ich wollte wissen:

  • Was waren die größten Stressmomente bei euren Reisen allein mit Kind und wie habt ihr sie gemeistert?
  • Wovor hattet ihr am meisten Angst und wie habt ihr die Situation dann bewältigt?
  • Welche Tipps habt ihr, um auch alleine mit Kindern oder vielleicht sogar mit Baby entspannt zu reisen?

Die vielen, tollen – und oft sehr ausführlichen – Antworten haben mich überwältigt. Sie zeigen, dass das Thema wirklich viele angeht und beschäftigt. Weil es aber so viele Beiträge zu diesem Roundup geworden sind, habe ich beschlossen, sie in zwei Blogposts zu zerlegen. Teil 1 – also dieser hier – zeigt euch die Erfahrungen und Tipps von Frauen, die (fast) immer alleine mit ihren Kindern reisen, weil sie auch alleine mit ihren Kindern leben. Im zweiten Teil erfahrt ihr dann, wie Eltern entspannt alleine mit ihren Kindern reisen, die oft oder meist als klassische Mutter-Vater-Kind(er)-Familie unterwegs sind.

Feststeht: Alleine reisen mit Kindern geht nicht nur schlecht und recht, weil es eben gehen muss, sondern es kann ganz einfach sein und richtig Spaß machen, auch wenn nicht immer alles glatt läuft. Diese Erfahrung teilen alle. Hier lest ihr:

  1. Wie Tina mit ihrem Baby ganz gelassen und Low Budget durch Großbritannien reiste.
  2. Wie Stefanie und ihr 6jähriger Sohn mit wenig Geld seit über einem Jahr durch Asien treiben.
  3. Wie Alexandra auf einer Reise mit ihrem jetzt 9jährigen Sohn fast das Herz stehen blieb.
  4. Wovor Anja bei den Radreisen mit ihrer inzwischen 16jährigen Tochter anfangs am meisten Angst hatte.

Wie Tina mit ihrem Baby ganz gelassen und Low Budget durch Großbritannien reiste

Tina vom Blog mamawelten.wordpress.com hat das Reisefieber gepackt, als ihre Tochter noch ein Baby war. Sie war allein mit ihr, ist irgendwann trotzdem einfach losgezogen und hat es nicht bereut:

Als mein Baby noch sehr klein war, dachte ich: „Reisen mit Baby – das geht nicht.“ Ich stellte es mir unheimlich anstrengend vor. Man schleppt unendlich viel Gepäck und dazu noch das Kind. Außerdem muss man super viel organisieren und bedenken. Das war meine Befürchtung.

Dann wuchs jedoch mein Fernweh und die Decke fiel mir zu Hause auf den Kopf. Ziemlich spontan buchte ich ein Flugticket nach Edinburgh. Ich wollte eine kleine Rundreise durch Schottland und England machen und überlegte mir, welche Städte wir uns anschauen wollten und guckte nach Unterkünften. Mehr hatte ich nicht organisiert und ich hatte schon ein wenig Angst, dass irgendetwas schief geht. Aber ich wusste, dass ich zur Not einfach zurück fliegen könnte und war deshalb relativ gelassen.

Ich denke, die wichtigsten Voraussetzungen für eine entspannte Reise mit Kind sind der Wille zu Reisen (Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das auch!), etwas Gelassenheit (Nimm die Dinge, wie sie kommen!) und ein Plan B (Pläne sind da, um geändert zu werden). Zum Glück habe ich den Mut gefasst und bin mit meiner Kleinen ins Abenteuer gestürzt, denn es war eine wirklich tolle Reise! Mit Kind unterwegs zu sein war bisher überhaupt kein Problem und wir hatten inzwischen so viele schöne Reise-Momente zusammen!

Wie Tinas erste Reise mit Baby lief, lest ihr in ihrem Blog: https://mamawelten.wordpress.com/2016/04/13/meine-erstes-abenteuer-allein-mit-kind-ein-fazit-unserer-uk-reise/

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Wie Stefanie und ihr 6jähriger Sohn mit wenig Geld seit über einem Jahr durch Asien treiben.

Stefanie vom Blog freileben.net ist mit ihrem Sohn nun schon seit über einem Jahr ununterbrochen auf Reisen. Gemeinsam lernen die beiden immer neue Länder Asiens kennen und kommen dabei mit sehr wenig Geld aus.

Als alleinerziehende langzeitreisende Mutter (35) von einem Jungen (6) bin ich schon etwas erprobt im Alleine reisen mit Kind. Das läuft mal gut und mal weniger gut. Alleine habe ich soviel mehr zu bewältigen als wäre ein zweiter Erwachsener dabei. Wir reisen schon seit seiner Geburt immer wieder kurz und auch mal länger alleine. Vor einem Jahr sind wir ausgestiegen, haben alle Zelte abgebrochen und reisen seitdem ohne festen Plan umher. Wir haben so manche Hürden gemeistert. Auf freileben.net blogge ich über unsere Erfahrungen.

Ob es ein Geheimtipp gibt? Nein, denn dazu sind die Kinder viel zu verschieden. Aber ich kann dir eins versprechen: Mit der Zeit lernst du, dich flexibel an die Situationen anzupassen. Mein Motto lautet Deeskalation und das bedeutet nichts anderes als das volle Bespaßungsprogramm. Denn eines weiß ich genau, auf einem Langstreckenflug ein genervtes Kind plus die genervte Mutter ist definitiv kein Spaß. Mein Sohn schätzt das Entertainmentprogramm der Airlines nicht sonderlich und hat sprichwörtlich Hummeln im Hinterteil, aber wirklich eskaliert ist es noch nicht. Bewegung und Austoben so gut es geht vor Reiseantritt, nicht hungrig oder durstig sein, das Lieblingsspielzeug griffbereit haben und was ich auch immer bevorzuge ist, möglichst viele Stopps einzubauen. Das ist sicher nicht für jeden geeignet, aber für Kinder, die viel Bewegung brauchen, ein wirklich gutes Mittel, um nicht dem sogenannten Lagerkollar zu verfallen.

Eines unserer größten Herausforderungen war eine 20-Stunden-Zugfahrt im Bummelzug von Peking nach Shanghai (http://www.freileben.net/mit-dem-zug-von-peking-nach-shanghai/). Das Ganze fand dann auch noch ohne Sitzplatz statt, gestapelt im Endabteil ohne jegliche Kommunikationsmöglichkeit aufgrund der Sprachbarriere. Wir haben ungefähr 100 mal „Ich sehe was, was du nicht siehst“ und „Ich packe meinen Koffer“ gespielt, haben uns Geschichten ausgedacht und gesungen. Anschließend hat mein Sohn auf den Waschbecken geschlafen. Nach der Erfahrung kann mich absolut nichts mehr aus der Bahn werfen.

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Wie Alexandra auf einer Reise mit ihrem 9jährigen Sohn fast das Herz stehen blieb

Alexandra vom Familienreiseblog levartworld.de war mit ihrem Sohn, seit er drei Jahre alt ist, schon in über 40 Ländern. Dass dabei auch mal etwas schief geht, bleibt nicht aus. Ihr Rezept: Cool bleiben!

„Ich reise mit meinem Sohn meistens alleine und um so älter er wird, umso entspannter werden unsere Reisen. Als er noch kleiner und ich noch unerfahren war, habe ich mir viele Gedanken über die Sicherheit auf so einer Reise gemacht.

Vor meiner ersten Fernreise mit meinem Sohn nach Mexiko waren meine größten Ängste, dass das Kind krank wird oder mir etwas zustößt und er alleine im Ausland ist. Mit solchen Ängsten muss man sich auseinandersetzen und für den Notfall einen Plan haben. Ich nehme vorsorglich immer Fiebersaft mit, um gegen eine mögliche Erkältung gewappnet zu sein und binde ihm ein Armband mit meiner internationalen Telefonnummer ums Handgelenk, falls er mal verloren geht. Außerdem stecke ich ihm immer eine Visitenkarte von unserem Hotel in seine Hosentasche. In meinem Rucksack ist eine Liste mit meiner deutschen Anschrift und einigen Telefonnummern. Ob das alles wirklich was bringt, weiß ich nicht, aber es gibt mir ein besseres Gefühl.

Wir sind jetzt seit 6 Jahren, mindestens 3 Monate im Jahr unterwegs und bis jetzt ist weder das Eine noch das Andere passiert. Allerdings liefen unsere Reisen nicht immer reibungslos ab, und es gab auch einige stressige Momente.

Auf der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking, ist mein Sohn alleine im Zug geblieben, der vor meinen Augen weggefahren ist. Ich glaube ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Doch das Beste, was man in solchen Situationen tun kann, ist es zu versuchen cool zu bleiben oder zumindest so zu tun. Kinder haben einen sehr gutes Gespür dafür, wenn etwas nicht stimmt und lassen sich schnell mit dem Stress anstecken. Das ist in einer kritischen Situation eher kontraproduktiv.“

Wie diese Geschichte dann doch noch glimpflich ausging, lest ihr auf Alexandras Blog: http://levartworld.de/auf-meiner-reise-durch-asien-mit-kind-richtig-schief-gelaufen-ist/

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Wovor Anja bei den Radreisen mit ihrer inzwischen 16jährigen Tochter am meisten Angst hatte

Anja vom Blog Das fliegende Klassenzimmer reist mit ihrer Tochter seit zehn Jahren immer wieder mit Rad und Zelt durch Europa. Die beiden sind ein echtes Team und meistern auch Stresssituationen gemeinsam.

Unsere erste gemeinsame Radtour, die übrigens auch meine Erste war, ging von Moers nach Rotterdam. Meine Eltern standen Kopf und meinten nur: „Das kannst du nicht machen.“ Worauf wir unsere Tour „Geht nicht gibt’s nicht“ getauft haben. Wenn ich mir aber heute die Fotos angucke, frage ich mich wirklich, wie wir bis nach Rotterdam gekommen sind, ohne mit dem Kinderschutzbund in Konflikt zu geraten. Nicht nur, dass Jana erst 6 war, nein sie fuhr auch mit zwei Radtaschen. Das war der Anfang unserer mittlerweile 10-jährigen Radreisegeschichte.

Meine größte Angst war eigentlich immer, dass irgendwann mal einer von uns im Zug zurückbleibt oder wir das mit dem Verladen irgendwie nicht hinbekommen, deshalb war ich am Bahnhof auch immer etwas gestresst, zumindest, bis ich jemanden ausgeguckt hatte, den ich um Hilfe bitten wollte.

Stress gab es bei uns nur zwei Mal. Beide Mal waren wir beide total erledigt und deshalb vermutlich sehr reizbar, sodass wir uns wegen irgendeinem Mist in die Haare bekommen haben. Da wir aber beide Male mitten in der Pampa standen und wohl oder übel zusammenhalten mussten, war die Situation schnell überstanden.

Warum es bei uns beiden bis heute so gut läuft, weiß ich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass wir die Reisen von Anfang an gemeinsam geplant haben. Ich habe auch nie versucht Jana zu irgendeiner bestimmten Zeit ins Zelt zu legen. Wir sind immer gemeinsam ins Bett gegangen. Außerdem haben wir so Sachen wie Zelt aufbauen, kochen, spülen und zusammenpacken immer gemeinsam gemacht. So hatte ich nie das Gefühl mit den unangenehmen Sachen alleine dazustehen. Außerdem kommt natürlich bei solchen Radtouren auch nie Langeweile auf. Entweder man ist unterwegs oder man ist k.o.

Dass ich so wenige Ängste habe, liegt sicher auch daran, dass ich mich an die Touren langsam herangetastet habe und ich mir das, was ich mache auch wirklich zutraue. Vielleicht kommt es ja einfach auf den eigenen Standpunkt an: Ich reise nicht alleine mit Kind, wir sind ein Team, wo der eine eben mehr oder andere Sachen kann als der andere. Aber irgendwie hat jeder von uns seine Aufgaben auf unseren Reisen.

Mehr über Anjas Radreisen allein mit Kind: http://dasfliegendeklassenzimmer.org/radreisen-mit-kind-hindernisse-und-wie-man-sie-umgehen-kann/

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Und jetzt seid ihr gefragt: Wie sind eure Erfahrungen zum Alleinreisen mit Kindern? Einmal und nie wieder oder jederzeit gern nochmal? Was war für euch besonders aufregend? Und welche Momente waren völlig relaxt? Ich bin so gespannt auf eure Berichte!

 

 

2 Kommentare

  1. Danke für diese Tipps! Da ich selbst bald so eine kleine Auszeit wie die Bloggerin mit dem 6Jährigen plane (aber nur 3 Monate), freue ich mich, wenn ich MOTIVATION bekomme.
    Gelassenbleiben ist wohl das Stichwort!
    😉 danke

    • Liebe Petra!
      Es freut mich, dass dir die Tipps gefallen! Bleib bei deinem Vorhaben! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. 🙂
      Liebe Grüße
      Gela

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