Reisevorbereitungen, die keinen Spaß machen

Vorfreude ist die schönste Freude. Deshalb machen Reisevorbereitungen auch Riesenspaß – die meisten jedenfalls. Aber es gibt auch einige Vorbereitungen für Reisen mit Kindern, auf die ich gut verzichten könnte. Manche verhageln mir derart die Laune, dass kurz der Gedanke an ein Storno aufkommt. Was wirklich nervt, bevor es losgeht? Meine Bekenntnisse.

Ich gestehe: Manchmal muss ich den Kritikern von Fernreisen mit Kindern recht geben. „Warum tust du dir das an? Das ist doch nur wieder Stress“, ist einer der Sprüche, die garantiert irgendwann fallen, nachdem ich bekannt gegeben habe, dass ich demnächst wieder allein mit Kind verreisen werde. Ja, es stimmt. Nicht alles ist immer nur schön und spaßig, und manche Reisevorbereitungen können auch die Vorfreude arg dämpfen. Diese hier zum Beispiel:

Reiseinformationen des Ausländischen Amtes studieren

Informationen über die nächsten Reiseziele zusammentragen und zusammen mit dem Kind Fotos und Filme darüber ansehen, gehört im Allgemeinen zu den angenehmen Seiten im Vorfeld von Reisen mit Kind. Erschreckend kann allerdings der obligatorische Blick in die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sein.

Wir fahren demnächst nach Thailand. Thailand empfiehlt sogar die Zeitschrift Eltern – oder war es Brigitte Mom? – für eine Backpacker-Reise mit Kindern ab vier Jahren. Über solch einen coolen Tipp war ich etwas erstaunt. Nachdem ich die Hinweise des Auswärtigen Amtes gelesen habe, wundere ich mich noch mehr. Denn das AA schreibt:

„Thailand verzeichnet zunehmende Kriminalität (auch Diebstahl, Vergewaltigung, Raubüberfall, teilweise mit Todesfolge). Das betrifft insbesondere die Tourismushochburgen Phuket, Koh Samui und Pattaya. … In vielen Touristenhochburgen ist die Zusammenarbeit von Banden mit korrupten Polizeibeamten keine Seltenheit. …“

Das waren nur Auszüge aus dem Kapitel Kriminalität. Es gibt auch noch Hinweise im Kapitel Terrorismus, nach dem Motto „nicht dahin und nicht dorthin fahren …“. Und natürlich sind auch reichlich medizinische Hinweise vorhanden: Neben Cholera, Tollwut und Typhus, gegen die man impfen kann, riskieren wir auch Malaria, Dengue und Chikungunja – letzteres vor allem in Städten, also in Bangkok.

Ja, sind denn all die Familien, die ihre Babys in der Elternzeit in Thailand an die Strände schleppen, verrückt geworden?!? Wenn ich das lese, lerne ich meine heftigste Kritikerin beim Reisen mit Kind zu verstehen, die entsetzt ausrief „Du spinnst!“, als ich ihr mein nächstes Ziel als Alleinreisende mit Kind verraten habe. Persönlich lasse ich lieber die bewährte Devise walten: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Ich bin fest überzeugt: Gegen (fast) alles kann man sich irgendwie schützen.

Einreiseerlaubnisse und Visa beantragen

Unsere Südostasien-Reise führt uns auch nach Kambodscha. Ein Visum ist dort Pflicht. Kommt man mit dem Flugzeug an, lässt sich das wohl unbürokratisch vor Ort erledigen. Bei einer Einreise per Schiff genügt jedoch noch nicht einmal das vorher elektronisch zu organisierende eVisum, sondern man braucht ein vollwertiges Kambodscha-Visum. Dazu muss ich mit Original-Reisepässen, Fotos und Visum-Formular zur Botschaft von Kambodscha.

Wenn ich pro Person 15 Euro Expressgebühr zusätzlich zahle, kann ich das Visum gleich mitnehmen. Ich kann aber auch nur die 40 Euro Visumgebühr (für Erwachsene) zahlen und dann drei Tage später nochmal zum Abholen kommen, erklärte mir der freundliche Botschaftsmitarbeiter am Telefon. Da wird mal eben jeder bestraft, der nicht in Berlin-Pankow wohnt. Immerhin: Als ich dann schließlich dort bin, geht alles superschnell und die beiden Herren sind extrem nett. Einen Reiseprospekt und Ansichtskarten gibt es gratis obendrauf.

Papierkram-Reisevorbereitungen mit Kindern

Reisedokumente checken zählt eher zu den nervigen Reisevorbereitungen für Fernreisen mit Kindern.

Einreiseerlaubnisse beantragen II

Aber es ist ja nicht nur Kambodscha. Panama will auf Einreisedokumenten gern eine Apostille sehen. Das schreibt das Auswärtige Amt und bestätigte mir die Botschaftsangestellte im Vorfeld unserer Langzeitreise durch Süd- Mittel- und Nordamerika. Eine Apostille ist eine Beglaubigung, die man in Berlin beim Bürgeramt bekommt, sonst fast überall beim Gericht. Allein: Man bekommt sie nur, wenn schon das vorgelegte Dokument Urkundencharakter hat. Ohne Stempel geht gar nichts.

Von Alleinreisenden mit Kindern will Panama nach Angaben der Botschaft angeblich auch eine Apostille auf einen Nachweis, dass sie allein mit Kind reisen dürfen. Das kann eine notariell beglaubigte gemeinsame Erklärung sein, eine Geburtsurkunde des Kindes, in der kein Vater eingetragen ist, oder die sogenannte Negativbescheinigung des Jugendamtes. Der Kindsvater wohnt zu weit weg, als dass wir einen gemeinsamen Notartermin wuppen könnten.

Also: Negativbescheinigung beantragen. Das geht telefonisch und sie kommt innerhalb einer Woche. Ein Lob dem überlasteten Jugendamt von Berlin-Kreuzberg! Doch beim Ordnungsamt gibt es keine Apostille. Denn die Negativbescheinigung trägt keinen Stempel. Nach zwei Wochen bin ich wieder genauso weit wie vorher: Beim Jugendamt anrufen, diesmal: „Mit Stempel bitte“ …

Und das Beste kommt zum Schluss: Kein Mensch hat je nach der knapp 30 Euro teuren Apostille gefragt. Überhaupt wollte keines der vier Länder, die wir bereist haben, jemals einen Nachweis sehen, der mir bescheinigt, dass ich allein mit Kind reisen darf. Wir werden es also auch in Südostasien wieder darauf ankommen lassen. Ganz eindeutig sind die Bestimmungen ohnehin nie. Meist ist der Nachweis nur bei geteiltem Sorgerecht erforderlich.

Einreiseerlaubnisse organisieren

Unbedingt braucht man für die Einreise nach Panama aber einen Ausreise-Nachweis. Tag und Uhrzeit und Ort der Ausreise müssen feststehen und zwar schwarz auf weiß. Ein Flugticket ab San Jose im Nachbarland Costa Rica binnen Sechs-Wochen-Frist nach der Einreise per Flieger nach Panama genügt nicht. Das ist kein Witz und hier sollte man es auch nicht unbedingt drauf ankommen lassen. Das wissen wir nun aus eigener Erfahrung. Denn diese Bestimmung hat uns auf unserer Langzeitreise am Flughafen von Quito in Ecuador vor dem Weiterflug nach Panama ganz schön ins Schwitzen gebracht. Dass wir kurz vor Boarding-Schluss doch noch ohne das geforderte Papier in den Flieger steigen durften, habe ich mit Sicherheit nur den roten Locken und den blauen Augen des Sohnes zu verdanken.

Reiseimpfungen als Schluckimpfungen für Kinder

Das Tropeninstitut hat es wirklich gut gemeint: Sie wollten dem Sohn einen Piekser ersparen. Fünf mal musste er das für unsere Langzeitreise nach Ecuador, Panama, Costa Rica und die USA ohnehin über sich ergehen lassen. Daher riet das Tropeninstitut bei Typhus zur Schluckimpfung. Drei mal eine Tablette am ersten, dritten und fünften Tag sind vorgesehen. Das bedeutet aber, dass das Kind fünf Tage am Stück gesund sein muss – fast unmöglich in der Erkältungszeit.

Bei keiner der fünf Impfungen mit Spritze verzog der Sohn auch nur eine Miene. Bei der letzten hat er sogar interessiert hin- statt weggesehen. Also nochmal zum Tropeninstitut und die Schluckimpfungstabletten gegen Piekser tauschen. Das geht zum Glück problemlos. Aber warum eigentlich nicht gleich?

Putzen und Aufräumen

Zu meinen Reisevorbereitungen gehört auch eine geputzte Wohnung. Erstens kann ich meiner Nachbarin nicht zumuten, dass sie zum Blumengießen durch Eisenbahnlandschaften, Kuscheltierzoos und Legostädte navigiert. Zweitens macht mir die Aussicht auf Chaos zuhause das Ende des Urlaubs noch schwerer als es ohnehin schon ist. Also muss kurz vor der Abreise aufgeräumt und geputzt werden. Das Putzen delegiere ich inzwischen souverän an eine Putzperle. Doch die kommt natürlich nicht am Morgen der Abreise, wenn der Sohn schon in der Kita ist und keine Chance mehr hat, die Bude wieder zu verwüsten. Also herrscht regelmäßig bis zur Abreise wieder Chaos, und es muss in letzter Minute alles aufgeräumt werden. Und dann soll natürlich alles am liebsten in den Spiele-Rucksack zum Mitnehmen. Diesmal habe ich Glück: Unser Flug geht am Nachmittag und ich kann vorher in Ruhe aufräumen. Fürs nächste Mal mit Sohn habe ich jetzt eine Reisetasche: Da kommt alles hinein – und dann vergessen wir sie in der Abstellkammer 😉

Noch mehr Papierkram erledigen

Lästig aber nötig: Reiserücktritts- und –abbruchversicherung, Auslandskrankenversicherung, evt. Gepäckversicherung, … Jede Menge Papierkram muss erledigt werden. Versicherungsunterlagen müssen mit auf die Reise. Sonst nützen sie wenig. Nachdem ich jahrelang vor jeder Reise in den Tiefen der Schreitischablage nach ihnen geforscht habe, haben sie endlich einen festen Platz – zusammen mit Impfpässen und internationalem Führerschein. Ein Nervfaktor weniger und wenigstens eine halbe Stunde mehr Vorfreude!

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Endlich sind die wichtigsten Dokumente für die Familienreise parat!

Und was nervt euch am meisten, bevor es endlich losgeht?

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