Abenteuer Kinder Patenschaft

Abenteuer Kinder Patenschaft - mein Patenkind

Wer viel in ferne Länder reist, sieht nicht nur fantastische Landschaften, sondern mitunter auch erschütterndes Elend. Vor allem wenn Kinder davon betroffen sind, lässt mich das nicht unberührt. In Ecuador habe ich deshalb spontan zugesagt, eine Kinder Patenschaft zu übernehmen. Doch das ist ein echtes Abenteuer und definitiv leichter gesagt als getan.

Mein Patenkind heißt Alexis. Er wohnt in Guamote, einem Dorf im Hochland von Ecuador. Als ich Alexis im Januar 2015 in seinem Kindergarten kennenlerne, ist er gerade vier Jahre alt geworden. Er hat einen Tag nach mir Geburtstag. Der kleine Junge mit wachen Augen, fühlt sich nach seinen ersten Unterrichtstagen in der Vorschule ein bisschen groß. Stolz zeigt er mir seine Aufgabenhefte.

Einen ganzen Tag verbringen wir miteinander. Mein Sohn (damals 5) und ich begleiten Alexis, seine Mama Maria und seine kleine Schwester Valentina nach Hause. Unterwegs kaufen wir auf dem quirligen Donnerstagsmarkt Bananen und Habas (dicke weiße Bohnen).

Alexis strahlt vor Freude. Denn heute gibt es seine Leibspeise: Habas con Queso, dicke weiße Bohnen mit saftigem Ziegenkäse. Alexis isst mit den Händen, ziemlich schnell und ziemlich viel. Dabei hat er schon im Kindergarten Bohnen gegessen. Doch diese Sorte gibt es nur zu besonderen Gelegenheiten.

Dann will Alexis spielen. Abwechselnd mit meinem Sohn fährt er auf dem großen Lastwagen durch den Hof. Den hat er aus dem Kindergarten ausgeliehen. Eigenes Spielzeug hat er kaum. Doch er vermisst es auch nicht. Denn am liebsten spielt er ohnehin Verstecken und Fangen mit Valentina – oder heute eben mit meinem Sohn, der ein knappes Jahr älter ist. Schnell noch eine Brombeere vom Strauch im Hof pflücken – und los geht’s durch Haus und Scheune.Abenteuer Kinder Patenschaft - Spielende Kinder in Ecuador

Will ich eine Kinder Patenschaft übernehmen? Klar, will ich!

Als die Kinder weg sind, fragt Maria mich, ob ich nicht Alexis’ Patin werden möchte. Ich überlege nicht lange und sage zu, die Patenschaft zu übernehmen. Wie ich am besten helfen kann, will ich wissen. Kinderkleidung wird am dringendsten gebraucht. Ich verspreche, Pakete zu schicken. Zum Abschied schenken wir Alexis drei der kleinen Spielzeug-Autos meines Sohnes (dem ich neue verspreche).

Die Begegnung mit Alexis und der Beginn dieser Kinder Patenschaft war eines der eindrücklichsten Erlebnisse und meiner viermonatigen Reise entlang der Panamericana. Es ist einfach ein wundervolles Abenteuer, einen Einblick in den Alltag in fernen Ländern und anderen Kulturen zu bekommen. Doch die weitere Entwicklung dieser Kinder Patenschaft bedrückt mich immer wieder. Denn von hier aus kann ich leider überhaupt nicht helfen.

Voller Enthusiasmus habe ich direkt nach der Rückkehr ein großes Paket voller Spielsachen und Kinderkleidung gepackt. Als persönliches Geschenk zur Besiegelung der Patenschaft hatte ich ein Fotoalbum mit den Fotos von unserem Besuch erstellt. Ich brachte das Paket zur Post – doch es kam und kam einfach nicht an. Etwa ein halbes Jahr später kam es zurück.

Weihnachten stand vor der Tür. Ich schickte das Paket erneut los. Diesmal dauerte es neun Monate, bis es zurück kam. Ich musste viermal (!) Porto von jeweils 50 Euro zahlen – und konnte nicht helfen. Geld zu überweisen ist gänzlich unmöglich. Maria hat nicht einmal ein Konto. So sieht es also aus, als ob meine spontane Patenschaft für Alexis zum Scheitern verurteilt ist. Immerhin haben wir noch gelegentlich Kontakt über Facebook. Vielleicht können wir ihn irgendwann mal wieder besuchen…

Abenteuer Kinder Patenschaft Markt Besuch in Guamote Ecuador

Ein unvergesslicher Tag

Es ist ein wundervolles Abenteuer, ein Kind in einem fernen Land persönlich kennenzulernen. Einen derart authentischen Einblick in den Alltag anderer Kulturen bekommt ihr auf andere Art nur schwer. Ich glaube, ich habe an diesem einen Tag mit Alexis und seiner Mama Maria mehr über Ecuador gelernt, als in den 30 weiteren Tagen unseres Aufenthalts in dem Land. Fantastische Landschaften und überwältigende Natur erfreuen mich immer wieder bei meinen Reisen mit Kind. Aber der Besuch bei Alexis und seiner Familie bleibt für immer unvergesslich.

Kinder Patenschaft - Besuch beim Patenkind im Kindergarten in Guamote Ecuador

4 Kommentare

  1. So eine wunderschöne Geschichte! Vielen Dank fürs Teilen. Ich glaube vor allem für Kinder ist es toll, ein Patenkind in der Familie zu haben, dann wird nochmal deutlicher dass die Lebensrealitäten in ärmeren Ländern einfach anders sind.

    • Liebe Eva,
      also mein Sohn war damals noch zu klein, um das so richtig zu verstehen. Außerdem war es seine erste Reise in solch ein Land. Jetzt erst bekommt er langsam eine Vorstellung von den krassen Unterschieden.
      Liebe Grüße
      Gela

  2. Holla, das ist ja mal ein krasses Erlebnis. Wieso hat denn das partout nicht geklappt mit dem Paket? Da hattest du ja quasi erstmal eine Patenschaft für die ecuadorianische Post übernommen 😉

    Dass World Vision helfen kann, solche Patenschaften zu vermitteln, ist schön. Und klar hilft man lieber einem individuellen Kind, das man persönlich kennengelernt hat. Trotzdem stehe ich diesen Patenschaften skeptisch gegenüber und unterstütze lieber Organisationen, die mein Geld nach eigenem Ermessen dort einsetzen können, wo es am dringendsten gebraucht wird…

    Liebe Grüße
    Jenny

    • Liebe Jenny,
      wieso das nicht geklappt hat, kann ich auch nur mutmaßen. Feststeht, dass das Paket beide Male nicht dort angekommen ist, wo es eigentlich hingesollt hätte. Wahrscheinlich hätte man es beim Hauptpostamt in Quito abholen müssen. Aber da kommen die Leute aus Guamote auch nicht mal eben hin. Mal sehen, wann ich es wieder nach Ecuador schaffe …
      Liebe Grüße
      Gela

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