Lange Strände, wilde Tiere, grüne Natur und freundliche Menschen – Kenia hat viel zu bieten. 20 Tage mit einem vierjährigen Kind in dem ostafrikanischen Land haben uns um tausende Eindrücke bereichert.
Ein Gastbeitrag von Clara Schumann (kann Werbung enthalten)
Warum Kenia mit Kind? Afrika at its best!
Afrika mit einem kleinen Kind – das mag erstmal für Stirnrunzeln und Skepsis sorgen. Dabei hat Kenia mit Kind viele Vorteile – gerade wenn man im Herbst oder Winter nochmal Sonne tanken will und nicht auf die Kanaren fliegen möchte.
Ein großer Pluspunkt schien uns, dass es kaum Zeitverschiebung gibt. Während der deutschen Winterzeit beträgt sie nur zwei Stunden, während der Sommerzeit sogar nur eine. Es droht also kein Jetlag, der mit Kind gemeistert werden muss.

Ein Patenkind in Kenia
Doch nicht nur Sonne und geringe Zeitverschiebung reizten uns. Wir wollten eine für uns neue Mentalität und die Wiege der Menschheit kennenlernen. Außerdem haben wir über einen Verein namens Watoto ein Patenkind in Kenia, dem wir die Schule finanzieren.
Mehr als genug Gründe für eine Reise in das Land, das Vorbild für viele Bilder und Stereotype über Afrika ist. Egal ob „Der König der Löwen“ oder „Jenseits von Afrika“ – Filme und Bücher über Afrika spielen oft in Kenia.
Kein Jetlag, aber Malariagefahr
Bei allen Vorteilen machte uns jedoch ein Aspekt anhaltende Sorgen: Malaria. Kenia gilt mit Ausnahme von Nairobi und Umgebung als Hochrisikogebiet. Können wir es riskieren, mit einem Kindergartenkind in so ein Gebiet zu fahren?
Die Frage beschäftigte uns nicht nur vor der Reise, sondern auch währenddessen immer wieder. Dazu später mehr. Die große Hitze hingegen hat zumindest unserem Kind nichts ausgemacht. Und das obwohl ihm sonst immer eher zu warm als zu kalt ist.

Die beste Reisezeit für Kenia mit Kind: immer
Die Hauptreisezeit nach Kenia beginnt erst Ende Dezember. Wir waren von Ende November bis Mitte Dezember 20 Tage lang in Kenia mit Kind. Diese Zeit gehört offiziell zur kleinen Regenzeit.
Wir empfanden unsere Reisezeit jedoch als sehr passend. Die Strände waren unglaublich leer, alles war sattgrün und die gelegentlichen Regenschauer haben nicht gestört. In den Nationalparks waren sie vermutlich sogar gut, da wir keinerlei Staub in der Luft wahrgenommen haben.
Allerdings ist es in der Regenzeit noch sinnvoller als sonst, eine geführte Safari zu buchen statt selbst mit Mietwagen zu fahren, wenn man nicht im Matsch stecken bleiben will. Nur wer Kitesurfen will, sollte besser erst im Januar fahren, rieten uns ein paar Sportler.
Praktische Tipps für eine Reise nach Kenia mit Kind
- Anreise: Direktflüge gibt es derzeit (Stand 2025) von Frankfurt nach Mombasa oder nach Nairobi. Nach Mombasa ist der Hinflug über Nacht, der Rückflug tagsüber. Bei Nairobi ist es umgekehrt. Zwischen beiden Großstädten gibt es inzwischen einen Schnellzug (neben Inlandsflügen). Daher ist auch möglich, nach Nairobi zu fliegen und den Rückflug von Mombasa anzutreten. Oder umgekehrt. Ein Direktflug ist nicht nur aus Klimaschutzgründen ratsam, sondern auch, weil es bei Flügen mit Zwischenstopps angeblich häufig Probleme mit dem Gepäck gibt. Wer zum Beispiel direkt am Tag nach Ankunft auf Safari gehen möchte – und zwar mit dem eigenen Gepäck, sollte sicherheitshalber einen Direktflug buchen.
- Straßen: In vielen Reiseführern steht, dass man nach Ankunft mit dem Flugzeug in Mombasa zunächst mit einer Fähre fahren muss, wenn man gen Süden will. Die Informationen sind veraltet. Die Fähre fährt noch (und man kann an ihr auch schon mal zwei Stunden warten). Aber es gibt inzwischen eine Umgehungsstraße, die Flughafen und Südküste wesentlich schneller und unkomplizierter verbindet – das ist gerade dann praktisch, wenn man Kenia mit Kind bereist.
- Sprache: Sofern man Englisch spricht, ist die Verständigung in Kenia einfach. Englisch ist offizielle Amtssprache. Nationalsprache ist Suaheli. Hinzu kommen etliche Sprachen der verschiedenen Volksgruppen.
- Elektrizität: Wer nicht ausschließlich in großen Hotels übernachtet, sollte damit rechnen, dass es zu kurzfristigen Stromausfällen kommen kann. Eine Taschenlampe mitzunehmen schadet nicht.
- Telekommunikation: Außerdem ist es sinnvoll, WhatsApp auf dem Handy zu installieren. Denn fast alle Kommunikation in Kenia läuft über den Messenger, etwa für die Buchung von Safaris oder anderen Ausflügen. Wer auf eigene Faust unterwegs sein will, sollte zudem überlegen, beim Mobilfunkanbieter Safari.com eine Sim-Karte zu kaufen (sie kostet fast nichts)
- Geld: In Kenia wird mit dem Kenia-Schilling bezahlt. Üblicher als Bargeld odeere Kartenzahlung sind aber mobile Zahldienste. Für individuelle Reisen nach Kenia mit Kind empfiehlt es sich Geld auf den Bezahldienst mpesa einzuzahlen. In Kenia laufen nämlich viele Zahlungen über den Handydienst mpesa.
Günstig ist eine Reise nach Kenia mit Kind nicht. Für eine Safari muss man tief in die Tasche greifen. Hinzu kommt, dass bei vielen Unternehmungen doppelt gezahlt werden muss: Erst der Eintritt für einen Ort und dann noch das Honorar für die Person, die einen herumführt. Die Preise sind dabei meist alles andere als transparent.

20 Tage im Land von Simba und seinen Freunden
Wie hat sich unsere Reise nach Kenia mit Kind nun angefühlt? Sinnlich waren wir von Anfang geflasht. Als wir nach neun Flugstunden und einer Stunde Autofahrt am Strand Diani Beach an Kenias Ostküste südlich von Mombasa ankommen, wissen wir nicht so recht, ob wir unseren Augen trauen können. Der Strand wirkt schier endlos lang. Der Sand so fein wie Zucker. Das Wasser ruhig und klar. Und außer uns weit und breit kein Mensch zu sehen.
Diani Beach: Ein Strand, zu schön, um wahr zu sein
Unsere Augen täuschten uns nicht. Der Strand gilt als einer der schönsten Afrikas, wenn nicht der schönste. Und wer Ende November / Anfang Dezember dort ist, hat tatsächlich seeehr viel Strand für sich alleine. Zumindest bis uns die ersten sogenannten Beach Boys gewittert haben, die uns etwas verkaufen wollen (Kokosnüsse, Armbänder, Spielzeug, Tücher, Bootsausflüge, Dorfbesuche).
Diani Beach bildet das touristische Zentrum der Ostküste. An ihn schließen sich nahtlos die etwas ruhigeren Strände Tiwi im Norden und Galu im Süden an. Grob geschätzt kann man hier 20 Kilometer am Strand durchlaufen!
Wir selbst waren am Galu Strand und haben nicht in einem der großen Resorts übernachtet, sondern in einem sehr kreativ künstlerisch gestalteten Bungalow mit kleinem Pool, den eine ausgewanderte Österreicherin vermietet.

Tipps für Strandurlaub in Kenia mit Kind
- An den Stränden gibt es deutliche Ebbe und Flut, aber das Meer ist nie ganz weg.
- Das Wasser ist badewannenwarm.
- Aufgrund von Korallen wird in Diani oft empfohlen, Badeschuhe mitzunehmen. Vielleicht braucht man sie weiter im Norden. An unserem Strandabschnitt waren sie nicht nötig.
- Dafür fanden wir es hilfreich, einen Sonnenhut zum Festbinden zu haben oder ein Kopftuch. Denn der Wind verstärkt sich im Laufe des Tages.
- Das ist übrigens perfekt, um am Strand Drachensteigen zu lassen (wir hatten einen Taschendrachen dabei).
- Abends kann man beobachten, wie hunderte Krebse aus ihren Löchern schlüpfen und am Strand lang laufen. Ein Riesenspaß für unser Kind!
Konsequenter Sonnenschutz versteht sich von selbst.
Kenia – Land der Vielfalt
Kenia hat allerdings viel mehr zu bieten als Strand. Das Land ist riesig. Auch 20 Tage reichen nicht, um nur ansatzweise alle Regionen kennenzulernen. Stattdessen haben wir uns auf die südliche Ostküste rund um Mombasa und die nahegelegenen Nationalparks beschränkt.
Konkret waren wir zunächst am erwähnten Touristen-Hotspot Diani Beach beziehungsweise Galu Beach, dann auf Safari in den Parks Tsavo East und Tsavo West, anschließend im Fischerdörfchen Msambweni, dann im leicht italienisch geprägten Badeort Watamu nördlich von Mombasa und am Schluss erneut ein paar Tage am Galu Beach.
Kenia würde noch mehr bieten: den Mount Kenya, Nairobi, Seen, Kaffee-Plantagen, Rosenanbau, die Insel Lamu…. Doch schon bei einem kleinen Ausschnitt des Landes kommen beachtliche Fahrzeiten auf oft sehr holprigen Straßen zusammen. Der Norden an der Grenze zu Somalia wird aus Sicherheitsgründen ohnehin nicht empfohlen. Andere Regionen wie der Victoriasee hätten uns gereizt, waren uns aber aufgrund von Malaria mit Kind zu heikel.

Wenn dir Affen die Nudeln klauen
Erlebt haben wir dennoch genug. Unter anderem haben uns Affen das Essen geklaut. Unser Kind war gar nicht mehr aus dem Lachanfall rauszukriegen. Und es gibt jede Menge Farben: das üppige Grün der Natur, die bunte Kleidung der Menschen, grüne Häuserwände mit aufgemalter Werbung, bunt bemalte Busse – oft mit einem Spruch wie „God is great“ – und rote-gelbe Mangos an Straßenverkaufsständen.
Plastiktüten sind in Kenia verboten
Überhaupt wird an den Straßen so ziemlich alles verkauft: Teils im Matsch am Straßenrand stehen Holzbetten, Polstermöbel und Metalltüren. Dazwischen häufig Tiere wie Kühe und Ziegen. Und leider immer wieder Berge von Müll. Und das obwohl Kenia im Kampf gegen Müll an einigen Stellen sehr fortschrittlich ist: Plastiktüten sind verboten.
Kenia umfasst allgemein viele Widersprüche und unterschiedliche Lebensweisen. Es gibt wunderschöne Natur aber auch große Luft- und Umweltverschmutzung. Einerseits leben Menschen in einfachen, teils halb eingefallenen Lehmhütten, kochen über offenem Feuer und arbeiten für sehr wenig Geld. Andererseits gibt es Villen mit Pools, hippe Touristenspots mit Kitesurfing, Yoga und Chillout-Area. Dazwischen Initiativen von Einheimischen und Zugewanderten, um Kenia zukunftsfähig zu machen. Als wohlhabende Touristenfamilie im Land zu sein, blieb für uns nicht ohne mulmiges Gefühl.
Bis zum Schluss haben wir beide Welten nicht gut überein bekommen und waren uns unsicher, ob wir überhaupt das „wirkliche“ Kenia kennengelernt haben. Es war zumindest ein Anfang, der Lust gemacht hat, wieder nach Ostafrika zu reisen, auch mit Kind.

Familienzeit: In Kenia mit Kind ein seltenes Gut
Als Familie alleine wandern und etwas anschauen scheint in Kenia kaum möglich. In den Parks muss ohnehin ein Ranger oder eine Rangerin dabei sein – zum Schutz der Natur und zum Schutz der Menschen vor wilden Tieren.
Auch sonst fehlte uns teilweise Zeit als Familie alleine. Denn ständig sprechen einen Menschen an. Manche versuchen etwas zu verkaufen oder eine Fahrt im Tuk-Tuk anzudrehen. Andere wollen bei etwas helfen (Sachen tragen, Wege zeigen, vor angeblichen Gefahren warnen).
Die meisten Menschen in Kenia sind durchaus sehr nett. Aber sie hatten keine Hemmungen Familienaktivitäten und -gespräche zu unterbrechen. Selbst wenn wir sehr deutlich gemacht haben, dass wir das gerade nicht möchten. Wir fühlten uns dadurch häufig genervt.
Nach diesen vielen Eindrücken nun einmal unsere Stationen in Kenia mit Kind der Reihe nach:
Diani Beach mit Kind
In Diani Beach und dem verbundenen Ort Ukunda kann man noch mehr erleben als Strand. Denn es gibt viele Aktivitäten für Kinder, etwa einen Wasserpark und den Bora Bora Wildlife-Tierpark, in dem man Giraffen füttern und sogar übernachten kann. Manche der großen Hotels und Resorts bieten auch Kids Clubs und Babysitter-Dienste an.
Wir besuchten an unserem ersten Tag mein Patenkind. Leider waren gerade Ferien, aber wir durften dennoch die Schule besichtigen und mit dem Direktor sprechen. Dabei haben wir einiges über das kenianische Schulsystem erfahren.

Affen-Auffangstation Colobus Conservation
Tag zwei führte uns morgens zur Colobus Conservation. Die Organisation päppelt unter anderem verletzte Affen auf, bis sie wieder in die freie Wildbahn können. Außerdem baut sie Affenbrücken über die Straßen, damit die Tiere sicher passieren können. Die vielen Häuser und Straßen nehmen den Affen den Lebensraum, erzählt Maria, die uns über das Gelände führt. Wer will, kann eine Affenpatenschaft übernehmen. Auch mehrere Tage oder gar Wochen ehrenamtlich mitarbeiten und vor Ort übernachten ist möglich.
Um Affen zu sehen, muss man in Kenia mit Kind allerdings nicht an einen speziellen Ort gehen. Bei uns liefen sie teils über den Balkon und warfen die Stühle um. Auch am Straßenrand begegnet man den Affen immer wieder.
Heiliger Wald: Kaya Kinondo Sacred Forest
Am dritten Tag bin ich ohne Kind per Tuck-Tuck zum Kaya Kinondo Sacred Forest gefahren. Der Wald gilt als heiliger Wald der Volksgruppe der Digo. Kaya heißt so viel wie Zuhause. Während der Führung durch den Wald erfährt man viel über die Bräuche der Volksgruppe und über Pflanzen im Wald. Außerdem kann man in Lianen schaukeln.
Für mein vierjähriges Kind wäre der Rundweg vermutlich etwas lang und etwas langweilig gewesen. Mit älteren Kindern ist es aber sicher spannend. Der Rückweg führte knapp zwei Stunden komplett am Strand entlang mit Zwischenstopp in einem Café.
Wasserfall in Shimba Hills
Einer der oft angebotenen Ausflüge ab Diani führt zum Naturpark Shimba Hills mit seinen Wasserfällen. Im Shimba Hills Park leben nicht so viele Tiere wie in den großen Safariparks. Aber es gibt einen interessanten Wasserfall (Sheldrick Falls), zu dem man circa eine Stunde lang wandert.
Die geführten Wanderungen starten um 10 und 14 Uhr. Wer sich privat nach Shimba fahren lässt oder sogar selbst fährt statt an einer organisierten Tour teilzunehmen, sollte allerspätestens um 9.30 Uhr oder 13.30 Uhr am Gate des Parks sein. Die Anmeldung in den Parks beansprucht oft etwas Zeit.

Meeresnationalpark Kisite Mpunguti: Delfine und Korallenbleiche
Ein weiterer Ausflug von Diani Beach führt in den Kisite Mpunguti Meeres-Nationalpark. Man fährt gen Süden zum Ort Shimoni. Auf halbem Weg liegt das Fischerdorf Msambweni (siehe unten). Von Shimoni geht es mit einem Schiff los. Es gibt verschiedene Anbieter. Wir sind mit Pilli Pipa gefahren. Bis zum ersten von zwei Schnorchel- und Tauchspots dauerte die Fahrt etwa eine Stunde. Aber sie wird durch Delfine verkürzt.
Getrübt war das Erlebnis durch die Korallenbleiche. Aufgrund des Klimawandels ist das Wasser zu warm und die Korallen verlieren ihre Farbe. Ein trauriger Anblick. Und natürlich ist es von uns moralisch heuchlerisch, dies zu betrauern, nachdem wir selbst gerade durch unseren Langstreckenflug nach Kenia mit Kind unser CO2-Budget fürs Jahr überstiegen haben….
Safari in Kenia mit Kind
Die Safari Parks Tsavo East und Tsavo West
Die Hauptgrund für eine Kenia-Reise ist für die meisten Menschen allerdings nicht das Meer, sondern eine Safari. Wer in Kenia mit Kind auf Safari gehen will, hat die Qual der Wahl zwischen zahlreichen Safariparks. Wir haben die beiden Parks genommen, die am nächsten an Diani liegen: Tsavo East und West, drei Tage mit zwei Übernachtungen.
Tsavo East ist vor allem bekannt für Elefanten. Aber es gibt auch andere Tiere. Wir haben zunächst dutzende Antilopen gesehen. Bis zu den ersten Elefanten hat es gedauert. Dafür wurden unsere Erwartungen bei anderen Tieren übertroffen: Giraffen, Zebras, Gazellen, Vögel, Büffel.
Tsavo West ist wesentlich hügeliger als Tsavo East. Allerdings lockt Tsavo West nicht nur mit einer anderen Natur. Hier haben wir auch mehr Giraffen und sogar Löwen gesehen.

Unterkünfte bei der Safari in Kenia mit Kind
Zum Übernachten gibt es in beiden Parks mehrere Zeltcamps mit befestigten großen Zelten (mit Betten drin) sowie Lodges, die eher hotelähnlich sind. Wir haben uns für Zeltcamps entschieden und darauf geachtet, dass sie Wasserlöcher haben, damit man fürs Tieregucken nicht immer im Auto sitzen muss.
Allerdings waren wir wie erwähnt während der Regenzeit da. Zu dieser Zeit sieht man an den Wasserlöchern weniger Tiere, da sie überall Wasser finden. Wir haben in beiden Camps gar keine Tiere gesehen.
Das Sentrim Camp in Tsavo East können wir trotzdem auf jeden Fall empfehlen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, das Personal ist sehr nett und die Verpflegung am Büffet sehr gut und ohne langes Warten.
Das gehypte Severin Camp in Tsavo West traf hingegen nicht unseren Geschmack als Familie. Wer Wellness, A la Carte-Essen und teure Extras mag, ist hier richtig. Zu uns passte es nicht. Der Pool, der uns wichtig war, damit das Kind sich austoben kann, war geschlossen. Vegetarisches oder veganes Essen waren kaum möglich. Freundlich waren hier vor allem die Masai, die uns nach Einbruch der Dunkelheit begleiteten (das Camp ist nicht eingezäunt). Allerdings gab es in der Umgebung des Camps während der sogenannten Game Drives, den Pirschfahrten, viele Tiere zu sehen. Eindeutig ein Punkt für das Camp.

Unser Safari-Anbieter
Gefahren sind wir mit Marco Polo Safaris, da das Angebot günstig und die Reviews gut waren. Auch das Vorgespräch mit dem Inhaber war sehr hilfreich. Viele andere Touristinnen und Touristen fahren mit dem deutschsprachigen Anbieter dm-Tours.
Unser Driver Michael war zwar nicht sehr gesprächig und auch nicht deutschsprachig wie eigentlich geplant, aber nett und sehr gut darin, Tiere zu entdecken. Mehrfach harrten wir auf Michaels Tipp bei Tieren aus, um abzuwarten, was noch passiert, während andere Autos schon weiterfuhren. Dadurch erlebten wir als einzige, wie sich eine Gruppe Löwen aus dem Dämmerschlaf erhob, um eine Hyäne zu jagen. Unmittelbar neben und vor unserem Auto – ein Gänsehaut-Moment.

Praktische Tipps für eine Safari mit Kind in Kenia
- Auf Safari sollte man nur mit Kindern gehen, die es mehrere Stunden lang im Auto aushalten. Dabei sind weniger die Fahrten in den Parks das Problem (hier kann man Stehen und Tiere gucken), sondern – was wir so nicht erwartet hätten – die langen Strecken zwischen den Parks und anderen größeren Orten.
- Auf gar keinen Fall auf die Angaben bei Google Maps verlassen! Auch bei den Angaben der Safari-Anbieter ist Vorsicht geboten. Wer genau wissen will, wie lange die Strecken dauern, muss sehr genau und penetrant nachfragen. Wer in den Camps Zeit zum Ausruhen zwischen Pirschfahrten haben will, sollte früh losfahren.
- Bei unserem Kind haben die langen Fahrten problemlos geklappt. Die Fenster waren so groß und niedrig, dass das Kind gut rausschauen konnte. Eine Menge Hörspiele haben die Zeit verkürzt. Zu empfehlen ist es, Ferngläser für Kind und Erwachsene mitzunehmen.
- Wer nicht weit fahren will, ist vielleicht nur mit Tsavo East gut beraten. Denn die Fahrt von Tsavo West (zurück) nach Diani ist deutlich länger. Wir waren trotz langer Fahrt froh, beide Parks besucht zu haben.

Fischerdorf Msambweni: Jenseits des Touristentrubels
Nach drei Tagen Safari in Kenia mit Kind sind wir im Fischerdorf Msambweni eingekehrt, das rund 30 Autominuten südlich von Ukunda / Diani Beach liegt. Msambweni gilt als Dorf. Aber wir waren überrascht, wie viele Hütten es umfasst.
Am Strand von Msambweni kann man jeden Morgen und Nachmittag die Fischer beobachten. Statt Touristinnen und Touristen trifft man hier Einheimische. Auch viele einheimische Kinder spielen am Strand. Direkt am Strand sind in erster Reihe jedoch kleinere touristische Unterkünfte angesiedelt.
Ebbe und Flut zeigen sich in Msambweni deutlicher als in Diani Beach. Das Wasser ist abgesehen von Wasserlöchern stundenlang weg. Dafür konnten wir interessante Wanderungen über das „Watt“ machen. Hier haben wir zum ersten Mal gesehen, wie die Zähne eines Seeigels aussehen und gefühlt, wie sich Seegurken anfühlen. Auch lassen sich tolle Muscheln „sammeln“ – zum Schutz der Küste dürfen Muscheln in Kenia allerdings nicht als Andenken mitgenommen werden.

Gang durch die Mangroven
Eine Fraueninitiative bietet in Msambweni einen geführten Spaziergang über einen Holzsteg in den Mangroven an (Mangrove Walk). Im Anschluss zeigte uns unsere Führerin noch ein zerfallenes Gebäude, das früher als Sklavengefängnis diente. Ihre Geschichten waren teils recht schauerlich (eingemauerte schwangere Frau, Zähne im Boden), so dass ich froh war, dass mein Kind noch kein Englisch verstand.
Ein Tipp unserer Gastgeber war es, das Kinderheim Nice View zu besichtigen. Hier sollte man aber vorher anrufen.
Wenig Schlaf, viel Rauch
In Msambweni lässt sich kenianisches Leben näher erleben als in Diani Beach. Man muss nur durch die kleinen Dorfstraßen und -wege gehen und versuchen, etwas an den kleinen Mini-Kiosken zu kaufen. Besonders mit Kindern lässt sich einfach in Kontakt kommen. Sie rufen überall „Hello, how are you?“
Deutlich spürbar war das Dorfleben für uns (leider) akustisch: Teils ab morgens um vier Uhr rissen uns die stundenlang andauernden Rufe der Muezzins aus dem Schlaf. Abends war am Wochenende die Musik von Hochzeiten zu hören. Ein Grund neben langen Fahrten, Beach Boys und Co., warum der Urlaub nicht der erholsamste war.
Außerdem litten wir unter starkem Rauch. In der ganzen Region ist die Luft an vielen Orten rauchgeschwängert. An den Straßen und vor den Hütten wird auf offenem Feuer gekocht, Grünabfälle und anderer Müll werden verbrannt teils mangels besseren Wissens, teils mangels Müllabfuhr. In Msambweni räucherten die Fischer zudem mehrfach Boote an, um sie zu imprägnieren.

Watamu: Gummibaumwald, Schnorcheln und Schildkröten
Die schlechte Luft war für uns auch ein Grund nicht so lange in Msambweni zu bleiben wie eigentlich geplant. Stattdessen ließen wir uns von unserem privaten Driver Josef, den wir gerne empfehlen, etwas weiter nach Norden fahren: nach Watamu. Auf dem Weg dahin – der mal wieder vieeeel länger dauerte als wir dachten – bekamen wir quasi eine Stadttour durch Mombasa.
In Watamu gingen wir nochmal Schnorcheln und besuchten den Wald Arabuke Sokoke, in dem mein Kind völlig von den gummimachenden Bäumen begeistert war. Außerdem gibt es in Watamu eine Schildkröten-Schutz-Organisation mit Schildkröten-Krankenhaus (vorher digital anmelden – eine Spendenbescheinigung wird automatisch zugeschickt). Die Führungen an beiden Orten – Wald und Schildkröten waren eher informativ als mitreißend oder pädagogisch durchdacht – sprich: für kleine Kinder eher langweilig.
Interessant fand unser Kind allerdings das Mittagessen am sogenannten Lichthaus-Café und -Restaurant, ein Hipster-Touristen-Hotspot. Es steht auf Stelzen zwischen Mangroven, und man isst auf großen Polstern auf dem Boden. Anschließend kann man sich in Hängematten über dem Wasser legen oder schwimmen gehen.
Urlaubsausklang am Galu Strand in Kenia mit Kind
Unsere letzten Urlaubstage verbrachten wir dann wieder am Galu-Strand mit Sandburgenbauen und Sandkugel-Schlachten, einer ersten Windsurfing-Stunde und Sternegucken. Nach all den Tagen des Fahrens tat es gut, an einem Fleck zu sein, so dass wir am Schluss doch noch entspannen konnten.

Malariaprophylaxe für Kinder – ja oder nein?
Aber da war doch noch was: die Malaria. Wie erwähnt ist Kenia offiziell größtenteils Hochrisikogebiet, für das chemische Prophylaxe in Tablettenform empfohlen wird. Zugelassen ist die Prophylaxe für Kinder ab etwa zwei Jahren. Da Kinder unter fünf Jahren besonders oft an Malaria sterben, hatten wir beschlossen, frühestens kurz vor dem fünften Geburtstag zu fahren.
Zu Anfang der Reiseplanungen stand für uns als Eltern außer Frage, dass wir und das Kind die Prophylaxe nehmen werden. Allerdings berichteten uns dann alle Bekannten, die schon mal in Kenia waren oder dort leben, dass Malaria kein so großes Problem sei und sie auf Prophylaxe verzichten würden. Ja, manche Bekannte erzählten, sie hätten nie eine Mücke gesehen.
Daher fuhren wir los mit dem Medikament als sogenanntes Standby-Medikament im Gepäck, das heißt ein Medikament, das man bei Malaria oder Malariaverdacht anwendet. Doch schon nach zwei Tagen war uns klar: zu viele Mücken, zu viele Löcher in Mosquitonetzen, zu viele Stiche trotz Mückenschutz-Cremes und Sprays und imprägnierter Kleidung…
Kurz: Uns war es ohne Malaria-Prophylaxe viel zu heikel. Daher haben wir die Tabletten eingenommen. Nebenwirkungen hatte keiner von uns. Uns schien es so sicherer, die Vielfalt Kenias ohne Sorge kennenlernen zu können. Und Kenia kennenzulernen lohnt sich wirklich.

