(Mit Kind in) Big Sur – das große Nichts an Kaliforniens Küste

Ergriffen, erstaunt, entspannt und entschleunigt – diese Gefühlsreaktionen hat Big Sur bei mir ausgelöst. Die einsame kalifornische Küstenlandschaft war der letzte Abschnitt der Panamericana, den ich bei meiner Weltreise allein mit Kind durch die drei Amerikas befahren habe. Jetzt hat ein trauriger Anlass die Erinnerungen an eine erstaunlich entspannte Woche in Kalifornien mit Kind in Big Sur geweckt. Der legendäre Highway Number One, der die Küste erschließt, ist für Monate nicht befahrbar. Ein Erdrutsch hat die kurvige Küstenstraße am Mud Creek in den Pazifik gespült.

Die Nachricht hat mich geschockt. Eine der absoluten Traumstraßen der Welt ist vorerst unterbrochen, und das noch dazu an einer der absoluten Traumstellen: Mitten in Big Sur, dem großen Nichts zwischen San Francisco und Los Angeles, um das sich Legenden ranken und das selbst Legenden hervorgebracht hat.

Während meiner viermonatigen Reise entlang der Panamericana allein mit Kind war die Woche in Big Sur einer der erstaunlichsten und zugleich entspanntesten Abschnitte. Die Landschaft hat mich wirklich ergriffen. Hinter jeder Kurve und hinter jedem Berg bietet sich ein neuer fantastischer Ausblick. Auf den rund hundert Meilen zwischen San Simeon im Süden und Carmel by the Sea im Norden haben wir so oft angehalten, wie auf keinem anderen Abschnitt unserer Tour. Zu meinem Erstaunen ist die Natur hier fast unberührt. State Park reiht sich an State Park. Nur sehr selten liegen einzelne Anwesen links oder rechts des legendären Cabrillo Highway, bekannt als Highway Number One. Tankstellen sucht man ebenso vergeblich wie Wifi- oder Mobilfunknetz.

Kalifornien mit Kind – in Big Sur entschleunigen

In dieser Abgeschiedenheit lässt sich wunderbar entspannen. Dass es zu dieser komplett entschleunigten Woche in Big Sur kam, habe ich dem unterwegsmitkind-Sohn zu verdanken. Er hatte sich – vermutlich in Disneyland – eine fiebrige Grippe eingefangen und brauchte ein paar Tage zum Auskurieren. Klar war, dass der Ritt von L.A. in den teils noch schneebedeckten Yosemite Nationalpark dazu nicht geeignet war. Ich sagte also den dort vorausgebuchten Campground ab und steuerte stattdessen Big Sur an. Dort haben wir eine Woche lang nicht viel mehr als Spaziergänge, Strandpicknicks und Lagerfeuer am Wohnmobilstellpaltz gemacht – abgerundet von Besuchen bei kalifornischen Seehunden am Anfang und am Ende der Woche. Trotz der wenigen Attraktionen war es eine absolut intensive Woche, in der wir beide auch schon begannen, unsere lange Reise innerlich abzuschließen.

All diese Erinnerungen hat die Nachricht von dem Erdrutsch am Mud Creek geweckt, die ich bei Spiegel Online entdeckt hatte. Was also liegt näher, als endlich die lange versprochenen Eindrücke aus Big Sur mit euch zu teilen. Weil die Gegend so malerisch ist, dass sie mich fast sprachlos macht, und weil Big Sur zugleich so extrem wenig Attraktionen bietet – außer der unglaublich schönen Küstengebirgslandschaft – will ich jetzt nicht mehr viele Worte mehr verlieren, sondern Bilder sprechen lassen.

Mit Kind in Big Sur - San Simeon, Kalifornien, Seeelefanten

Brüllender See-Elefant in einer großen Kolonie bei San Simeon, Big Sur, Kalifornien. Er ist nicht der einzige.

Kalifornien mit Kind in Big Sur - See-Elefanten Kolonie

Mehrere Hundert See-Elefanten hatten es sich an der Küste bei San Simeon im Sand bequem gemacht. Um einen Bullen gruppieren sich immer mehrere, deutlich kleinere Weibchen.

Küste in Kalifornien mit Kind - Big Sur bei San Simeon

Die Nachbarbucht scheint dagegen selbst den geschicktesten Schwimmern unter den See-Elefanten zu felsig zu sein. Auch von oben ist sie durch Stranddisteln nur schwer zugänglich.

Hinter San Simeon steigt die Straße in stetigen Kurven merklich an. Lupinenbüsche säumen den einsamen Straßenrand vor Gorda – dem letzten Ort mit Tankstelle für die nächsten 70 Meilen.

Auf der Landseite blüht es im Frühling üppig. Lila Blumen und kalifornischer Mohn – auch Goldmohn genannt – bilden einen bunten Blütenteppich.

Rund um den Kirk Creek in Big Sur

Big Sur - Sand Dollar Beach

Diese außerirdisch anmutenden Strandbewohner waren fast unsere einzigen Nachbarn am Sand Dollar Beach. Wer dort etwas in die Felsen klettert, kann Sanddollars finden. Wir haben uns stattdessen beim Strandpicknick mit unseren kleinen Nachbarn auf Augenhöhe begeben. Bis heute habe ich aber nicht herausgefunden, um welche Tiere oder Pflanzen es sich handelt – für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar.

Wenig weiter nördlich gibt ein Aussichtspunkt noch einmal die Sicht auf die Küste in Richtung Süden frei. Sandige Buchten wechseln sich mit felsigen Steilküsten ab.

Kalifornien mit Kind in Big Sur - Wanderweg zur Felsenküste

Durch dicht bewachsenes Gelände führt der Weg zum nächsten „Strand“: einem felsigen Abschnitt am Kirk Creek.

Am Ende des Weges stehen wir vor diesem Felsentor an der nebligen Küste von Kalifornien mitten in der Wildnis von Big Sur. Das Wasser kommt zu wuchtig und zu nah, als dass wir es wagen würden hindurch zu gehen. Spaß macht es aber, an der Felsenküste entlang zu klettern.

Kalifornischer Mohn - Big Sur

Diese kleine Schönheit treffen wir, als wir unseren Spaziergang am nächsten, nebligen Morgen bergauf fortsetzen. Die hügelige Wiese ist übersät mit Blumen in allen Farben.

Grauhörnchen in Kalifornien - mit Kind in Big Sur

Auch das Grauhörnchen läuft mir bei diesem Spaziergang in Kalifornien mit Kind in Big Sur am Kirk Creek vor die Kamera. Es bleibt nicht allein.

Und schließlich lichtet sich der Nebel und gibt den Blick auf den weiteren Küstenverlauf in Richtung Nord(West)en frei.

Auf den Spuren der Pionierfamilie Pfeiffer

Nur ein Zwischenstopp auf unserem Weg zum nächsten Campground ist diese Bucht. So einen Ausblick aus dem Schlafzimmer können sich wohl nur Millionäre leisten. Das Ehepaar McWay hatte ihn. Deshalb ist der Wasserfall am Strand auch nach ihnen benannt. Weil Mrs. McWay jedoch eng mit der Pioniertochter Julia Pfeiffer Burns befreundet war, trägt der komplett renaturierte State Park, in dem diese Traumbucht liegt, den Namen der Einheimischen. Wo das Haus der McWays stand, genießen heute Besucher den Blick.

Wenn man vom Aussichtspunkt in die andere Richtung schaut, blickt man auf die Hinterlassenschaften eines Erdrutsches. Auf dem sandigen Abhang fassen erste Pflanzen Fuß. Die Straße musste verlegt werden.

Etwas weiter nördlich im Pfeiffer Big Sur State Park folgen wir dem Fluss Big Sur durch blühende Wiesen bis zu seiner Mündung an einem einsamen Strand ins Meer.

Im Landesinneren am Campground des State Parks springt der Fluss wild über Felsen.

Eine der ältesten Brücken auf dem Highway Number One. Die Straßenbauer mussten schon vor knapp 100 Jahren Meisterleistungen abliefern, um diese Traumstraße zu schaffen – und sie tun es weiterhin, um sie zu erhalten.

Am nördlichen Ende von Big Sur, kurz vor Carmel on the Sea, treffen wir am Point Lobos noch einmal auf eine Robbenkolonie. In dem State Park ziehen kalifornische Seehunde ihre Jungen auf.

Übrigens: Die letzten drei Stateparks sind nach wie vor von Norden her zu erreichen. Kirk Creek scheint derzeit jedoch vom Highway Number One aus Norden abgeschnitten zu sein. Die Gebirgsstrecke dorthin ist für Wohnmobile nicht empfohlen.

5 Kommentare

  1. Unglaublich schön, wie im Paradies (so stell ichs mir wenigstens vor :P) Als große Fans von wunderschönen Naturlandschaften begeben wir uns demnächst auf eine Motorradtour Dolomiten 😀 da erwarte ich auch tolle Eindrücke von. Mit Kindern ist es wahrscheinlich nicht möglich, oder? 😀 Ich freue mich darauf, nach dieser Reise, auch Ziele anzusteuern, die weiter weg sind. Danke für die Inspiration!

  2. Schöner Bericht und ganz tolle Bilder. Am besten hat mir das Foto mit den vielen faulenzenden See-Elefanten gefallen. Nur schade, dass ihr den Highway No 1 nicht fahren konntet. Eine sehr schöne Strecke.
    Ach, die außerirdischen Strandbewohner habe ich auch noch nie gesehen.

    LG Tanja

    • Liebe Tanja,
      wir konnten den legendären Highway No. 1 ja noch fahren – sonst wären wir gar nicht an diese Orte gekommen. Kirk Creek ist derzeit quasi nicht erreichbar. Das gilt aber erst seit ein paar Monaten. Wann die Panamericana auf diesem Stück wieder befahrbar sein wird, steht allerdings wohl noch nicht fest.
      Liebe Grüße
      Angela

  3. wunderschöne bilder! ich kann deine sehnsüchtigen beschreibungen sooo gut nachvollziehen: big sur ist mein happy place <3
    wir haben (vorm kind) 3 jahre in san francisco gelebt und es hat mich immer wieder hierhin gezogen. wir sind diese strecke unzählige male gefahren und es wurde nie langweilig! es gibt einfach soo viel zu entdecken und zu erwandern und auch ganz fantastische campgrounds, einmal haben wir sogar direkt über den mcway falls gezeltet (da muss man sich allerdings mit ewig langer warteliste für anmelden). dieses fleckchen erde hat seinen ganz eigenen rhythmus =D.

    ich war von den nachrichten des erdrutsches auch ganz erschüttert und hoffe, die aufräumarbeiten gehen gut voran. freue mich schon darauf, big sur auch meiner tochter eines tages zu zeigen <3

  4. Liebe Gela, das ist traumhaft. Grundsätzlich kann man mich mit Stränden nicht unbedingt fangen, aber diese Landschaft scheint viel mehr zu sein als einfach Strand.
    Liebe Grüße,
    Maria

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