Entspannt reisen mit Kindern alleine – Wie geht das?

Entspannt reisen mit Kindern alleine

– Roundup Teil 2 –

Reisen mit Kindern alleine – das ist doch keine Erholung, sondern Stress pur. Dieses Vorurteil ist so weit verbreitet, dass selbst in reisefreudigen Familien Eltern mitunter davor zurückschrecken, allein mit dem Kind oder den Kindern zu verreisen. Doch bei 12 Wochen Schulferien pro Jahr reichen die Urlaubstage der Eltern oft nur für wenig gemeinsame Reisezeit aus. Deshalb macht wohl früher oder später jede Mama und jeder Papa mit einem Quentchen Reiselust die Erfahrung, wie es ist, allein mit Kind/ern zu verreisen. Und dann kommt die Erkenntnis: Alles halb so schlimm! Das macht ja sogar Spaß!

Es ist ja mitunter schon nicht leicht, als Paar mit Kindern entspannt zu reisen, zum Beispiel wenn das eine Kind gerade in der späten Trotzphase und das andere am Beginn der Pubertät steht. Aber wie geht das dann erst allein mit Kind? Während ich selbst es ja nicht anders kenne, war ich doch neugierig, wie Eltern das erleben, die gewöhnt sind als klassische Mutter-Vater-Kind(er)-Familie zu reisen. Wenn euch interessiert, wie Singlemamas auf Reisen mit ihren Kids entspannt bleiben, dann lest in Teil 1 dieses Roundups nach.

Hier erfahrt ihr:

  • Wie Lena sich beim Reisen mit Kindern alleine langsam immer mehr traut.
  • Wie Sabine bei einer Reise allein mit Kind schon mal alle Pläne über Bord werfen musste.
  • Wie Marc lange Autofahrten mit Kind alleine stressfrei gestaltet.
  • Mit welchem Rezept Tina sich das Reisen mit 3 Kids alleine leicht macht.
  • Wie Jenny solo mit drei Kindern im Zug klarkommt.

Wie Lena sich beim Reisen mit Kindern alleine langsam immer mehr traut

Lena von family4travel.de hat sich ganz langsam an das Reisen mit Kindern alleine herangetastet – und findet es nun ganz entspannt:

Normalerweise sind wir ganz klassisch zu viert unterwegs: Mama, Papa und zwei Kinder. Und ganz ehrlich: Ich habe mich lange davor gedrückt, alleine mit den Jungs zu reisen. Ich war zwar immer mal mit ihnen unterwegs, bin mit dem Zug zu meiner Schwester nach Dresden gefahren (mehr darüber), oder mit dem Auto hoch an die Ostsee zu Oma und Opa. Aber vor Ort war dann immer jemand da. Der nächste Schritt kam, als wir Einladungen zu Blogger-Events angenommen haben. Da waren wir dann zwar allein zu zweit oder dritt, aber alles war organisiert, für Frühstück und Abendessen gesorgt, und es gab ein festes Rahmenprogramm.

Wirklich ganz auf uns allein gestellt in einer Selbstverpfleger-Unterkunft waren wir jetzt das erste Mal in den Sommerferien auf Usedom. Und es hat prima geklappt! Die Jungs sind mittlerweile alt genug, um zu verstehen, dass sie mit anpacken müssen. Der eine wäscht ab, der andere trocknet ab, und ich lese ihnen dabei aus dem neuen Harry Potter vor. Es waren herrlich entspannte Tage, obwohl es eine berufliche Recherchereise war und wir eine stramme Agenda hatten mit Dingen, die unbedingt klappen mussten. Aber dadurch, dass wir uns über Jahre hinweg langsam an die Situation rangetastet haben, fühlte es sich nicht an wie ein großer Schritt.

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Copyright: Family 4 Travel

Wie Sabine bei einer Reise mit Kind allein schon mal alle Pläne über Bord werfen musste

Dass man Reisepläne allein mit Kind manchmal umwerfen muss, hat Sabine von Gecko Footsteps schon erlebt:

„Wir reisen zwar oft als komplette Familie, doch mindestens ebenso häufig bin ich alleine mit Kind unterwegs. Als Freiberuflerin bin ich da einfach ein wenig flexibler als mein Mann. Mein Sohn ist mittlerweile 9 Jahre alt und das Reisen mit ihm ist wahnsinnig unkompliziert und einfach. Er hat Spaß daran, macht alles mit, ist schnell zu begeistern und sofort Feuer und Flamme, wenn ich eine neue Reise plane. Er hat noch nie gesagt: „Ich habe keine Lust zu reisen und möchte zuhause bleiben!“

Mein Patentrezept für eine entspannte Reise mit Kind ist eine gute Mischung aus Unternehmungen und Ruhephasen. Relaxen kommt auf unseren Reisen nie zu kurz. Besichtigungen und Ausflüge wechseln sich mit entspannten Tagen ohne großes Programm ab (z. B. am Pool, am Strand oder indem wir uns einfach nur völlig planlos in einem neuen Ort treiben lassen). Auf meinem Blog findest Du auch 5 Tipps für entspanntes Reisen mit Kind.

Logistik zum Verzweifeln

Meine erste Reise alleine mit Kind habe ich gemacht, als mein Sohn zwei Jahre alt war. Die Reise ging nach Mallorca. Der logistische Aufwand hat mich an den Rand der Verzweiflung gebracht. Ich habe in der Baby- und Kleinkindzeit einfach immer viel zu viel mitgenommen. Wir besuchten auf Mallorca eine Hochzeit. Das würde ich tatsächlich nicht noch einmal machen. Als einzelner Elternteil mit einem Baby oder Kleinkind eine Hochzeit zu besuchen ist einfach zu stressig. Nicht für meinen Sohn, der hatte Spaß hoch zehn. Ich wurde aber ganz schön auf Trab gehalten.

Meinen größten Stressmoment beim alleinigen Reisen mit Kind habe ich tatsächlich erst letztes Jahr erlebt, als wir nach Marokko fliegen wollten. Mein Sohn wurde krank und hatte Bauchschmerzen. Genau zum Boarding weinte er lauthals vor Schmerzen und übergab sich auf der Toilette des Flugzeugs. Mir brach der kalte Schweiß aus und es schwirrten 1000 Gedanken in meinem Kopf herum (kleine Magenverstimmung? Blinddarm? Arzt an Bord? Notfall = Notlandung? Krankenhaus in Marokko?). Wir brachen die Reise ab und stiegen wieder aus.

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Copyright: Gecko Footsteps

Wie Marc lange Autofahrten mit Kind alleine stressfrei gestaltet

Marc von reisezoom.com hat schon mehrere 1000 Kilometer Autofahrt alleine mit seinem Sohn hinter sich. Wie er das entspannt gestaltet, erfahrt ihr hier:

Als mein Sohn fast 2 Jahre alt war bin ich mit ihm alleine zur Oma gefahren. Gut, ich war nur während der Fahrt alleine – 650 km ohne Mama sind aber schon eine Hausnummer! Das war das einzige Mal, dass ich vorher Angst hatte.

Klappt das? Eine Weile nur mit mir und der Oma (die er kaum kennt) und vor allem kriege ich die Fahrt ohne Geschrei durch?

Damals (wie heute) versuchte ich, in die Nacht hineinzufahren, damit der Kurze schläft und ich meine Ruhe habe. Die Nacht kam wie geplant, an Schlafen war aber nicht zu denken. Stattdessen laberte mich der kleine Mann in einem nicht endenwollenden Schwall von mehr oder weniger verständlichen Sätzen voll.

Mit der richtigen Einstellung läufts

Damit es nicht langweilig wurde, hielt ich immer wieder an und wir hüpften auf den Parkplätzen herum, bis er dann doch müde genug war und eine Runde schlummerte.

In der Zwischenzeit ist er 5 Jahre alt und ich war vor Kurzem mit ihm eine Woche lang ohne Mama in Frankreich (mehr dazu).

Ich hatte mich schon vorher darauf eingestellt, dass ich nicht viel Zeit für mich haben würde und so kam es dann auch. Die Zeit für mich holte ich mir auf der Sitzbank am Rande des Spielplatzes oder am Strand in meiner Funktion als »Life Guard«. Ganz selten ist er abends auch deutlich vor mir eingeschlafen, dann konnte ich ein Buch lesen oder etwas arbeiten.

Stressig war es nie, und so richtig vorstellen kann ich mir auch nicht, dass es stressig wird. Geht man mit der richtigen Einstellung an solch eine Tour bzw. Reise heran, dann läuft es auch.

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Copyright: Reisezoom

Wie Tina sich das Reisen mit 3 Kindern alleine leicht macht

Tina von lifeforfive.com hat ein ganz einfaches Prinzip, das ihr das Reisen mit Kindern alleine auch mit zwei Kids und einem Baby leicht macht:

Ich bin jedes Jahr im Sommer meistens ein bis zwei Wochen alleine mit den Kids unterwegs, da Daniel nicht so viel Urlaub hat. Ein Woche verbringen wir dann immer noch gemeinsam. Im Winter kommt aus dem gleichen Grund meist eine Woche alleine mit Kindern beim Skifahren hinzu (mehr darüber). Dabei gab es auch schon Situationen, die mich richtig ins Schwitzen gebracht haben, zum Beispiel als die Große beim Campen auf sich, mich und ihre Schwester erbrochen hat und wir unbedingt duschen mussten, während das Baby allein im Camper schlief – und zum Glück weiterschlief…

Ein Rezept habe ich aber dennoch, um es mir leichter zu machen: Wir versuchen immer nach dem Motto „Weniger ist Mehr!“ zu reisen. Vor allem wenn ich mit den Mädels alleine unterwegs bin, haben wir so eine viel entspanntere Zeit.

Weniger ist mehr

Damit meine ich: Sich weniger vor nehmen (Ausflüge, Sehenswürdigkeiten). Weniger Erwartungen (an die Kinder und an sich selber. Es muss nichts perfekt sein!). Weniger mitnehmen (Kleidung, Spielzeug; vor Ort gibt es meist genug zu entdecken). Den Tag langsam beginnen (Zähne putzen und Haare kämmen ist Mittags mindestens noch genau so gut ;-). Und vielleicht noch weniger Ortswechsel (wenn man mobil unterwegs ist)

Zudem entspannt es mich ungemein, wenn ich am Abend bereits Dinge für den nächsten Tag herrichte (Kleidung für die Kinder rauslegen, Prüfen ob für die Verpflegung vom Baby alles an Ort uns Stelle ist (Windeln, Feuchttücher, Fläschchen, Milchpulver, Thermoskanne mit heissem Wasser, Flasche mit abgekochtem Wasser, Brei, Löffel, Schale, Schnuller).

Und ganz wichtig (darin übe ich mich auch noch immer): „Um Hilfe bitten!“ Man muss nicht alles alleine machen, und noch dazu perfekt. Oft helfen einem Dritte gerne, wenn man sie fragt.

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Copyright: Life for Five

Wie Jenny mit drei Kindern im Zug klarkommt

Jenny von weltwunderer.de verrät, warum sie bei ihren Reisen ohne Mann mit Kids eigentlich gar nicht allein ist.

Ich verreise hin und wieder allein mit meinen drei Kindern, weil mein Mann leider nicht so frei über seine Zeit verfügen kann wie ich (ätsch). Meistens nutzen wir diese Reisen, um gemeinsam mit anderen Familien neue Städte zu entdecken oder Freunde zu besuchen – so wirklich allein sind wir dabei also in der Regel gar nicht. Manchmal mache ich mich aber auch ganz allein mit der Jüngsten auf, weil die anderen ja leider nur in den Schulferien Urlaub machen dürfen.

Was ich wirklich ungern mache: lange Autofahrten, wenn kein anderer Erwachsener dabei ist. Ich habe immer Sorge, was da auf der Rückbank passiert, wenn ich nicht eingreifen kann – oder was passiert, wenn ich mich dann doch ablenken lasse. Deshalb fahre ich, wenn ich allein mit den Kindern verreise, eigentlich immer Zug. Das ist perfekt, weil ich mich ganz auf die Kids konzentrieren kann, und sie fahren ja auch noch komplett kostenlos.

Eine große Schwester ist Gold wert

Zuletzt war ich allein mit meinen beiden Großen (die waren 6 und 10 Jahre alt) und dem Weltwunderbaby in Berlin und Stralsund (mehr dazu). Das Erfolgsrezept für eine relativ entspannte Reise verbirgt sich in genau diesem Satz: Ich finde es viel leichter, wenn man beim Reisen mit Baby auf die Unterstützung älterer Geschwister zurückgreifen kann. Meine große Tochter ist so routiniert im Umgang mit ihrer kleinen Schwester, dass ich sie auf Reisen schamlos als Au-Pair-Ersatz nutze 😉

Sie ist mein zweites Paar Augen, wenn ich gleichzeitig nach dem tapsenden Baby und dem herumhopsenden Bruder schauen muss, sie sagt fleißig die Haltestellen an und zählt mit, wann wir aussteigen müssen. Im Zug passt sie auf ihren kleinen Bruder auf, wenn ich mit dem Baby zur Toilette muss, oder sie hilft mir dabei, Buggy und Rucksack in den Waggon zu hieven (was unheimlich unbequem ist, wenn man ganz allein mit Baby im IC fährt!).

Eine große Schwester kann ich allein allein reisenden Eltern wirklich empfehlen!

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Copyright: Weltwunderer

Und jetzt seid ihr dran: Habt ihr auch Tipps, wie man als einzelner Erwachsener auf Reisen mit Kindern die Ruhe und die Oberhand behält? Dann lasst sie uns wissen! Habt ihr selbst einen Blog? In unregelmäßigen Abständen wird dieser Roundup-Post fortgesetzt.

4 Kommentare

  1. Liebe Gela,
    ein schöner Artikel, der Mut macht. Glücklicherweise konnten wir bisher immer alle zusammen verreisen, aber irgendwie juckt es mich schon in den Fingerspitzen, auch mal zu probieren, wie es ist allein mit Kindern zu verreisen.
    Viele positive Beispiele dazu hast du ja aufgezeigt!
    LG Regina

  2. Hallo Gela,
    schöner Artikel und interessanter Einblick in die Reisegewohnheiten und Erlebnisse anderer Reiseblogger. Vielen Dank, dass ich mitmachen durfte.

  3. Liebe Sabine,
    1000 Dank fürs Mitmachen! Zum Glück ist mir so etwas wie dir beim verhinderten Marokko-Trip noch nie passiert. Aber das mit der Hochzeit kann ich dir sehr gut nachfühlen!
    Liebe Grüße
    Gela

  4. Liebe Regina,
    ich habe mich auch über die vielen schönen Beiträge gefreut. Vieles funktioniert doch wirklich viel besser, als man es sich vorher ausmalt. Erzählst du mir dann auch über deinen ersten Solotrip mit Kind?!
    Liebe Grüße
    Gela

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